Teil unseres Leitfadens zu KI-Transkription für Komponist:innen und Songwriter:innen.
Wenn du Songs transkribierst oder Arrangements schreibst, kommt irgendwann eine ganz praktische Frage auf: Darfst du das Ergebnis verkaufen, und wenn ja, was ist erlaubt? In diesem Beitrag geht es nur ums Verkaufen, also darum, wofür du einen Preis verlangen kannst, wofür du vorher eine Lizenz brauchst und wo die Grenze zwischen bezahlter Arbeit und dem öffentlichen Verkauf von Kopien verläuft. Den Rahmen halten wir mit Absicht eng. Ob Transkribieren überhaupt legal ist, erklären wir in Was ist Musiktranskription?, und wie du das Urheberrecht an deinem eigenen Song registrieren lässt, steht in Urheberrecht für einen Song registrieren. Hier geht es ums Geld.
Eine Transkription ist ein abgeleitetes Werk
Wenn du einen geschützten Song transkribierst oder arrangierst, schaffst du ein abgeleitetes Werk einer Komposition, die dir nicht gehört. Davon hängt alles Weitere ab. Die Komposition selbst, also Melodie, Harmonien und Text, so wie sie geschrieben sind, gehört den Rechteinhaber:innen, meistens den Songwriter:innen oder einem Musikverlag, der für sie handelt. Deine Transkription hält diese Komposition in Noten fest, ein Arrangement gestaltet sie um, aber in keinem der beiden Fälle geht das Original in deinen Besitz über. Vielleicht steckt viel Können in deinen Noten oder deinem Arrangement, und diese Arbeit gehört dir. Sie baut aber auf dem geschützten Werk von jemand anderem auf. Genau deshalb kannst du eine fertige Transkription nicht einfach wie ein Produkt behandeln, das du frei verkaufen darfst. Die Rechte an der Komposition gehen immer mit. Was eine Transkription eigentlich enthält und worin sich ein Leadsheet von einem ausgearbeiteten Arrangement unterscheidet, spielt eine Rolle, wenn du beschreibst, was du anbietest. An der Frage, wem die Komposition gehört, ändert beides nichts.
Für den Verkauf von Kopien brauchst du eine Lizenz
Am klarsten ist die Lage, wenn du Kopien eines Arrangements zu einem geschützten Song öffentlich verkaufst. Dafür brauchst du eine Erlaubnis, denn die zugrunde liegende Komposition gehört dir nicht. Willst du Kopien deines Arrangements verbreiten, ob als gedruckte Noten, als PDF zum Herunterladen oder als andere digitale Datei, brauchst du in der Regel eine Lizenz oder die Zustimmung des Verlags, der die Rechte an dem Song hält. Meistens spricht man von einer Arrangement-Lizenz, und es gibt einen etablierten Weg, eine zu bekommen. Dienste wie ArrangeMe, betrieben von Hal Leonard, bringen Arrangeur:innen mit den Verlagen zusammen, die die Rechte halten, und klären die Erlaubnis für ein Arrangement. Die Arrangeur:innen verkaufen dann lizenzierte Kopien über einen Shop, und die Rechteinhaber:innen bekommen ihren Anteil. Verboten ist das Verkaufen von Arrangements also nicht. Gehört dir der Song aber nicht, führt der legale Weg über einen Lizenzkanal und nicht an ihm vorbei. Lässt du diesen Schritt aus und verkaufst trotzdem Kopien, verbreitest du die Komposition von jemand anderem ohne Genehmigung, und genau das soll die Lizenz verhindern.
Bezahlte Arbeit oder verkaufte Kopien
Kopien öffentlich zu verkaufen ist etwas anderes, als sich fürs Transkribieren bezahlen zu lassen. Gibt dir jemand eine Aufnahme, an der die Person schon die Rechte hat, oder bittet dich, einen Song nur zum privaten Üben zu transkribieren, dann wirst du für deine Arbeit bezahlt: für deine Zeit, dein Gehör und dein Können, aus Audio lesbare Noten zu machen. Du stellst keine Kopien her, die du auf einem offenen Markt verbreitest. So eine Auftragsarbeit ist ein anderes Geschäft, als ein Arrangement für alle, die es haben wollen, zum Verkauf anzubieten. Ein Schlupfloch ist der Unterschied allerdings nicht. Am Ende zählt, wofür das Ergebnis verwendet wird. Führt die Person, die die Transkription bestellt hat, sie danach öffentlich auf oder verbreitet Kopien, kommt die Lizenz für die zugrunde liegende Komposition wieder ins Spiel. Die Verantwortung, sie zu klären, fällt auch nicht weg, nur weil das Geld fürs Aufschreiben geflossen ist und nicht für die Kopien. Für die Arbeit Geld zu nehmen ist für sich genommen also in Ordnung, an den Rechten am Song ändert das aber nichts.
Was du frei verkaufen darfst
Frei bist du bei zwei Arten von Musik. Die eine ist gemeinfreie Musik: alte klassische Stücke, traditionelle Melodien und andere Werke, deren Urheberrecht abgelaufen ist. Du kannst sie transkribieren, arrangieren und das Ergebnis verkaufen, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen, denn es gibt niemanden mehr, der dafür eine Lizenz vergeben könnte. Ob ein Werk gemeinfrei ist, hängt vom Land ab und davon, wie alt es ist. Prüf das also für dein Land, bevor du dich darauf verlässt. Denk außerdem daran, dass eine moderne Notenausgabe eines gemeinfreien Stücks ein eigenes, neues Urheberrecht haben kann, auch wenn die Musik selbst frei ist. Die andere ist deine eigene Musik. Hast du den Song geschrieben, gehört er dir, und ob du deine Transkription oder dein Arrangement davon verkaufst, entscheidest du allein. Eine Lizenz brauchst du dafür nicht. Für alles, was noch geschützt ist, gilt der Lizenzweg von oben. Bevor du irgendetwas mit einem Preis versiehst, klär also zuerst, ob ein Song gemeinfrei ist, von dir stammt oder noch geschützt ist.
Häufige Fragen
Darf ich die Transkription eines urheberrechtlich geschützten Songs verkaufen?
In der Regel nicht ohne Erlaubnis. Die Transkription eines geschützten Songs ist ein abgeleitetes Werk einer Komposition, die dir nicht gehört. Wenn du Kopien öffentlich verkaufen willst, brauchst du deshalb normalerweise eine Lizenz oder die Zustimmung des Musikverlags, der die Rechte an dem Song hält. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Die Regeln sind von Land zu Land verschieden, also lass dich fachkundig beraten, bevor du etwas verkaufst. Ausgenommen sind gemeinfreie Musik und Musik, die du selbst geschrieben hast. Beides darfst du frei transkribieren und verkaufen.
Darf ich ein Arrangement verkaufen, das ich von einem Song geschrieben habe?
Wenn du einen geschützten Song arrangierst, gehört dir die zugrunde liegende Komposition dadurch nicht. Um Kopien des Arrangements öffentlich zu verkaufen, brauchst du in der Regel eine Arrangement-Lizenz oder die Zustimmung des Verlags. Dienste wie ArrangeMe und Hal Leonard gibt es genau dafür. Sie klären diese Rechte, und Arrangeur:innen können darüber lizenzierte Arrangements verkaufen. Ist das Originalwerk gemeinfrei oder hast du deine eigene Musik arrangiert, kannst du das Arrangement ohne diese Erlaubnis verkaufen. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Darf ich Geld dafür nehmen, dass ich für jemanden einen Song transkribiere?
Wenn du dich dafür bezahlen lässt, einen Song für jemanden zu transkribieren, der schon die Rechte daran hat oder die Noten nur privat braucht, ist das etwas anderes, als Kopien eines Arrangements öffentlich zu verkaufen. Bei einer Transkription als Auftragsarbeit bekommst du Geld für deine Zeit und dein Können und verbreitest keine Kopien. Wie es rechtlich aussieht, hängt trotzdem davon ab, was die Person mit dem Ergebnis vorhat. Sobald die Noten verbreitet oder aufgeführt werden, kommt es wieder auf die Lizenz für die zugrunde liegende Komposition an. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Welche Musik darf ich frei transkribieren und verkaufen?
Frei sind zwei Arten von Musik: gemeinfreie Werke, etwa alte klassische Stücke und traditionelle Melodien, deren Urheberrecht abgelaufen ist, und deine eigene Musik, die dir ganz gehört. Beides darfst du transkribieren, arrangieren und verkaufen, ohne für das zugrunde liegende Werk um Erlaubnis zu fragen. Eine moderne Notenausgabe eines gemeinfreien Stücks kann allerdings ein eigenes, neues Urheberrecht haben. Nimm deshalb die Musik selbst als Grundlage und keine geschützte Ausgabe. Für alles andere, also Songs, die noch geschützt sind, brauchst du in der Regel eine Lizenz, bevor du Kopien verkaufst. Ob ein Werk gemeinfrei ist, ist von Land zu Land verschieden, also prüf das für dein Land. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Egal, was du verkaufen willst, der Ablauf ist immer derselbe: Erst machst du aus der Aufnahme saubere, bearbeitbare Noten, dann klärst du die Rechte. Lade eine Aufnahme bei Songscription hoch und bekomm Noten, die du exportieren und bearbeiten kannst, und kümmer dich getrennt davon um die nötigen Lizenzen, bevor du die Noten zum Verkauf anbietest.
