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Akkordumkehrungen erklärt: Grundstellung, erste und zweite Umkehrung

Eine Akkordumkehrung ist derselbe Akkord mit einem anderen Ton als dem Grundton im Bass. Hier siehst du alle Umkehrungen am Beispiel, ihre Schreibweise und warum sie beim Spielen ständig vorkommen.

Derselbe Akkord mit Terz oder Quinte im Bass, notiert als Slash-Akkorde

Bei einer Akkordumkehrung spielst du denselben Akkord, nur liegt als tiefster Ton nicht der Grundton, sondern ein anderer Akkordton. Ein C-Dur-Dreiklang besteht aus C, E und G, und in der Grundstellung liegt C unten. Legst du E nach unten, hast du die erste Umkehrung, mit G unten die zweite. Die Töne bleiben dieselben, der Akkordname auch. Es ändert sich nur der Basston und mit ihm die Farbe des Akkords und wie glatt er sich mit den Akkorden davor und danach verbindet.

Was eine Akkordumkehrung ist

Ein Akkord ist eine Gruppe von Tönen, und die lassen sich in beliebiger Reihenfolge übereinanderschichten. Welche Umkehrung vorliegt, entscheidet der tiefste klingende Ton, also der Bass. Wie die Töne darüber angeordnet sind, spielt dafür keine Rolle. Liegt der Grundton im Bass, steht der Akkord in Grundstellung. Liegt irgendein anderer Akkordton im Bass, ist der Akkord umgekehrt.

Der Basston bestimmt zu einem großen Teil, wie sich ein Akkord anfühlt. In Grundstellung klingt er gesetzt und geerdet. Eine Umkehrung klingt leichter, mehr nach Bewegung, weil das Ohr den Bass wandern hört, obwohl die Harmonie darüber gleich bleibt. Der Akkord ist derselbe, er steht nur auf einem anderen Fuß.

Grundstellung und Umkehrungen

Nehmen wir als Beispiel einen C-Dur-Dreiklang mit C, E und G:

  • Grundstellung. C im Bass, darüber E und G. So steht der Akkord am stabilsten.
  • Erste Umkehrung. E im Bass, darüber G und C. Jetzt ist die Terz des Akkords der tiefste Ton.
  • Zweite Umkehrung. G im Bass, darüber C und E. Die Quinte liegt ganz unten, und von den drei Stellungen klingt diese am wenigsten stabil.

Ein Dreiklang hat mit seinen drei Tönen genau diese drei Stellungen. Ein Akkord aus vier Tönen, etwa ein Septakkord, bekommt noch eine dritte Umkehrung mit der Septime im Bass dazu. Das gilt ganz allgemein: Ein Akkord hat so viele Stellungen, wie er Töne hat, denn jeder Akkordton kann einmal in den Bass.

So schreibt man Umkehrungen

In den Akkordsymbolen, die du aus Leadsheets und Songbooks kennst, schreibt man eine Umkehrung als Slash-Akkord: erst der Akkordname, dann ein Schrägstrich, dann der Basston. C-Dur in erster Umkehrung wird also C/E geschrieben und „C über E“ gesprochen. Der Buchstabe vor dem Schrägstrich ist der Akkord, der Buchstabe danach der Ton, der in den Bass kommt. Sind Slash-Akkorde neu für dich, erklärt unser Artikel Akkordsymbole lesen das ganze System.

In klassischen Noten begegnet dir manchmal auch der Generalbass. Dabei stehen kleine Ziffern unter der Notenzeile und geben die Intervalle über dem Bass an. Ein Dreiklang in erster Umkehrung trägt eine „6“ (kurz für 6/3, also Sexte und Terz über dem Bass), einer in zweiter Umkehrung „6/4“. Um Umkehrungen zu spielen, brauchst du keinen Generalbass. Er ist aber die ältere Kurzschrift für genau dieselbe Sache, und von ihm stammen die Namen, die du in Harmonielehrebüchern findest: Dort heißt die erste Umkehrung „Sextakkord“ und die zweite „Quartsextakkord“.

Wozu Umkehrungen gut sind

Umkehrungen lösen ganz praktische Probleme. Sie bestimmen mit, wie sich die Musik bewegt und wie sie unter den Händen liegt.

  • Glattere Stimmführung. Spielst du jeden Akkord in Grundstellung, muss die Hand ständig springen. Wählst du die Umkehrungen so, dass die gemeinsamen Töne zweier Akkorde liegen bleiben und sich der Rest so wenig wie möglich bewegt, klingt die Akkordfolge verbunden statt klotzig.
  • Bessere Basslinien. Die Umkehrung ergibt sich aus dem Basston, also wählst du mit jeder Umkehrung auch deine Basslinie. Eine Folge wie C, C/E, F legt ein aufsteigendes C-E-F in den Bass, das du mit lauter Akkorden in Grundstellung nie bekommen würdest.
  • Leichter zu spielen. Oft liegt eine Umkehrung bequemer unter der Hand als der Griff in Grundstellung. Deshalb lernen Pianist:innen und Gitarrist:innen von jedem Akkord mehrere Voicings.
  • Farbe und Gewicht. Ein Akkord in zweiter Umkehrung in einer Kadenz klingt auf eine ganz bestimmte Art unaufgelöst, und Komponist:innen setzen genau das bewusst ein.

Umkehrungen und Akkordfolgen hängen eng zusammen. Ob eine Akkordfolge glatt klingt, liegt oft daran, welche Umkehrungen du gewählt hast und welche Tonarten auf dem Quintenzirkel nah beieinanderliegen.

Umkehrungen am Klavier

Am Klavier verstehst du Umkehrungen am schnellsten, weil du sie sehen kannst. Spiel C-E-G, nimm dann das untere C und setz es eine Oktave höher über das G. Jetzt hast du E-G-C, die erste Umkehrung, und der Akkord ist derselbe geblieben. Machst du das noch einmal, landest du bei G-C-E, der zweiten Umkehrung. Der ganze Trick besteht darin, den untersten Ton nach oben zu holen. Üb das ruhig in jeder Tonart, bis es von allein geht.

Wenn du eine Klavieraufnahme mit einem Tool wie Songscription transkribierst, tauchen die gespielten Umkehrungen samt Basston in den Noten und in der Piano Roll auf. Beim Nachlesen siehst du ziemlich genau, welche Voicings Pianist:innen wählen, deren Spiel du bewunderst. Willst du die Akkorde aus einem Song herausholen, der dir gefällt, fang mit Akkorde für jeden Song finden an.

Zum Schluss

Jeder gut arrangierte Song steckt voller Umkehrungen. Sie halten unauffällig die Basslinie in Bewegung und verbinden die Akkorde miteinander. Denk bei einem Akkord also nicht an eine feste Form, sondern an eine Gruppe von Tönen, die du auf jeden einzelnen davon stellen kannst. Mit dieser Wahl formst du eine Linie. Setzt du Umkehrungen beim Arrangieren bewusst ein, können deine Akkordfolgen glatt von Akkord zu Akkord gehen, statt von Block zu Block zu holpern.

Häufige Fragen

Was ist eine Akkordumkehrung?

Eine Akkordumkehrung ist derselbe Akkord, nur liegt als tiefster Ton nicht der Grundton, sondern ein anderer Akkordton. Ein C-Dur-Dreiklang in Grundstellung hat C im Bass. Mit E im Bass ist er in der ersten Umkehrung, mit G im Bass in der zweiten. Die Töne und der Akkordname bleiben gleich, nur der Bass ändert sich.

Wie schreibt man Akkordumkehrungen?

In Pop-Noten und Leadsheets schreibt man eine Umkehrung als Slash-Akkord: erst der Akkordname, dann ein Schrägstrich, dann der Basston. C-Dur in erster Umkehrung heißt also C/E. In klassischen Noten zeigen Generalbassziffern unter der Notenzeile die Umkehrung an. Ein Dreiklang in erster Umkehrung ist dort ein Sextakkord mit der Ziffer 6, einer in zweiter Umkehrung ein Quartsextakkord mit 6/4.

Wozu braucht man Akkordumkehrungen?

Mit Umkehrungen werden Akkordfolgen glatter, weil du Voicings wählen kannst, bei denen gemeinsame Töne liegen bleiben und der Bass in kleinen Schritten geht. Außerdem formen sie die Basslinie, liegen oft bequemer unter der Hand und bringen eigene Farben mit, etwa das unaufgelöste Gefühl eines Akkords in zweiter Umkehrung in einer Kadenz.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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