Bei einem Gitarren-Tab mit Kapodaster setzt du den Kapodaster zuerst auf den Bund, der oben im Tab angegeben ist. „Capo IV“ heißt zum Beispiel 4. Bund. Von da an ist der Kapodaster dein neuer Sattel: Eine 0 bedeutet, dass du die Saite nicht greifst und sie ab dem Kapodaster klingt, eine 2 liegt zwei Bünde darüber, und alle anderen Zahlen zählen von dort aus weiter. Fast jedes Tab mit Kapodaster, das du findest, ist so geschrieben. Deshalb sehen die Griffe aus wie vertraute offene Akkorde.
Verwirrend wird es, wenn sich ein Tab nicht an diese Konvention hält oder wenn die Akkordnamen über dem Tab nicht zu dem passen, was du auf der Aufnahme hörst. Dann hilft es, die beiden Zählweisen zu kennen, zu wissen, was die Akkordnamen meinen, und ein Tab von der einen Zählweise in die andere umrechnen zu können. Sind Tabs ganz neu für dich, lies am besten zuerst nach, wie man Gitarren-Tabs liest, und komm dann hierher zurück.
Was bedeutet „Capo IV“ in einem Tab?
„Capo IV“ heißt, dass der Kapodaster in den 4. Bund gehört. In Gitarrennoten stehen Bundpositionen oft als römische Ziffern, deshalb begegnen dir Capo II, Capo III, Capo V, Capo VII und so weiter. Dieselbe Anweisung kann auch als „Capo 4“, „Kapo im 4. Bund“ oder auf einem Akkordblatt einfach als „C4“ auftauchen.
Die Kapodaster-Angabe steht meist ganz oben im Tab, neben der Stimmung oder über der ersten Zeile. Sie gilt für den ganzen Song, solange das Tab nichts anderes sagt. Übersiehst du sie und spielst ohne Kapodaster, ist jeder Akkord für sich richtig, steht aber in der falschen Tonart. Deshalb klingt ein Tab, das du zur Aufnahme spielst, oft „irgendwie schief“.
Ab dem Kapodaster oder ab dem Sattel gezählt
Ein Tab für einen Song mit Kapodaster kann die Bünde auf zwei Arten zählen, und je nach Zählweise greifst du ganz andere Bünde.
Tabs, die ab dem Kapodaster zählen, nehmen den Kapodaster als Bund 0. Eine 0 ist der Kapodaster selbst, eine 3 liegt drei Bünde darüber. So sind Tabs und Songbooks normalerweise geschrieben, weil du dann in offenen Griffen denken kannst. Ein Song in A mit Capo II sieht genauso aus wie ein Song in G ohne Kapodaster.
Tabs in klingender Tonhöhe zählen die Bünde ab dem Sattel, als gäbe es keinen Kapodaster. Mit Capo II ist dann jede Bundzahl mindestens 2, und eine offene G-Saite steht als 2 da. Das kommt seltener vor, taucht aber bei manchen Software-Exporten und Transkriptionen auf, die nichts vom Kapodaster wissen.
| Was du spielst | Tab ab Kapodaster (Capo II) | Tab in klingender Tonhöhe |
|---|---|---|
| Saite ungegriffen, klingt ab dem Kapodaster | 0 | 2 |
| G-Griff, Grundton auf der 6. Saite | 3 | 5 |
| D-Griff, hohe E-Saite | 2 | 4 |
| Kleinstmögliche Bundzahl | 0 | 2 |
Welche Zählweise du vor dir hast, merkst du schnell: Verlangt ein Tab einen Kapodaster, enthält aber keine 0, keine 1 und auch sonst keine Zahl unter der Kapodaster-Position, und ist die kleinste Zahl genau der Kapodaster-Bund, dann ist es wahrscheinlich in klingender Tonhöhe geschrieben. Spiel den ersten Takt auf beide Arten zur Aufnahme, dann entscheidet dein Ohr.
Griffe und klingende Akkorde
Auf einem Akkordblatt mit Kapodaster beschreiben die Akkordnamen die Griffe, die du spielst, und nicht die Akkorde, die aus der Gitarre kommen. Der Kapodaster hebt jede Saite pro Bund um einen Halbton an. Die Griffe behalten also ihren Namen, klingen aber höher.
Die Regel lautet: klingender Akkord = Griff + Kapodaster-Position in Halbtönen. Ein paar bekannte Beispiele:
- „Here Comes the Sun“ spielt man meist mit Griffen aus der D-Familie und Capo VII. Die Griffe heißen D, der Song klingt aber in A.
- „Wonderwall“ wird oft mit Em7 und Griffen aus der G-Familie bei Capo II notiert und klingt deshalb einen Ganzton höher, als die Griffe vermuten lassen.
- Ein Lobpreis-Akkordblatt zeigt vielleicht G, C, D und Em mit Capo III, und für die Band klingt das in B.
Wer am Keyboard dasselbe Akkordblatt liest und nichts vom Kapodaster weiß, spielt deshalb in der falschen Tonart. Manche Akkordblätter helfen, indem sie den klingenden Akkord in Klammern dazuschreiben, etwa „G (A)“, oder oben die klingende Tonart angeben. Brauchst du die klingenden Akkorde für andere Musiker:innen, zählst du die Halbtöne der Kapodaster-Position zu jedem Griffnamen dazu. Von G aus ergibt Capo I As, Capo II A, Capo III B, Capo IV H und Capo V C.
Zwischen Tabs mit und ohne Kapodaster umrechnen
Um ein Tab, das ab dem Kapodaster zählt, in klingende Tonhöhe umzurechnen, addierst du die Kapodaster-Zahl zu jedem Bund. Bei Capo III wird aus einer 0 eine 3 und aus einer 2 eine 5. Für die Gegenrichtung ziehst du die Kapodaster-Zahl von jedem Bund ab. Käme dabei irgendwo etwas unter 0 heraus, lässt sich dieser Ton mit dem Kapodaster in dieser Position nicht spielen. Dann war das Tab für einen anderen Kapodaster-Bund oder ganz ohne Kapodaster geschrieben.
Umrechnen hilft in drei Situationen:
- Du hast keinen Kapodaster. Addier die Kapodaster-Zahl zu jedem Bund und spiel dieselben Töne ab dem Sattel. Aus offenen Akkorden werden Barréakkorde. Das ist schwerer, klingt aber genau gleich.
- Du willst den Kapodaster an eine andere Stelle setzen. Verschiebst du den Kapodaster, ändert sich die Tonart und nicht nur die Bundzahlen. Brauchst du den Song in einer anderen Tonart, damit er zur Gesangsstimme passt, suchst du dir einen neuen Kapodaster-Bund und eine passende Griff-Familie. Wie das geht, liest du in unserem Artikel darüber, wie du Songs mit Kapodaster transponierst. Dort geht es darum, mit dem Kapodaster die Tonart zu wechseln, hier darum, zu lesen, was schon dasteht.
- Du überträgst ein Tab in eine Software. Guitar Pro und ähnliche Programme haben oft eine Kapodaster-Einstellung. Zählt das Tab ab dem Kapodaster, stell den Kapodaster in der Datei ein, statt jeden Bund neu einzutippen. Dann klingt die Wiedergabe in der richtigen Tonhöhe. Was in solchen Dateien gespeichert ist, erklärt unser Artikel über Guitar-Pro-Dateien.
Ein Tab mit Kapodaster aus einer Aufnahme
Gitarrenarrangements von Songscription können einen Kapodaster enthalten. Dann steht oben im Tab eine Kapodaster-Angabe im selben Stil wie „Capo IV“, die Bundzahlen zählen ab dem Kapodaster, und die notierte Tonart bezieht sich ebenfalls auf den Kapodaster, genau wie bei einem gedruckten Akkordblatt mit Kapodaster. Der PDF-Ausdruck entspricht dem, was du auf dem Bildschirm siehst, und du kannst das Tab auch als Guitar-Pro-Datei exportieren. Die Tabs sind in Standardstimmung.
Weil sich das Tab wie ein gedrucktes Akkordblatt mit Kapodaster liest, gilt alles, was oben steht: Setz den Kapodaster dorthin, wo die Angabe es sagt, lies die 0 als Kapodaster und denk daran, dass die Griffe höher klingen, als sie heißen. Die klingenden Akkorde für jemanden aus deiner Band bekommst du, indem du die Halbtöne dazuzählst, wie oben beschrieben. Willst du die Akkordnamen vorher mit der Aufnahme abgleichen, fang mit dem Akkord-Finder und unserem Artikel über Gitarrenakkorde für jeden Song an. Wie du deinen Gitarrenpart ausarbeitest, sobald du ihn hast, steht in unserem Artikel darüber, wie du einen Song für Gitarre arrangierst.
Weitere Artikel
- Tab-Grundlagen: wie man Gitarren-Tabs liest und was eine Tabulatur ist.
- Tonart wechseln: Songs mit Kapodaster transponieren.
- Akkorde: Gitarrenakkorde für jeden Song.
- Dateien: was eine Guitar-Pro-Datei ist.
- Der Überblick: der Leitfaden zur Gitarren-Transkription.
Häufige Fragen
Wie liest man ein Gitarren-Tab mit Kapodaster?
Setz den Kapodaster auf den Bund, der oben im Tab steht, und lies jede Bundzahl ab dem Kapodaster statt ab dem Sattel. Eine 0 bedeutet, dass du die Saite nicht greifst und sie ab dem Kapodaster klingt, eine 2 liegt zwei Bünde über dem Kapodaster und so weiter. So sind die meisten Tabs mit Kapodaster geschrieben, und du kannst sie mit denselben Griffen spielen wie ohne Kapodaster.
Was bedeutet „Capo IV“?
„Capo IV“ heißt, dass der Kapodaster in den 4. Bund kommt. Für Kapodaster- und Bundpositionen auf der Gitarre sind römische Ziffern üblich, also ist Capo II der 2. Bund, Capo V der 5. und Capo VII der 7. Manchmal steht auch „Capo 4“ oder „Kapo im 4. Bund“ da, und das bedeutet dasselbe.
Sind die Akkorde auf einem Akkordblatt mit Kapodaster die echten Akkorde?
Das sind die Griffe, die du spielst, nicht die Akkorde, die klingen. Mit Kapodaster im 2. Bund klingt ein G-Griff als A-Akkord, weil jeder Bund die Tonhöhe um einen Halbton anhebt. Für den klingenden Akkord zählst du zu jedem Griffnamen so viele Halbtöne dazu, wie die Kapodaster-Zahl angibt. Manche Akkordblätter drucken beides ab und setzen den klingenden Akkord in Klammern.
Kann Songscription Gitarren-Tabs mit Kapodaster erstellen?
Ja. Gitarrenarrangements von Songscription können einen Kapodaster enthalten. Dann steht im Tab eine Kapodaster-Angabe wie „Capo IV“, die Bundzahlen zählen ab dem Kapodaster, und auch die notierte Tonart bezieht sich auf den Kapodaster, genau wie bei einem gedruckten Akkordblatt mit Kapodaster. Der PDF-Ausdruck sieht genauso aus wie auf dem Bildschirm. Die Gitarren-Tabs sind in Standardstimmung.
Brauchst du ein Tab für einen Song, den du lernen willst, probier den Gitarren-Tab-Generator aus.