Dieser Artikel gehört zu unserem Ratgeber zur Auswahl von Tools für Musiktranskription.
Vorweg das Offensichtliche. Songscription ist unser eigenes Produkt. Wir versuchen trotzdem, Moises fair zu behandeln, auch da, wo Moises klar das bessere Tool ist. Ein ehrlicher Vergleich hilft dir mehr als ein Verkaufsgespräch, und meistens sind die beiden Apps gar keine Konkurrenten. Sie beantworten unterschiedliche Fragen. Moises ist die Antwort auf „Ich will diese Aufnahme zerlegen und dazu üben“. Songscription ist die Antwort auf „Gib mir die Noten, damit ich sie lesen, bearbeiten und ausdrucken kann“.
Moises ist in diesem Bereich die größte App und hat zig Millionen Nutzer:innen. Viele landen bei einem Vergleich wie diesem, weil sie Moises ausprobiert haben, die Stem-Trennung und die Akkordansicht super fanden und dann nicht weiterkamen, als sie echte Noten oder eine MIDI-Datei herausholen wollten. Genau an dieser Grenze trennen sich die beiden Apps.
Kurz zusammengefasst
- Moises. Eine KI-App zum Üben und zum Trennen von Stems. Du zerlegst einen Song in Gesang, Drums, Bass und weitere Parts, siehst bei der Wiedergabe Akkorde und Tonart, machst ihn langsamer oder änderst die Tonhöhe und jammst mit einem smarten Metronom dazu. Heraus kommt Audio, also getrennte Stems oder eine gemischte Datei als MP3, M4A oder WAV. Am besten geeignet, wenn du Teile einer Aufnahme herauslösen, entfernen oder dazu üben willst.
- Songscription. Eine KI-App für Transkription. Sie macht aus einer Aufnahme Noten, die du lesen und bearbeiten kannst, und du exportierst sie als PDF, MIDI, MusicXML oder Guitar-Pro-Tabs. Songscription kann außerdem arrangieren und den Schwierigkeitsgrad anpassen, und in einer interaktiven Piano Roll prüfst du das Ergebnis. Am besten geeignet, wenn du die Noten wirklich auf dem Papier haben willst, in einer Datei, die du in einem Notenprogramm oder einer DAW öffnen kannst.
Kurz gesagt gibt dir Moises Audio zurück und Songscription Noten. Falls du bisher versucht hast, aus Moises irgendwie Noten herauszuholen, hat es genau deshalb nicht geklappt. Du hast also keine Einstellung übersehen.
Was Moises gut kann
Moises ist nicht ohne Grund so beliebt. Im Kern steht eine hochwertige Stem-Trennung. Du lädst einen Track hoch, und Moises zerlegt den Mix in Gesang, Drums, Bass und weitere Instrumente, in den höheren Tarifen auch feiner, etwa in Lead- und Rhythmusgitarre. Dazu kommen die Werkzeuge, zu denen man beim Üben wirklich greift. Moises erkennt Akkorde und Tonart in Echtzeit und zeigt sie während der Wiedergabe an. Mit dem Pitch Shifter und der Tempoänderung legst du einen Song in eine leichtere Tonart oder machst eine schwierige Passage langsamer. Ein smartes Metronom koppelt den Klick an den Song, die App schreibt Songtexte mit, und für Auftritte gibt es Setlists. Moises läuft auf iOS, Android, im Web und auf dem Desktop.
Wenn du einen Song nach Gehör lernen, mit einem Backing Track proben, eine Karaoke-Version erstellen oder die Gitarre stummschalten willst, um sie selbst zu spielen, ist Moises hervorragend, und Songscription macht nichts davon. Ist das dein Ziel, bist du mit Moises richtig und kannst hier aufhören zu lesen.
Audio rein, Audio raus
An diesem Punkt fangen viele an, nach einer Alternative zu suchen. Alles, was Moises über einen Song herausfindet, bleibt in der App. Du kannst es dir ansehen, aber nicht mitnehmen. Die erkannten Akkorde und die Tonart siehst du auf dem Bildschirm, während der Track läuft, exportieren kannst du sie aber weder als Akkordblatt noch als Leadsheet, MIDI oder MusicXML. Moises hat ausdrücklich gesagt, dass die Akkorderkennung eine In-App-Funktion ist und kein Export geplant ist. Exportieren kannst du tatsächlich nur Audio, also die getrennten Stems oder einen Mixdown als MP3, M4A oder WAV.
Das ist eine bewusste Produktentscheidung und kein Fehler, und sie passt dazu, dass Moises zum Üben und Abspielen gedacht ist. Es heißt aber auch, dass du aus Moises keine Noten zum Ausdrucken bekommst, keine Stimme für jemanden aus deiner Band, keine Datei für MuseScore oder Sibelius und kein MIDI für deine DAW. Brauchst du etwas davon, hilft dir auch kein Moises-Tarif weiter, denn die App erzeugt überhaupt keine Noten.
Was Songscription macht
Songscription fängt am selben Punkt an, bei einer Aufnahme, kommt aber woanders an, nämlich bei aufgeschriebenen Noten. Songscription hört sich das Audio an und macht daraus Noten, die du bearbeiten kannst. Du prüfst und korrigierst sie in einer interaktiven Piano Roll und exportierst sie dann als PDF, MIDI, MusicXML oder Guitar-Pro-Tabs. Vor der Transkription kann Songscription ein einzelnes Instrument aus einem kompletten Mix herauslösen, du musst die Stems also nicht erst selbst trennen. Über die reine Transkription hinaus kann Songscription eine Stimme für ein bestimmtes Instrument arrangieren und ihren Schwierigkeitsgrad anpassen. Das ist praktisch, wenn du etwas transkribierst, um es wirklich zu lernen oder zu unterrichten.
Die Aufgabe von Moises übernimmt Songscription dagegen nicht. Songscription exportiert keine Stems, baut keine Karaoke-Versionen und ist keine Metronom-App zum Live-Üben, und als App fürs Smartphone gibt es Songscription derzeit nicht. Für Backing Tracks oder zum Entfernen von Gesang ist Moises das richtige Tool. Konkurrenten scheinen die beiden nur deshalb zu sein, weil beide zuerst eine Aufnahme analysieren. Was sie dir am Ende zurückgeben, könnte unterschiedlicher kaum sein.
Beide zusammen nutzen
Weil die beiden unterschiedliche Aufgaben erledigen, lohnt es sich, sie zu kombinieren. Bei einem dichten, stark produzierten Track, in dem die gesuchte Stimme untergeht, kannst du den Mix in Moises trennen, den Stem, um den es dir geht, als saubere WAV-Datei exportieren und ihn dann durch Songscription laufen lassen, damit du genaue Noten bekommst. Songscription kann ein einzelnes Instrument auch selbst aus einem kompletten Mix herausholen, das ist also eine Option und kein Muss. Bei den vollsten Aufnahmen kann der zusätzliche Trennschritt das Ergebnis aber verbessern. Moises trennt, Songscription schreibt die Noten. Nutzt du beide hintereinander, kommst du vom kompletten Song über eine einzelne Stimme zu Noten, die du lesen und bearbeiten kannst.
So entscheidest du dich
- Du willst Teile einer Aufnahme herauslösen, stummschalten oder entfernen? Moises. Die Stem-Trennung ist seine größte Stärke.
- Du willst dazu üben, einen Song langsamer machen oder seine Tonart als Audio ändern? Moises, oder die Piano Roll in Songscription, wenn du dabei auch die Noten lesen willst. Einen breiteren Überblick über Tools zum langsameren Üben findest du in unserer Übersicht der besten Apps, um Songs zu verlangsamen.
- Du willst Noten, ein Leadsheet, MIDI, MusicXML oder Tabs, die du bearbeiten und ausdrucken kannst? Songscription. Moises exportiert keinerlei Noten.
- Du willst bei der Wiedergabe Akkorde sehen, musst sie aber nie exportieren? Das erledigt Moises in der App. Brauchst du die Akkorde in einer Datei, lies nach, wie du mit Songscription die Akkorde zu jedem Song bekommst.
- Du arbeitest mit einem sehr dichten Mix? Nimm beide. In Moises trennst du, in Songscription entstehen die Noten.
Wenn du dich gezielt zwischen Transkriptionstools entscheiden willst, findest du in unserem Ratgeber zu Tools für Musiktranskription und in unserer Übersicht der besten Transkriptionssoftware Vergleiche mit Tools, die anders als Moises tatsächlich Noten erzeugen.
Häufige Fragen
Exportiert Moises Noten oder MIDI?
Nein. Moises exportiert nur Audio, entweder getrennte Stems oder eine gemischte Datei, jeweils als MP3, M4A oder WAV. Akkorderkennung und Tonartbestimmung laufen in der App während der Wiedergabe, und laut Moises sind die erkannten Akkorde eine reine In-App-Funktion, für die kein Export geplant ist. Noten, MusicXML oder MIDI bekommst du aus Moises nicht heraus. Brauchst du Noten oder MIDI aus einer Aufnahme, ist das eine Aufgabe für ein Transkriptionstool wie Songscription.
Was ist der Unterschied zwischen Songscription und Moises?
Die beiden lösen verschiedene Probleme. Moises zerlegt einen Song in Stems, zeigt bei der Wiedergabe Akkorde und Tonart an, und du kannst Tempo und Tonhöhe ändern, um dazu zu üben. Alles, was dabei herauskommt, bleibt Audio. Songscription macht aus der Aufnahme Noten, die du lesen, bearbeiten und als PDF, MIDI, MusicXML oder Guitar-Pro-Tabs exportieren kannst. Moises ist für Backing Tracks gemacht, Songscription für die Noten auf dem Papier.
Kann ich Moises und Songscription zusammen benutzen?
Ja, die beiden passen gut zusammen. Du trennst mit Moises ein einzelnes Instrument aus einem dichten Mix heraus und lässt diesen saubereren Stem dann durch Songscription laufen, damit du genaue Noten bekommst. Songscription kann ein einzelnes Instrument auch selbst aus einem kompletten Mix herausholen, der zusätzliche Schritt ist also optional. Bei sehr vollen Aufnahmen kann es aber helfen, vorher zu trennen.
Was kostet Moises?
Moises hat einen kostenlosen Tarif mit monatlichem Upload-Limit und kürzeren Dateien. Die Abos Premium und Pro schalten unbegrenzte Uploads, mehr Stem-Typen und eine bessere Trennqualität frei. Die Preise unterscheiden sich je nach Region und danach, ob du im Web oder über einen App Store abschließt. Schau deshalb vorher auf der Website von Moises nach dem aktuellen Preis. Für diesen Vergleich zählt ohnehin weniger der Preis als das, was herauskommt, und da exportiert jeder Tarif Audio und keine Noten.
Am schnellsten siehst du den Unterschied an einem Song, den du schon kennst. Lade eine Aufnahme bei Songscription hoch und hol dir aus dem Audio Noten, MIDI und Tabs, die du bearbeiten kannst.