AnleitungMusiktranskriptionAndrew Carlins•7 Min. Lesezeit

Ein Leadsheet aus einer Aufnahme transkribieren

Mit einem Leadsheet hältst du einen Song am schnellsten fest: die Melodie, darüber die Akkorde, sonst nichts. So ein Blatt nach Gehör zu erstellen, ist echtes Handwerk. Mit KI geht es schneller. Du lässt die Aufnahme transkribieren und räumst das Ergebnis dann so auf, dass eine Band daraus spielen kann.

Ein Leadsheet aus einer Aufnahme transkribieren: Melodie und Akkorde erfassen und dann als sauberes, gut lesbares Leadsheet exportieren

Teil unseres Leitfadens, wie du die Akkorde zu jedem Song herausfindest.

Ein Leadsheet ist die Kurzschrift der Bandpraxis. Die Melodie, darüber die Akkordsymbole, mehr steht nicht auf dem Blatt. Es sagt der Band, um welchen Song es geht, und überlässt den Rest den Leuten an den Instrumenten. So ein Blatt wird beim Gig herumgereicht, mit Klebeband am Notenständer befestigt und an einem Nachmittag gelernt.

Wer es nach Gehör aus einer Aufnahme erstellt, braucht echtes Können. Du musst die Melodie heraushören, die Harmonie darunter erkennen und beides aufschreiben. Schneller geht es, wenn du die Aufnahme mit KI transkribierst und sie dann auf das kürzt, was ein Leadsheet braucht. Wenn du erst genauer wissen willst, was das Format ausmacht, erklärt unser Artikel Was ist ein Leadsheet?, wie man eins liest.

Was in einem Leadsheet steht

Ein Leadsheet hat zwei Ebenen. Die Melodie ist das, was du singen würdest, notiert auf einer einzigen Notenzeile. Darüber stehen die Akkordsymbole und zeigen der Rhythmusgruppe, welche Harmonie sie unter jeder Phrase spielen soll. Mehr gehört nicht dazu, also keine ausgeschriebene Klavierstimme, keine Basslinie und keine Mittelstimmen.

Das Leadsheet ist eines von mehreren Transkriptionsformaten, und jedes hält einen anderen Ausschnitt eines Songs fest. In unserem Überblick über die Arten der Musiktranskription siehst du, wo das Leadsheet neben ausgeschriebenen Noten für alle Instrumente und einem reinen Akkordblatt steht. Für ein Leadsheet brauchst du nur die zwei Ebenen, alles andere lässt du weg.

Melodie und Akkorde erfassen

Lade die Aufnahme hoch und lass sie von der KI transkribieren. Zurück bekommst du die Melodie als bearbeitbare Noten und als Piano Roll, dazu den Akkord, den die KI an jeder Stelle der Aufnahme erkannt hat. Aus genau diesem Rohmaterial entsteht ein Leadsheet.

Wie sauber das Material wird, hängt von der Aufnahme ab. Eine klare Melodie mit hörbarer Harmonie lässt sich gut transkribieren, etwa Gesang mit Klavier oder eine kleine Combo, bei der die Melodie vorne steht. Ein dichter Mix mit voller Band ist schwieriger, weil die Melodie dort mit allem anderen konkurriert. Geht die Melodie unter, isolier sie zuerst. Transkribieren kannst du jede Aufnahme, auch einen schnellen Mitschnitt mit dem Handy. Wie du mit so einer groben Aufnahme umgehst, steht in unserem Artikel darüber, wie du ein Sprachmemo in Noten verwandelst.

Aufs Wesentliche kürzen

Eine erste Transkription enthält mehr, als ein Leadsheet braucht, ist aber schon eine gute Grundlage. Jetzt kürzt du sie auf die zwei Ebenen, die im Leadsheet bleiben.

  • Melodie behalten, Rest streichen. Behalte die Melodiestimme und entferne Begleitung und Mittelstimmen, bis nur noch eine Notenzeile mit der Melodie übrig ist.
  • Akkordsymbole setzen. Setz die erkannten Akkorde als Symbole über die Notenzeile, eins pro Harmoniewechsel.
  • Dichte Harmonien vereinfachen. Wirkt ein Akkord komplizierter, als ein Leadsheet es braucht, reduzier ihn auf das Symbol, das zum Spielen reicht.
  • Bezeichnungen prüfen. Dieselbe Harmonie lässt sich manchmal auf mehr als eine Weise deuten. Vergleich die Akkorde deshalb mit den Tönen und korrigier alles, was nicht stimmig aussieht.

Das Leadsheet aufräumen

Wenn beide Ebenen stehen, kannst du das Blatt so aufräumen, dass es sich auf einen Blick lesen lässt. Das ist freiwillig. Stell die Tonart ein, damit keine Versetzungszeichen die Melodie zupflastern, und wähl eine Taktart, die zum Feel passt. Du kannst auch den Rhythmus der Melodie durchgehen und Stellen zurechtrücken, die nach einer frei oder rubato gespielten Aufnahme unordentlich aussehen. Sind die Harmonien reich und jazzig, erklärt unser Artikel zum Transkribieren von Jazz-Piano-Akkorden, wie du dichte Voicings als Symbole liest, auf die du dich verlassen kannst. Am Ende soll ein Leadsheet stehen, das man vom Blatt spielen kann, und du kannst aufhören, sobald es sich so liest, wie du willst.

Exportieren und teilen

Wenn das Leadsheet zeigt, was du willst, exportierst du es. Als PDF lässt es sich sauber für den Notenständer drucken und als eine einzige Datei weitergeben. Eine MusicXML-Datei kannst du in MuseScore, Sibelius, Finale oder Dorico öffnen, falls du das Leadsheet weiter setzen oder Einzelstimmen daraus machen willst. Mit unserem Tool, das Audio in Noten umwandelt, klappt das mit jeder Aufnahme. Der Song, den du bisher nur aus dem Kopf spielen konntest, ist jetzt ein Leadsheet, das deine ganze Band lesen kann.

Häufige Fragen

Kann KI aus einer Aufnahme ein Leadsheet machen?

Zum größten Teil, ja. Die KI transkribiert die Melodie und erkennt an jeder Stelle der Aufnahme den Akkord, und aus diesen beiden Dingen besteht ein Leadsheet. Danach kürzt du aufs Wesentliche: Die Melodiestimme und die Akkordsymbole bleiben, Mittelstimmen und die Details der Begleitung fliegen raus. Nach ein paar Minuten Aufräumen ist aus der vollständigen Transkription ein Leadsheet aus Melodie und Akkorden geworden, aus dem eine Band spielen kann.

Was ist der Unterschied zwischen einer Transkription und einem Leadsheet?

Eine vollständige Transkription hält alles fest, was gespielt wurde: jeden Ton der Melodie, die Harmonien und die Begleitung. Ein Leadsheet behält nur die Melodie und die Akkordsymbole darüber. Es ist eine Zusammenfassung, die Musiker:innen im Bandalltag auf einen Blick lesen und auf ihre eigene Art ausfüllen. Du bekommst eins, indem du die Aufnahme transkribierst und das Ergebnis auf diese zwei Ebenen kürzt.

Wie bekomme ich die Akkorde für ein Leadsheet?

Die KI erkennt an jeder Stelle der Aufnahme den Akkord und gibt dir passend zur Melodie ein Akkordsymbol dazu. Mit diesen Bezeichnungen fängst du an. Vergleich sie mit den Tönen, denn dieselbe Harmonie lässt sich manchmal auf mehr als eine Weise deuten. Vereinfache außerdem alles, was dichter ist, als ein Leadsheet es braucht. Am Ende steht eine saubere Reihe von Akkordsymbolen über der Melodie.

Welche Aufnahme eignet sich am besten für ein Leadsheet?

Am besten eine Aufnahme mit klarer Melodie und hörbarer Harmonie. Gesang mit Klavier oder eine kleine Combo, bei der die Melodie vorne steht, lässt sich sauber transkribieren. Ein dichter Mix mit voller Band ist schwieriger, weil die Melodie dort mit allem anderen konkurriert. Geht die Melodie unter, dann isolier sie oder das Leadinstrument vorher. Je sauberer die Aufnahme, desto sauberer wird die Melodie und desto zuverlässiger klappt die Akkorderkennung.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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