Dieser Artikel gehört zu unserem Ratgeber zur Auswahl von Tools für Musiktranskription.
Vorweg gesagt: Songscription ist unser eigenes Produkt. Wir vergleichen so ehrlich, wie wir können, und sagen auch, wo Klangio besser passt. Alles andere wäre sinnlos, weil du es beim eigenen Testen sowieso merkst. Hilfreicher ist es, dir gleich zu sagen, wo welches Tool seine Stärken hat.
Beide Tools lösen dieselbe Aufgabe, nämlich Noten oder MIDI aus einer Aufnahme zu holen. Auf dem Weg dahin setzen sie aber auf gegensätzliche Strategien. Songscription konzentriert sich in einer einzigen Web-App auf eine überschaubare Auswahl an Instrumenten. Klangio geht in die Breite, mit einer ganzen Reihe von Apps für einzelne Instrumente, einem DAW-Plug-in, einer API und Mobil-Apps. Dieser Unterschied zeigt sich bei der Qualität der Ergebnisse, bei Instrumenten und Formaten, bei der Anbindung und beim Preis.
Kurz zusammengefasst
- Songscription. Eine Web-App für alle unterstützten Instrumente. Die Auswahl ist überschaubar und auf die Instrumente beschränkt, bei denen die Modelle am stärksten sind: allen voran Klavier, dazu Gitarre, Bass, Schlagzeug, Geige, Flöte, Saxophon, Trompete und Gesang. Der ganze Weg von der Audiodatei über bearbeitbare Noten bis zu MIDI, obendrauf Arrangieren und Anpassen des Schwierigkeitsgrads. Am besten geeignet, wenn dir die Qualität der Ergebnisse und ein vollständiger Workflow für Noten wichtiger sind als eine große Auswahl.
- Klangio. Eine Familie von Apps für einzelne Instrumente (Piano2Notes, Guitar2Tabs, Drum2Notes und weitere), dazu das übergreifende Transcription Studio, ein DAW-Plug-in, eine API und Mobil-Apps. Sein eigentlicher Vorteil ist die Breite, nicht die Qualität der Ergebnisse. Klangio deckt ein paar Instrumente ab, die Songscription noch nicht unterstützt, und ist die bessere Wahl, wenn die Transkription in deiner DAW oder über die API in deiner eigenen Software laufen soll.
Unterm Strich: Bei den Instrumenten, die beide abdecken, liefert Songscription sauberere Ergebnisse und einen vollständigeren Workflow für Noten. Klangio punktet mit Breite und Anbindung, bei der Qualität der Transkription selbst liegt es nicht vorn.
Songscription
Songscription ist eine Web-App, die den ganzen Weg an einem Ort erledigt: Audio rein, MIDI und bearbeitbare Noten raus. Die Instrumentenauswahl ist bewusst schmaler als bei Klangio. Klavier hat Priorität, dazu gibt es Modelle für Gitarre, Bass, Schlagzeug, Geige, Flöte, Saxophon, Trompete und Gesang. Pro Auftrag wird ein Instrument verarbeitet. Dafür geht es nach der Transkription weiter. Songscription kann auch arrangieren, also aus einer Transkription eine spielbare Stimme für ein bestimmtes Instrument machen, und den Schwierigkeitsgrad eines Arrangements an die spielende Person anpassen, vom Anfänger- bis zum Fortgeschrittenenniveau. Der interaktive Piano-Roll-Editor ist genau dafür gebaut, das Ergebnis durchzusehen und zu korrigieren. In der Praxis bringt das mehr als die letzten paar Prozent an reiner Modellgenauigkeit.
Am stärksten ist Songscription bei der Qualität der Ergebnisse für die unterstützten Instrumente, vor allem beim Klavier, und beim kompletten Weg von der Audiodatei zu bearbeitbaren Noten in einem einzigen Tool. Dazu gehört, dass Songscription ein einzelnes Instrument aus einem kompletten Mix herausholen kann. Du musst die Spuren also nicht vorher selbst trennen. Exportieren kannst du als PDF, MIDI, MusicXML und Guitar Pro. Damit hast du praktisch alles, was du brauchst, um eine Transkription an MuseScore, Sibelius oder eine DAW weiterzugeben. Die kostenlose Version taugt zum Arbeiten und ist kein bloßer Lockvogel, und wer kein Abo will, kann auch einzelne Songs bezahlen.
Schwächer ist Songscription bei allem außerhalb dieser Instrumentenauswahl und bei sehr dichten Mixen, in denen das gewünschte Instrument unter aufwendiger Produktion verschwindet. Eine API zur Selbstbedienung, ein DAW-Plug-in und eine Mobil-App gibt es derzeit nicht. Wenn du die Transkription in deiner DAW, in einem anderen Produkt oder auf dem Handy brauchst, ist das eine echte Lücke. Mehrere Instrumente in einem Durchgang stehen auf der Roadmap, verfügbar sind sie noch nicht.
Klangio
Klangio ist ein deutsches Unternehmen, das seit 2018 an dem Thema arbeitet, und geht den umgekehrten Weg: Statt einer App gibt es eine ganze Reihe. Piano2Notes, Guitar2Tabs, Drum2Notes, Sing2Notes, Violin2Notes und Wind2Notes sind jeweils auf ein Instrument zugeschnitten. Das übergreifende Transcription Studio kann mehrere Instrumente aus einer Datei gleichzeitig verarbeiten und hat Genre-Presets (Classic, Rock und Universal), die das Modell in Richtung Orchester, Band oder allgemeines Material lenken. Die unterstützten Kategorien sind breiter als bei Songscription: Gesang, Klavier, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Streicher, Blasinstrumente und Synthesizer.
Stark ist Klangio bei Breite und Anbindung, und das sind die echten Gründe, es Songscription vorzuziehen. Es deckt ein paar Instrumente ab, die Songscription nicht hat, das Transcription Studio kann sich mehrere Instrumente aus einer Datei vornehmen, und mit dem DAW-Plug-in ziehst du Audio hinein und bekommst MIDI pro Instrument heraus, ohne deine Session zu verlassen. Über die öffentliche API kannst du Transkription in dein eigenes Produkt einbauen. Für das Transkribieren auf dem Handy gibt es noch Mobil-Apps.
Schwächer ist Klangio bei der Qualität der Ergebnisse für die Instrumente, in die Songscription am meisten investiert hat, vor allem beim Klavier. Wer die Arbeit an den Modellen auf mehr Instrumente verteilt, zahlt dafür einen Preis, und bei den Instrumenten, die beide abdecken, liefert Songscription meist sauberere Ergebnisse. Für Musiker:innen, die nur mit einem Instrument arbeiten, kann das Preismodell mit einzelnen Apps außerdem schnell teuer werden. Die kostenlose Version ist eine 20-Sekunden-Demo ohne Export des ganzen Songs, also eher eine Vorschau als ein Werkzeug zum Arbeiten.
Exportformate, Bearbeitung und Gitarrentabs
Beide Tools decken die wichtigen Formate ab: PDF-Noten, MIDI, MusicXML und Guitar Pro. Damit bekommst du eine Transkription in jede DAW und jedes Notenprogramm. Das Transcription Studio von Klangio legt noch zwei drauf, LilyPond und unquantisiertes MIDI. Für die meisten ändert das wenig. LilyPond ist eine Nische für programmgesteuerten Notensatz, und unquantisiertes MIDI ist eine kleine Erleichterung für Produzent:innen, die das rohe Timing des Spiels behalten wollen. Praktisch wichtiger ist ein Vorteil auf der Eingabeseite: Songscription kann vor der Transkription ein einzelnes Instrument aus einem kompletten Mix isolieren. Eine saubere, vorher getrennte Spur als Ausgangsmaterial brauchst du dafür nicht.
Für Gitarre hat Klangio ein eigenes Produkt, Guitar2Tabs, mit einer auf Gitarre zugeschnittenen Oberfläche und Mobil-Apps. Wenn du ausschließlich Gitarre transkribierst und das auf dem Handy machen willst, ist das ein guter Grund, es dir anzusehen. So eindeutig, wie es klingt, ist der Vorsprung aber nicht. Songscription transkribiert ebenfalls Gitarre, exportiert dieselben Guitar-Pro-Dateien und kann die Gitarre aus einem kompletten Mix herausholen, statt eine isolierte Aufnahme zu brauchen. Ausführlich haben wir das in unserem Ratgeber zum Umwandeln von Audio in Gitarrentabs durchgespielt. Dort kommen beide für bearbeitbare Tabs in die engere Wahl, und Songscription liegt bei den Exportformaten vorn.
API, DAW-Plug-in und Mobil-Apps
Hier unterscheiden sich die beiden in der Funktion am deutlichsten, und Klangio liegt vorn. Klangio hat ein Transkriptions-Plug-in als VST3, als AU und als eigenständige App, das in verschiedenen DAWs läuft. Du ziehst eine Datei hinein und bekommst nach Instrumenten getrenntes MIDI zurück in deine Session, ohne manuell zu exportieren und wieder zu importieren. Über die öffentliche API laufen Transkriptionen auch in großen Mengen, dazu kommen Extras wie Spurtrennung, Akkorderkennung und Beat-Erkennung. Damit wird sie zum Baustein für andere Musiksoftware. Es gibt auch Apps für iOS und Android, die sich über die Cloud zwischen deinen Geräten synchronisieren.
Songscription hat nichts davon. Es ist eine Web-App, und um eine Transkription in eine DAW zu bekommen, exportierst du MIDI und ziehst die Datei selbst hinein. API-Zugang und Transkription in großen Mengen gibt es nur bei Enterprise, und zwar nach einem Gespräch mit dem Vertrieb statt zur Selbstbedienung. Für Produzent:innen, die in Logic oder Ableton zu Hause sind, oder für Entwickler:innen, die Transkription als Funktion in ihr eigenes Produkt einbauen wollen, gibt das den Ausschlag. Klangio ist dafür gebaut, Songscription nicht.
Preise und kostenlose Versionen
Die Preismodelle der beiden unterscheiden sich grundlegend. Songscription läuft über ein Abo für alle unterstützten Instrumente: eine kostenlose Version (0 $), dann Plus und Pro, die sich nach Anzahl und Länge der Songs richten, die du pro Monat transkribierst. Dazu kommen eine Einmalzahlung pro Song und Enterprise nach individueller Absprache. Für einzelne Instrumente zahlst du nie extra.
Klangio richtet die Preise nach seinem Aufbau. Entweder abonnierst du einzelne Instrumenten-Apps, was sich schnell summiert, wenn du mit mehreren arbeitest, oder du nimmst Transcription Studio Pro (etwa 8,49 $ im Monat bei jährlicher Abrechnung oder 19,99 $ bei monatlicher Zahlung) und bekommst die ganze Suite samt Plug-in. Klangio hat häufig Aktionen, die angegebenen Preise ändern sich also. Prüf den aktuellen Preis, bevor du dich festlegst. Rechnerisch spricht mehr für Songscription, wenn du mehrere Instrumente transkribierst, und für die Einzel-Apps von Klangio nur, wenn du wirklich bei genau einem bleibst.
Bei den kostenlosen Versionen ist der Abstand groß. Mit dem kostenlosen Plan von Songscription bekommst du unbegrenzt viele 30-Sekunden-Transkriptionen, und eine kostenlose Testphase schaltet längere Dateien frei. So kannst du Songscription mit echten Songs richtig testen. Die kostenlose Version von Klangio transkribiert die ersten 20 Sekunden eines Songs ohne vollständigen Export. Das ist eine Vorschau auf die Genauigkeit, ein Projekt fertigstellen kannst du damit nicht. Für Lernende, Lehrkräfte und alle, die nur ab und zu transkribieren, fällt dieser Unterschied ins Gewicht.
So entscheidest du
Meist hängt die Wahl an ein paar Fragen:
- Ist dir die Qualität der Ergebnisse bei Klavier oder einem anderen Instrument, das Songscription unterstützt, am wichtigsten? Songscription. Die enge Ausrichtung merkt man am Ergebnis, und mit Arrangieren und Anpassen des Schwierigkeitsgrads kannst du noch mehr damit anfangen.
- Brauchst du eine API, ein DAW-Plug-in oder eine Mobil-App? Klangio. Songscription gibt es derzeit nur als Web-App.
- Willst du mehrere Instrumente aus einer Datei gleichzeitig transkribieren? Das Transcription Studio von Klangio schafft das in einem Durchgang, bei Songscription ist es ein Instrument pro Auftrag.
- Du willst bearbeitbare Guitar-Pro-Dateien aus einer Aufnahme? Beide eignen sich. Songscription kann die Gitarre aus einem kompletten Mix isolieren, und Guitar2Tabs von Klangio ist eine reine Gitarren-App mit Mobilversion.
- Suchst du einen kompletten Workflow von der Audiodatei zu bearbeitbaren Noten an einem Ort oder eine großzügige kostenlose Version? In beiden Fällen Songscription.
- Ein Abo für alles oder Preise pro Instrument? Songscription deckt alle Instrumente mit einem Plan ab, Klangio teilt sich in Einzel-Apps plus das Studio-Paket auf.
Ein Wort zu Genauigkeitsangaben
Vergleichsartikel, auch die der Konkurrenz, neigen dazu, kleine Unterschiede in der Genauigkeit aufzubauschen. Sobald die Ergebnisse grundsätzlich brauchbar sind, ist der Abstand zwischen zwei führenden Tools bei einem bestimmten Song kleiner als der Abstand zwischen einem leichten und einem schweren Song im selben Tool. Eine saubere Aufnahme von Klavier solo lässt sich fast überall gut transkribieren, ein dichter Mix mit ganzer Band ist für jedes Tool schwerer. Deine Zeit steckst du besser in gutes Ausgangsmaterial und darin, beim Aufräumen der Ergebnisse schnell zu werden, als per Toolwechsel den letzten paar Prozent hinterherzujagen. Das haben wir auch in unserer größeren Übersicht über Transkriptionssoftware geschrieben, und hier gilt es genauso.
Fazit
Für die meisten Musiker:innen fällt die Entscheidung ziemlich eindeutig aus. Wenn du eine saubere, bearbeitbare Transkription für Klavier, Gitarre oder ein anderes Instrument brauchst, das beide abdecken, ist Songscription das bessere Tool: sauberere Ergebnisse, der ganze Weg von der Aufnahme zu bearbeitbaren Noten, dazu Arrangieren und Anpassen des Schwierigkeitsgrads und eine kostenlose Version, mit der du wirklich etwas fertig bekommst. Das trifft auf Pianist:innen, Lehrkräfte, Lernende und Arrangeur:innen zu, also auf die meisten, die auf einer Seite wie dieser landen. Klangio hat seinen Platz in weniger Fällen, und bei allen geht es um Breite statt um die Qualität der Transkription. In diesen Fällen brauchst du ein Instrument außerhalb der Auswahl von Songscription, die Transkription direkt in deiner DAW oder eine API, um sie in deine eigene Software einzubauen.
Unsere ehrliche Empfehlung ist deshalb ziemlich unspektakulär. Schick ein paar Songs aus deiner eigenen Sammlung durch beide kostenlosen Versionen und vergleich das Ergebnis mit der Aufnahme. Fünf Minuten mit deinem eigenen Material sagen dir mehr als jeder Vergleichsartikel, denn das richtige Tool ist das, das mit genau deinen Aufnahmen klarkommt. Steht bei deinen Aufnahmen meist das Klavier im Vordergrund und sind dir saubere, bearbeitbare Noten wichtig, fang mit der kostenlosen Version von Songscription an. Brauchst du ein Instrument außerhalb dieser Auswahl oder eine Transkription, die in etwas anderes eingebunden ist, passt Klangio besser zu dieser Aufgabe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Songscription und Klangio?
Beide Tools machen aus einer Aufnahme Noten oder MIDI, gehen dabei aber entgegengesetzt vor. Songscription konzentriert sich in einer einzigen Web-App auf eine überschaubare Auswahl an Instrumenten und deckt den ganzen Weg ab, von der Audiodatei über bearbeitbare Noten bis zu MIDI, dazu Arrangieren und Anpassen des Schwierigkeitsgrads. Klangio geht in die Breite, mit mehreren Apps für einzelne Instrumente, einem DAW-Plug-in, einer API und Mobil-Apps. Bei den Instrumenten, die beide abdecken, liefert Songscription meist sauberere Ergebnisse. Klangio punktet mit Breite und Anbindung, bei der Qualität der Transkription liegt es nicht vorn.
Wer hat die bessere kostenlose Version, Songscription oder Klangio?
Mit dem kostenlosen Plan von Songscription bekommst du unbegrenzt viele 30-Sekunden-Transkriptionen, und eine kostenlose Testphase schaltet längere Dateien frei. So hörst du, wie Songscription mit echten Songs umgeht, bevor du etwas bezahlst. Die kostenlose Version von Klangio transkribiert nur die ersten 20 Sekunden eines Songs und erlaubt keinen vollständigen Export. Damit ist sie eine Vorschau auf die Genauigkeit, zum Arbeiten reicht sie nicht.
Hat Songscription eine API oder ein DAW-Plug-in wie Klangio?
Nein. Songscription ist derzeit eine Web-App ohne DAW-Plug-in und ohne Mobil-App. API-Zugang gibt es nur bei Enterprise, und dafür musst du erst mit dem Vertrieb sprechen. Klangio hat ein Transkriptions-Plug-in als VST3, als AU und als eigenständige App, dazu eine öffentliche API und Mobil-Apps. Wenn du die Transkription direkt in deiner DAW brauchst oder in deine eigene Software einbauen willst, ist Klangio deshalb die bessere Wahl.