Such dir zum Lernen eines Klaviersongs auf YouTube eine Quelle aus: ein Tutorial mit fallenden Noten oder die Originalaufnahme. Übe damit jeweils ein paar Takte bei halber Geschwindigkeit, erst mit einer Hand, dann mit beiden. Langsamer abspielen kannst du das Video über die Wiedergabegeschwindigkeit in den Videoeinstellungen auf YouTube. Wenn du Rückmeldung zu deinem Spiel möchtest, füge den Link in eine Piano-Roll-App ein, die dir zuhört. Möchtest du Noten lesen, kannst du den Link in Noten umwandeln.
Du startest das Tutorial von vorn, hältst es alle paar Sekunden an, springst zurück und verlierst die Geduld, bevor die erste Seite sitzt. So verbringen viele mehr Zeit mit dem Anschauen und Bedienen des Videos als mit dem Üben. Mit kurzen Abschnitten und einem festen Ablauf wird aus dem Video Material, mit dem du am Klavier arbeiten kannst.
Wir entwickeln Songscription. Unser Team entwickelt auch Anything Piano. Beide kommen hier vor, neben kostenlosen Möglichkeiten, die oft schon ausreichen.
Mit einem Tutorial oder der Originalaufnahme lernen?
Ein Tutorial eignet sich, wenn es eines für deinen Song gibt und du die Töne noch nicht selbst heraushören kannst. Die Arbeit, sie herauszufinden, hat dann schon jemand übernommen. Nimm die Originalaufnahme, wenn es kein Tutorial gibt, wenn die Tutorials gerade den Teil vereinfachen, den du magst, oder wenn du die Version lernen möchtest, die im Original gespielt wird.
Ein Tutorial zeigt ein Arrangement. Die Person dahinter hat sich den Song angehört, entschieden, was das Klavier spielen soll, und ihn oft so vereinfacht, dass er sich mit zwei Händen spielen lässt. Das hilft, aber dabei wird auch ausgewählt und verändert. Wie gut das Tutorial ist, hängt von der Person ab, die es erstellt hat. Deshalb können zwei Tutorials zum selben Song deutlich unterschiedlich klingen.
In der Originalaufnahme hörst du die Fassung, die du spielen möchtest. Sie ist aber nicht unbedingt für dein Klavier gedacht. Bei einem Stück für Soloklavier lassen sich alle Töne aus der Aufnahme heraushören. Bei einem Song mit Band kommt vielleicht gar kein Klavier vor. Dann brauchst du jemanden oder ein Werkzeug, das aus Gitarre, Basslinie und Gesangsmelodie einen Klavierpart macht. Dafür muss die Musik arrangiert werden. Genau an dieser Aufgabe bleiben viele hängen.
Wie funktionieren Tutorials im Synthesia-Stil?
Die meisten YouTube-Tutorials mit fallenden Noten zeigen eine MIDI-Datei, die in einem Programm wie Synthesia abgespielt und als fallende Noten dargestellt wird. Farbige Balken fallen auf eine Onscreen-Klaviatur zu. Sobald ein Balken unten ankommt, leuchtet die zugehörige Taste auf. Du kannst dem folgen, ohne Noten zu lesen. Deshalb ist dieses Format bei Klaviertutorials auf YouTube so verbreitet. Es hat allerdings Grenzen.
Das Video wartet nicht auf dich. Du hältst es an, spielst ein paar Töne, lässt es weiterlaufen und verpasst den nächsten Akkord. Ein großer Teil der Übezeit geht so für das Bedienen der Wiedergabe drauf. Auch die Hände sind nicht immer gut zu erkennen. Manche Tutorials zeigen sie beim Spielen, oft von oben oder gespiegelt. Aus diesem Blickwinkel ist schwer zu sehen, welcher Finger welche Taste spielt. Viele Tutorials zeigen überhaupt keine Hände. Den Fingersatz musst du dann selbst herausfinden.
Dazu kommt die fehlende Rückmeldung: Das Video hört dich nicht. Du könntest eine Woche lang mit der linken Hand einen Halbton danebenliegen, ohne dass dich etwas darauf hinweist. Wie du solche Videos richtig liest, steht in unserer Anleitung zum Lesen einer Piano Roll. Im Artikel über Alternativen zu Synthesia geht es um die Programme hinter diesen Darstellungen.
Einen Song mit YouTube Schritt für Schritt lernen
Der Ablauf ist derselbe, den auch Lehrkräfte mit gedruckten Noten verwenden: erst zuhören, das Stück in kurze Abschnitte teilen, langsamer üben, jede Hand einzeln üben und dann beide zusammennehmen. Danach steigerst du die Geschwindigkeit. Das Video liefert dafür die Musik. Für die folgenden Schritte gehen wir von etwa zwanzig Minuten am Tag aus und von einem Song, der etwas über deinem jetzigen Können liegt.
- Hör dir den ganzen Song einmal an, ohne am Klavier mitzuspielen. Achte darauf, wo ein neuer Teil beginnt: Intro, Strophe, Refrain, Bridge. In vielen Popsongs kommen dieselben wenigen Takte immer wieder. Du musst dann weniger lernen, als die Länge des Videos vermuten lässt.
- Nimm dir den ersten Abschnitt vor, etwa acht Takte. Notiere die Zeitangaben im Video, damit du direkt dorthin zurückspringen kannst.
- Stell die Wiedergabe auf halbe Geschwindigkeit. Schau dir den Abschnitt zweimal so an, bevor du selbst spielst.
- Lerne erst die rechte Hand. Spiel bei halber Geschwindigkeit mit und halte am Ende einer Phrase an, statt nach jeweils wenigen Tönen.
- Lerne die linke Hand einzeln. Sie ist meist einfacher, aber beim Üben mit Tutorials übst du sie oft weniger gründlich. Wann du die Hände zusammennehmen kannst, erklärt unsere Anleitung zum getrennten Üben der Hände am Klavier.
- Spiel mit beiden Händen zusammen, langsamer als mit einer Hand allein. Bei den ersten Versuchen kann das Zusammenspiel noch auseinanderfallen, auch wenn jede Hand für sich schon klappt.
- Steigere die Geschwindigkeit in Stufen. Erst die Hälfte, dann drei Viertel, dann die volle Geschwindigkeit. Geh erst zur nächsten Stufe, wenn du den Abschnitt zweimal hintereinander sauber gespielt hast.
- Lerne den nächsten Abschnitt und verbinde ihn mit dem vorherigen. Lass beide um einen Takt überlappen, damit du auch den Übergang übst. Mehr zu diesem Ablauf findest du im Artikel über das Lernen eines Songs in Abschnitten.
Ein YouTube-Video zum Klavierüben langsamer abspielen
In den Einstellungen des Videos kannst du die Wiedergabegeschwindigkeit ändern. YouTube hat voreingestellte Geschwindigkeiten bis hinunter auf das 0,25-Fache und einen Regler für eigene Einstellungen. Die Tonhöhe bleibt dabei gleich, der Song also in seiner ursprünglichen Tonart. Für eine neue Stelle eignet sich die halbe Geschwindigkeit. Drei Viertel sind ein Zwischenschritt zur vollen Geschwindigkeit. Bei noch langsamerer Wiedergabe wird der Klang oft undeutlich.
Je langsamer die Aufnahme läuft, desto mehr leidet die Audioqualität. Lange gehaltene Klaviertöne bleiben gut hörbar, schnelle Läufe und Schlagzeug klingen bei sehr niedriger Geschwindigkeit dagegen verschwommen. Die langsamsten Einstellungen helfen deshalb oft weniger, als man erwartet. Wenn du feinere Schritte oder einen klareren Klang brauchst, findest du im Vergleich der besten Apps zum Verlangsamen von Musik passende Werkzeuge.
Stell die Musik so langsam ein, dass du mitspielen kannst. Wenn du eine Stelle bei voller Geschwindigkeit mit falschen Tönen spielst, übst du diese Fehler mit ein. Sie später wieder loszuwerden ist schwerer, als sie beim langsamen Üben zu vermeiden.
Aus dem YouTube-Link Material zum Üben machen
Wenn dir das Video allein nicht reicht, kannst du den Link in ein Format zum Üben umwandeln. Eine Piano Roll kann dir zuhören und anzeigen, welche Töne du verpasst hast. Noten kannst du ausdrucken, mit Anmerkungen versehen und aufbewahren. Bei beiden Möglichkeiten fügst du zunächst die YouTube-URL ein.
Anything Piano mit Rückmeldung beim Spielen
Anything Piano erstellt aus einem YouTube-Link oder einer Audiodatei eine Piano Roll mit fallenden Noten. Die Darstellung entspricht der eines Synthesia-Tutorials, unterscheidet sich aber in zwei Punkten.
Anything Piano hört dir über das Mikrofon oder ein MIDI-Keyboard zu. Du kannst damit auf einem akustischen Klavier oder einem Digitalpiano üben und siehst während des Spielens, welche Töne du getroffen oder verpasst hast. Außerdem kannst du Songs verwenden, zu denen noch niemand ein Tutorial erstellt hat. Das geht auch bei Songs ohne Klavier: Anything Piano erstellt dafür einen Klavierpart, der wie das Original klingt.
Du kannst jede Hand einzeln üben, den Song langsamer abspielen und die Abschnitte durcharbeiten, in die Anything Piano ihn aufteilt. Dein Fortschritt wird dabei angezeigt. Wenn du die Anzeige des Fingersatzes einschaltest, stehen Fingernummern an den Noten. So siehst du, welcher Finger gemeint ist, auch wenn das in einem Video von oben schwer zu erkennen wäre.
Anything Piano zeigt eine Piano Roll. Noten zum Lesen oder Ausdrucken gibt es dort nicht.
Noten mit Songscription
Mit YouTube zu Noten wandelst du denselben Link in einen notierten Klavierpart um. Du kannst MIDI und MusicXML exportieren und im Editor Stellen ändern, die du anders hörst. Die Noten hören dir allerdings nicht zu. Ob du richtig spielst, musst du selbst nach Gehör prüfen.
Möglichkeiten, einen Klaviersong mit YouTube zu lernen: Was du bekommst, ob du Rückmeldung erhältst und wo die jeweilige Grenze liegt
| Methode | Was du bekommst | Rückmeldung zu deinem Spiel | Größte Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Tutorial mit fallenden Noten | Das Arrangement einer anderen Person als Video | Keine | Genauigkeit hängt vom Tutorial ab, häufiges Anhalten |
| Originalaufnahme nach Gehör | Den Originalpart, wenn du ihn heraushören kannst | Keine | Dauert lange und ist mit wenig Erfahrung schwierig |
| Anything Piano mit dem Link | Eine Piano Roll aus der Aufnahme | Getroffene und verpasste Töne während des Spielens | Keine Noten |
| Noten aus dem Link | Noten zum Ausdrucken, MIDI, MusicXML | Keine | Du musst Noten lesen können |
Fehler, die dich beim Lernen aufhalten
Der häufigste Fehler ist, jedes Mal das ganze Video von vorn abzuspielen. Das fühlt sich produktiv an, aber dabei übst du vor allem die erste Seite. Nimm dir einen Abschnitt vor und lerne ihn, bevor du weitergehst. Wenn du nicht jedes Mal von vorn anfängst, kommst du schneller durch den Song.
Ein weiterer Fehler ist, sich auf das erste gefundene Tutorial zu verlassen. Such zwei oder drei Versionen und vergleiche jeweils acht Takte mit der Originalaufnahme. Wähle die Fassung, die der Aufnahme am nächsten kommt und die du vom Schwierigkeitsgrad her bewältigen kannst.
Oft übst du auch nur die rechte Hand, weil die Melodie Spaß macht. Am Ende fehlt dann die linke Hand fast vollständig. Übe deshalb schon im ersten Abschnitt jede Hand für sich, auch wenn die linke nur Akkorde hält.
Häufige Fragen
Kann man mit YouTube wirklich Songs auf dem Klavier lernen?
Ja. Viele, die sich das Klavierspielen selbst beigebracht haben, haben so den Großteil ihres Repertoires gelernt. Ein Video erkennt allerdings nicht, ob du richtig gespielt hast. Du musst dein Üben deshalb selbst aufteilen: wenige Takte auf einmal, langsam abspielen und jede Hand einzeln üben, bevor du beide zusammennimmst. Ohne diese Aufteilung fühlt sich das Anschauen eines Tutorials nach Fortschritt an, obwohl du dabei meist wenig lernst.
Stimmen die Synthesia-Tutorials auf YouTube?
Die guten Synthesia-Tutorials stimmen, aber die Genauigkeit hängt davon ab, wer sie erstellt hat. Ein Tutorial mit fallenden Noten zeigt immer ein Arrangement des Songs. Oft ist es vereinfacht, manchmal sind Teile umgestellt. Gelegentlich stimmt die linke Hand nicht, weil sie in der Aufnahme am schwersten herauszuhören ist. Vergleiche ein paar Takte mit dem Original, bevor du eine Woche damit übst. Nimm möglichst ein Tutorial, das neben den fallenden Noten auch die Hände beim Spielen zeigt.
Wie spiele ich ein Klaviertutorial auf YouTube langsamer ab?
Öffne die Einstellungen des Videos und ändere die Wiedergabegeschwindigkeit. Auf YouTube kannst du bis auf ein Viertel der normalen Geschwindigkeit heruntergehen. Die Tonhöhe bleibt dabei gleich. Für eine neue Stelle ist die halbe Geschwindigkeit ein guter Anfang, drei Viertel sind ein brauchbarer Zwischenschritt. Mit einer speziellen App zum Verlangsamen von Musik kannst du die Geschwindigkeit feiner einstellen und bekommst einen klareren Klang.
Kann ich aus einem YouTube-Video Noten machen?
Ja. Mit Songscription kannst du einen YouTube-Link in Noten umwandeln. Du bekommst den Klavierpart als Noten zum Ausdrucken sowie als MIDI und MusicXML zum Bearbeiten. Wenn du lieber mitspielst und Rückmeldung bekommst, statt Noten zu lesen, erstellt Anything Piano aus demselben Link eine Piano Roll und hört dir über das Mikrofon zu.
Mit dem Video am Klavier üben
Auf YouTube findest du zu fast jedem Song kostenlos eine Fassung, die du auf dem Bildschirm verfolgen kannst. Das konnte kein Lehrbuch leisten. Unterricht ersetzt ein Tutorial allerdings nicht. Das Videoformat verleitet dazu, immer wieder von vorn durchzuspielen. Eine Lehrkraft würde dich früh auf die Stelle lenken, die noch nicht klappt. Die Töne liefert das Video, üben musst du sie selbst.
Arbeite damit wie mit Noten: in kurzen Abschnitten, langsam und erst mit einer Hand, dann mit beiden. Gibt es für deinen Song kein Tutorial oder möchtest du wissen, ob du richtig spielst, kannst du den Link in Anything Piano für eine Piano Roll mit Rückmeldung einfügen. In Songscription bekommst du daraus Noten zum Ausdrucken. So kannst du mit dem Song üben, den du spielen möchtest.