AnleitungMusiktranskriptionAndrew Carlins•8 Min. Lesezeit

Audio mit KI in Gitarrentabs umwandeln

Eine Gitarrenstimme rauszuhören kostet Zeit. KI-Generatoren für Tabs machen aus einer Audiodatei oder einem YouTube-Link in wenigen Minuten eine lesbare Tabulatur. Hier liest du, wie das in der Praxis abläuft und wie sich die wichtigsten Tools unterscheiden.

Audio mit KI in Gitarrentabs umwandeln: Aufnahme vorbereiten, Umwandlung Schritt für Schritt und Tipps für mehr Genauigkeit

Dieser Artikel gehört zu unserem Leitfaden zum Transkribieren beliebiger Instrumente.

Wer eine Gitarrenstimme nach Gehör transkribiert, spielt die Aufnahme langsamer ab, sucht die richtigen Bünde und zweifelt bei jedem Bending. KI-Generatoren für Gitarrentabs übernehmen diesen ersten Durchgang und machen aus einer Audiodatei oder einem YouTube-Link in ein, zwei Minuten eine lesbare Tabulatur. Fehlerfrei ist das Ergebnis nicht, aber es ist weit besser als die unbrauchbaren Transkriptionen, die solche Tools noch vor ein paar Jahren geliefert haben.

Wir gehen hier durch, was du vorbereiten solltest, wie der Ablauf in der Praxis aussieht, wie du die Genauigkeit verbesserst und wie sich die wichtigsten Tools unterscheiden. Eines davon, Songscription, kommt von uns. Beim Vergleich bleiben wir trotzdem so ehrlich wie möglich und sagen auch, wo Klangio oder eines der anderen Tools besser passt.

Was du vorher brauchst

Für einen genauen Gitarrentab aus einem KI-Tool brauchst du drei Dinge. Wenn die vorher stimmen, sparst du dir später viel Nachbearbeitung.

  • Eine saubere Audiodatei. MP3, WAV und M4A funktionieren, und die meisten Tools nehmen auch einen YouTube-Link. Eine direkt hochgeladene Datei bringt meist bessere Ergebnisse als ein YouTube-Rip, und starke Kompression oder Hintergrundgeräusche drücken die Genauigkeit.
  • Eine klare Vorstellung, welche Gitarrenstimme du willst. Sind auf der Aufnahme zwei Gitarren, verschwimmen Rhythmus- und Leadgitarre miteinander, solange keine davon isoliert ist. Aufnahmen mit nur einer Gitarre ergeben die saubersten Tabs.
  • Das Exportformat, das du wirklich brauchst. Bei den meisten Tools ist die Vorschau einer Transkription kostenlos, die nützlichen Exporte wie Guitar-Pro-Dateien, MusicXML und MIDI gibt es aber nur mit Bezahlabo. Überleg dir, bevor du ein Abo abschließt, ob du eine bearbeitbare Guitar-Pro-Datei, ein druckbares PDF oder MIDI für deine DAW brauchst.

Audio in Gitarrentabs umwandeln, Schritt für Schritt

Der Ablauf ist bei allen Tools ungefähr gleich: hochladen, Instrument wählen, prüfen, exportieren. Als Beispiel nehmen wir den Gitarrentab-Generator von Songscription, weil er die Gitarre aus einem Mix isoliert und die meisten Exportformate hat. Das Prinzip gilt aber genauso, egal womit du transkribierst.

Schritt 1: Audio hochladen

Zieh deine Datei in den Upload-Bereich oder füg einen YouTube-Link ein. Songscription nimmt MP3, WAV und YouTube-URLs an, ohne dass du das Video vorher herunterladen musst. In der kostenlosen Version bekommst du unbegrenzt viele 30-Sekunden-Vorschauen. Das reicht, um die Genauigkeit an einem Riff oder Solo zu prüfen, bevor du für irgendetwas bezahlst. Für längere Aufnahmen brauchst du ein Bezahlabo.

Saubere, isolierte Gitarrenspuren bringen die besten Ergebnisse. Hast du nur den Mix der ganzen Band, geht das trotzdem, denn die KI isoliert die Gitarrenstimme und transkribiert sie für sich. Mit einer Aufnahme der Gitarre allein wird das Ergebnis aber immer sauberer.

Schritt 2: Gitarre als Instrument wählen

Wähl bei den Instrumenten die Gitarre aus. Dann ist das Modell auf sechssaitige Muster und typische Gitarrentechniken eingestellt und muss nicht raten. Akustik- und E-Gitarre laufen über dieselbe Auswahl, weil das Modell mit dem Audio arbeitet und nicht mit dem Tonabnehmer. Für den Bass gibt es eine eigene Option, falls du sie brauchst.

Das falsche Instrument ist der häufigste Grund, warum eine Transkription danebenliegt. Ein Modell, das den Tonumfang einer Gitarre erwartet, liest eine Basslinie falsch, weil die eine Oktave tiefer liegt. Und ein Modell, das nicht mit Bendings rechnet, bügelt sie womöglich glatt.

Schritt 3: Transkription prüfen und bearbeiten

Keine KI-Transkription ist beim ersten Durchgang perfekt, deshalb räumst du im eingebauten Editor auf. Fang mit den offensichtlichen Fehlern an, also mit Tönen, die im Vergleich mit der Aufnahme schief klingen, oder mit Rhythmen, die eindeutig nicht passen. Danach kommen die feineren dran.

In den meisten Editoren kannst du eine Note auf den richtigen Bund oder die richtige Saite ziehen und ihren Notenwert ändern. Such dabei vor allem nach zwei Fehlern: lang gehaltenen Tönen, die die KI in kürzere Anschläge zerhackt hat, und einzelnen Tönen, aus denen sie einen schnellen Doppelanschlag gemacht hat. Wenn du weißt, worauf du achten musst, sind beide schnell behoben.

Schritt 4: Tabs exportieren

Sieht die Transkription gut aus, exportierst du sie in dem Format, das zu deinem Zweck passt. Songscription exportiert mit Bezahlabo Guitar Pro (.gp5), PDF, MIDI und MusicXML. Die kostenlose Version ist für die Vorschau gedacht, den fertigen Tab herunterladen kannst du also nur mit Abo.

  • Guitar Pro (.gp5): öffnet sich in Guitar Pro, TuxGuitar und anderen Tab-Editoren. Die richtige Wahl, wenn du den Tab abspielen oder weiter bearbeiten willst.
  • PDF: lässt sich sauber ausdrucken, zum Üben und Lesen ohne Bildschirm.
  • MIDI: lässt sich in deine DAW laden, zum Abspielen oder um ein Arrangement um die Stimme herum zu bauen.
  • MusicXML: öffnet sich in MuseScore, Sibelius, Finale oder Dorico, wenn du neben dem Tab auch Noten haben willst.

Tipps für sauberere Tabs

Mit ein paar Gewohnheiten wird das Ergebnis deutlich besser. Meistens geht es darum, dem Modell ein möglichst sauberes Signal zu geben.

  • Nimm isolierte Spuren, wo es geht. Hast du Stems oder eine Instrumentalversion, nimm die. Am schwersten tun sich die Algorithmen, wenn Bass, Gesang oder eine zweite Gitarre im selben Frequenzbereich liegen wie die Stimme, die du willst.
  • Sei sparsam mit Hall und Verzerrung. Starke Verzerrung verwischt, wo Töne anfangen und aufhören, und bringt zusätzliche Obertöne ins Signal. Deshalb lässt sich ein cleaner oder leicht angezerrter Sound viel besser transkribieren als eine Fuzz-Wand. Bei einer stark bearbeiteten Aufnahme hilft ein Noise Gate oder ein bisschen EQ.
  • Schneid die Stille am Anfang weg. Viele Tools werten die ersten Sekunden aus, um Tempo und Tonart zu erkennen. Stille am Anfang kann deshalb die Kalibrierung für die ganze Transkription durcheinanderbringen.
  • Nimm WAV statt MP3, wenn du es hast. Eine verlustfreie Datei behält die Obertondetails, an denen das Modell ähnliche Töne und Akkorde auseinanderhält.

Es hilft auch zu wissen, was dich erwartet. Bei einer sauberen Aufnahme stimmen ungefähr 70 bis 90 Prozent der Töne. Einzeltonlinien und angeschlagene Akkorde klappen besser als schnelle Soli oder dichtes Fingerpicking. Dort fasst das Tool überlappende Töne schon mal zu einem Akkord zusammen oder überhört eine leise Ghostnote. Rechne damit, etwas Timing und hin und wieder einen falschen Ton zu korrigieren, statt dem ersten Durchgang blind zu vertrauen. Wie das technisch funktioniert, erklärt unser Leitfaden, wie du Audio in MIDI umwandelst. Dort geht es um denselben Transkriptionsschritt, nur ausführlicher.

Die Tools im Vergleich

Gitarrist:innen greifen meistens zu einem von vier Tools. Kurz zusammengefasst:

  • Songscription: isoliert die Gitarre aus dem kompletten Mix, hat die meisten Exportformate und kostenlose Vorschauen zum Testen vor dem Bezahlen.
  • Klangio Guitar2Tabs: ein Transkriptionstool speziell für Gitarre, mit Guitar-Pro-Export und Apps fürs Handy.
  • Tabtify: ein Editor im Browser, der aus Audio Tabs macht und sie verfeinert, ohne dass du etwas installieren musst.
  • audio2guitar: Tabs zusammen mit Akkorden und synchronisiertem Songtext, gedacht zum Aufschlüsseln ganzer Songs.

Songscription

Stark ist Songscription bei den Exportformaten und beim Editor in der App. Aus einem einzigen Upload kann eine Guitar-Pro-Datei werden, ein PDF-Tab, MIDI, MusicXML oder normale Noten. Songscription isoliert außerdem die Gitarre aus der Aufnahme einer ganzen Band und hilft auch beim Arrangieren, nicht nur beim reinen Transkribieren. Mit unbegrenzt vielen 30-Sekunden-Vorschauen prüfst du die Genauigkeit an einer Stelle, bevor du bezahlst.

Die kostenlose Version ist allerdings reine Vorschau, einen fertigen Tab kannst du ohne Bezahlabo nicht herunterladen. Und Songscription konzentriert sich auf ausgewählte Instrumente, statt jede Stimmung und jede Technik abzudecken, die sich Spezialist:innen wünschen würden.

Klangio Guitar2Tabs

Klangio Guitar2Tabs ist speziell für Gitarre gebaut, und genau darin liegt seine Stärke. Die Oberfläche ist auf Gitarrist:innen zugeschnitten, exportiert werden Guitar Pro, MusicXML und MIDI, und für iOS und Android gibt es Apps, falls du vom Handy aus transkribieren willst.

Nach 20 Sekunden ist die kostenlose Demo vorbei. Downloads und den Bearbeitungsmodus schaltest du erst über ein kostenpflichtiges Ticketsystem frei.

Tabtify

Tabtify läuft komplett im Browser, du musst also nichts installieren. Es macht aus Audio, MIDI oder YouTube-Links bearbeitbare Tabs und exportiert GP5, GPX, PDF, MusicXML und MIDI. Artikulationen wie Bendings, Slides und Palm Mutes bleiben dabei erhalten.

Dafür kann Tabtify nur Gitarre, und weil es neuer ist als die anderen Tools, ist es auch weniger erprobt. Auch die Grenzen der kostenlosen Version sind weniger klar beschrieben als bei Klangio oder Songscription.

audio2guitar

audio2guitar liefert Tabs zusammen mit Akkorddiagrammen und einem Songtext, der Wort für Wort mit dem Audio synchronisiert ist. In der kostenlosen Version bekommst du drei komplette Songs. Praktisch ist das für alle, die singen und dazu Gitarre spielen und einen ganzen Song aufgeschlüsselt haben wollen statt nur einen Tab.

Exportieren lassen sich aber nur PDF und MIDI, eine Guitar-Pro-Datei gibt es nicht. Zum Lernen eines Songs taugt audio2guitar deshalb besser als für einen bearbeitbaren Tab, an dem du weiterarbeiten willst.

Welches Tool passt zu dir?

Welches Tool das richtige ist, hängt davon ab, was du mit dem Tab vorhast, und nicht davon, welches ganz allgemein „das beste“ ist:

  • Du willst bearbeitbare Guitar-Pro-Dateien und aus demselben Upload auch Noten oder MIDI? Songscription oder Klangio.
  • Du willst im Browser umwandeln und bearbeiten, ohne etwas zu installieren? Tabtify.
  • Du singst, spielst Gitarre und willst Akkorde und Songtext zum Tab? audio2guitar.
  • Du willst vor dem Bezahlen nur die Genauigkeit an einem Riff testen? Dafür reicht jede kostenlose Version. Am schnellsten siehst du mit den 30-Sekunden-Vorschauen von Songscription oder der 20-Sekunden-Demo von Klangio, was du bekommst.

Wenn du Transkriptions-Tools auch jenseits der Gitarre vergleichen willst, schau in unsere Übersicht der besten Software für Musiktranskription. Dort stellen wir KI-Tools und andere Hilfsmittel für verschiedene Instrumente vor.

Fazit

Das Umwandeln selbst ist heute nicht mehr das Schwierige. Mit jedem dieser Tools hast du in ein, zwei Minuten 70 bis 90 Prozent eines brauchbaren Tabs. Das ist etwas ganz anderes, als einen Abend lang einen Lick über vier Takte immer wieder zurückzuspulen. Die Arbeit liegt jetzt beim Aufräumen nach der Transkription und bei der Frage, wofür du den Tab überhaupt haben willst.

Für Gitarrist:innen zählt am Ende das Exportformat mehr als kleine Unterschiede in der reinen Genauigkeit. Eine Guitar-Pro-Datei, die du in TuxGuitar langsamer abspielen und in einer Schleife laufen lassen kannst, bringt dir beim Üben mehr als ein minimal saubererer ASCII-Tab, den du nicht bearbeiten kannst. Nimm das Tool, dessen Ergebnis zu deinem Workflow passt, und probier es an einem echten Riff aus deiner eigenen Sammlung aus, bevor du irgendetwas bezahlst. Was du bekommst, ist ein solider erster Entwurf, noch kein fertiger Tab. Wenn du vor allem Gitarre spielst, fang am besten mit dem Gitarrentab-Generator von Songscription an.

Häufige Fragen

Wie wandle ich Audio in Gitarrentabs um?

Du lädst eine Audiodatei in einen KI-Tab-Generator hoch oder fügst dort einen YouTube-Link ein, wählst Gitarre als Instrument, prüfst und bearbeitest die Transkription und exportierst sie dann. Der Gitarrentab-Generator von Songscription nimmt MP3, WAV oder eine YouTube-URL an und isoliert die Gitarre vor dem Transkribieren aus dem Mix der ganzen Band. Mit einem Bezahlabo exportierst du das Ergebnis als Guitar-Pro-Datei, PDF, MIDI oder MusicXML. Vorher kannst du die Genauigkeit in unbegrenzt vielen 30-Sekunden-Vorschauen prüfen.

Wie genau sind KI-Gitarrentabs?

Bei einer sauberen Aufnahme stimmen ungefähr 70 bis 90 Prozent der Töne. Einzeltonlinien und angeschlagene Akkorde klappen besser als schnelle Soli oder dichtes Fingerpicking. Dort fasst das Tool überlappende Töne schon mal zu einem Akkord zusammen oder überhört eine leise Ghostnote. Rechne damit, im Editor etwas Timing und hin und wieder einen falschen Ton zu korrigieren, statt dem ersten Durchgang blind zu vertrauen.

Welches Tool macht aus einer Aufnahme bearbeitbare Guitar-Pro-Dateien?

Songscription und Klangio Guitar2Tabs exportieren beide bearbeitbare Guitar-Pro-Dateien. Songscription liefert aus demselben Upload zusätzlich PDF, MIDI und MusicXML und isoliert die Gitarre aus dem kompletten Mix. Auch Tabtify exportiert im Browser GP5 und GPX. audio2guitar ist auf PDF und MIDI beschränkt, eine Guitar-Pro-Datei gibt es dort nicht. Damit taugt es eher zum Lernen eines Songs als für einen Tab, an dem du weiterarbeiten willst.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

Mehr über das Team

Hier findest du weitere Artikel zu denselben Themen.