Anime-Songs gehören online zu den meistgewünschten Klavierstücken. In Apps zum Klavierlernen sind sie dagegen schwer zu finden. Die gefragten Openings und Endings sind meist J-Rock- und J-Pop-Singles, die für eine Band geschrieben wurden. Oft sind sie schnell, haben viele Akkordwechsel und wechseln auch mal die Tonart. Wenn du so einen Song lernen möchtest, brauchst du erst einmal passende Noten, obwohl er in keinem Katalog steht. Danach musst du das Bandarrangement auf zwei Hände verteilen und dabei erhalten, was den Song mitreißend macht.
Fang mit der Originalaufnahme an und lerne zuerst den Refrain aus der TV-Fassung. Vereinfache die linke Hand, bevor du an anderen Stellen etwas weglässt, und heb dir den Tonartwechsel bis zum Schluss auf.
Wir entwickeln Songscription und auch Anything Piano. Neben den beiden Produkten kannst du auch Fanarrangements nutzen oder nach Gehör lernen. Diese beiden Wege sind oft die bessere Wahl.
Warum sind Anime-Songs auf dem Klavier schwer?
Anime-Openings werden für eine ganze Band produziert, die mit viel Energie spielt. Auf dem Klavier musst du all das übernehmen. Das Tempo ist oft hoch, die Akkorde wechseln häufiger als im westlichen Pop und viele Songs wechseln mindestens einmal die Tonart. Die Gesangsmelodie lässt sich meist gut spielen. Schwierig wird es bei der linken Hand. Dazu kommt, dass im Arrangement so viel gleichzeitig passiert.
Einige Merkmale tauchen immer wieder auf:
- Ein Opening hat etwa neunzig Sekunden Zeit, die Stimmung einer Serie zu vermitteln. Viele sind so schnell, dass wiederholte Begleitmuster in der linken Hand auf Dauer anstrengend werden.
- Der letzte Refrain wird häufig um einen Ganz- oder Halbton nach oben versetzt. Manche Songs wechseln mehrmals zwischen Tonarten. Bei jedem Wechsel musst du mitten im Song vertraute Griffe neu lernen.
- Die Harmonik im J-Pop übernimmt viel aus Jazz und City-Pop: Septakkorde, chromatische Durchgangsakkorde und die absteigende „Royal Road“-Akkordfolge IV → V → iii → vi, die in sehr vielen japanischen Hits vorkommt. Oft wechseln die Akkorde alle zwei Zählzeiten statt nur einmal pro Takt.
- In J-Rock-Openings spielen oft ein treibendes Schlagzeug und Basslinien, die ständig in Bewegung sind. Eine Klavierfassung muss diesen Drive hörbar machen, ohne jeden einzelnen Ton zu übernehmen.
Balladenartige Openings und viele Endings sind leichter zu spielen. Sie sind langsamer und lassen mehr Platz. Wenn du deinen ersten Anime-Song auswählst, ist ein Ending deshalb oft der angenehmere Einstieg.
Warum sie in Songkatalogen oft fehlen
Klavier-Apps haben selten Anime-Songs im Katalog. Jeder Song muss lizenziert und von Hand arrangiert werden, und die Rechte an Anime-Musik liegen bei japanischen Labels und Verlagen, von denen westliche Lern-Apps nur selten Lizenzen erwerben. Es gibt außerdem Tausende Openings und Endings. Jeder einzelne Song hat ein treues, aber recht kleines Publikum. Für einen Katalog mit von Hand erstellten Arrangements ist andere Musik deshalb eher lohnend.
Bei gedruckten Noten sieht es ähnlich aus. Für einige der größten Anime-Reihen gibt es offizielle Klaviernotenbücher, die meist in Japan erscheinen. Wenn dein Wunschstück darin steht, lohnt sich der Kauf. Ansonsten bist du auf Fans angewiesen. Im Artikel über das Lernen internationaler Songs auf dem Klavier behandeln wir das Problem ausführlicher. J-Pop ist einer von mehreren Musikbereichen, die in den Katalogen fast gar nicht vorkommen. Bei Videospielmusik ist die Lage ähnlich, und viele interessieren sich für beide.
Woher die Klavierarrangements kommen
Die meisten verbreiteten Klavierfassungen von Anime-Songs stammen von Menschen, die ihre Arrangements auf YouTube veröffentlichen und die Noten verkaufen oder teilen. Ohne diese Community gäbe es Anime-Klaviermusik als eigenes Genre kaum. Darunter sind hervorragende Arrangeur:innen. Allerdings schreiben sie ihre Arrangements oft als Vorzeigestücke für die eigenen Hände. Die bekanntesten Fassungen gehören deshalb häufig auch zu den schwersten.
Das bekannteste Beispiel ist Animenz. Seine Arrangements von Openings wie „Unravel“ aus „Tokyo Ghoul“ sind virtuose Konzertstücke. Viele sehen sie eher als langfristiges Ziel denn als ersten Versuch. Andere Arrangeur:innen schreiben für ganz unterschiedliche Spielniveaus. Auf Notenseiten der Community findest du Tausende Fantranskriptionen, deren Genauigkeit allerdings stark schwankt.
Quellen für Anime-Klaviermusik im Vergleich: Nähe zur Aufnahme, Schwierigkeit und Ergebnis
| Quelle | Nähe zur Aufnahme | Typische Schwierigkeit | Was du bekommst |
|---|---|---|---|
| Offizielle Klaviernotenbücher | Für Klavier arrangiert, keine genaue Übertragung | Je nach Buch | Noten für eine begrenzte Auswahl an Songs |
| Virtuose Klavierarrangements | Für Klavier neu gestaltet | Meist anspruchsvoll | Noten und ein Video |
| Fannoten aus der Community | Sehr unterschiedlich | Sehr unterschiedlich | Noten mit unklarer Genauigkeit |
| Videos im Synthesia-Stil | Hängt von der MIDI-Datei ab | Oft anspruchsvoll | Nur ein Video mit fallenden Noten |
| Direkt aus der Aufnahme | Folgt der Aufnahme | Entspricht dem Song | Piano Roll oder Noten |
Ein Fanarrangement lohnt sich, wenn es zu deinem Spielniveau passt. Manchmal gibt es den gewünschten Song aber nur in einer anspruchsvollen Fassung. Viele Fannoten geben außerdem die Vollversion wieder, obwohl du die TV-Fassung kennst.
Mit der Originalaufnahme des Openings lernen
Wenn du direkt mit der Aufnahme arbeitest, folgt die Klavierfassung genau der Version, die du kennst. Du kannst diesen Weg für jeden Song nutzen, auch für das Opening einer Serie, die erst in dieser Saison angelaufen ist. Eine direkt aus der Bandaufnahme gewonnene Klavierfassung ist allerdings noch nicht vereinfacht. Du musst also entscheiden, was du weglässt.
Wähle zuerst die Version
Entscheide zuerst, welche Fassung du lernen möchtest. Die TV-Fassung ist der etwa neunzig Sekunden lange Schnitt aus dem Vor- oder Abspann. Diese Version können die meisten mitsummen. Die vollständige Single hat zusätzliche Strophen und manchmal eine längere Bridge. Von manchen Songs gibt es auch offizielle Akustik- oder Klavierfassungen. Wenn eine davon verfügbar ist, kann sie den Einstieg leichter machen.
Aus der Aufnahme eine Klavierfassung machen
Für Anything Piano kannst du eine Audiodatei oder einen YouTube-Link zum Opening verwenden. Daraus entsteht eine Klavierfassung, die du als Piano Roll mit fallenden Noten siehst. In den meisten dieser Songs spielt gar kein Klavier mit. Anything Piano erstellt deshalb eine Klavierfassung, die wie das Original klingt, statt nur eine vorhandene Klavierspur zu übernehmen.
Anything Piano hört beim Spielen über das Mikrofon zu und funktioniert deshalb auch mit einem akustischen Klavier. Du kannst die Wiedergabe verlangsamen, einen Abschnitt wie den Tonartwechsel in einer Schleife wiederholen und jede Hand einzeln üben. Bei schnellen J-Rock-Songs ist das hilfreich. Der Song lässt sich auch in Abschnitte aufteilen, die du nacheinander lernst. Auf den fallenden Noten können Fingernummern stehen, damit du siehst, welcher Finger welchen Ton spielt.
Du bekommst allerdings eine Piano Roll und keine Noten. Wenn du lieber vom Papier spielst, entstehen bei der Klaviertranskription aus derselben Aufnahme Noten, MIDI und MusicXML. Mit einfachen Klaviernoten erhältst du Fassungen in fünf Schwierigkeitsstufen. So kannst du dich einem schnellen Opening in Etappen nähern.
Das Bandarrangement spielbar machen
Vereinfache zuerst die linke Hand. Dort wird ein Bandarrangement auf dem Klavier schnell zu viel. Die Gesangsmelodie bleibt in der rechten Hand vollständig erhalten. Links reichen zunächst Grundtöne und Quinten in einem gleichmäßigen Muster. Weitere Akkordtöne, bewegte Basslinien und Fills kommen erst wieder dazu, wenn der Song im Originaltempo läuft. Eine einfache Begleitung bei voller Geschwindigkeit klingt besser als eine genaue Übertragung bei halber Geschwindigkeit.
Bei Anime-Songs helfen besonders diese Anpassungen:
- Wenn die Akkorde alle zwei Zählzeiten wechseln, spiel bei jedem Wechsel den Basston. Rechts kannst du, wo es passt, ein gemeinsames Voicing über beide Akkorde hinweg halten, also dieselbe Anordnung von Akkordtönen.
- Gitarrenriffs lassen sich in der rechten Hand in Oktaven spielen. Die verzerrte Gitarrenlinie im Intro ist oft das Erkennungsmotiv. In Oktaven klingt sie gewichtiger als einstimmig.
- Im Refrain können pulsierende Oktaven in der linken Hand Schlagzeug und Bass zusammen vertreten.
- Übe den Tonartwechsel als eigenen Abschnitt. Wiederhole die zwei Takte davor und die zwei Takte danach, bis der Wechsel automatisch geht.
Im Artikel über das Vereinfachen eines Klavierstücks erklären wir genauer, wie du ein dichtes Arrangement ausdünnst. Beim Lernen eines Songs in Abschnitten geht es um das Üben in Wiederholungsschleifen.
In welcher Reihenfolge lernst du den Song?
Fang mit dem Refrain an. Danach kommen das Erkennungsmotiv im Intro, die Strophen und zuletzt der Tonartwechsel. Am Refrain erkennt man den Song am leichtesten, und meist kommt er mehrmals vor. Wenn du ihn früh spielen kannst, hast du schon etwas zum Spielen, während du den Rest noch lernst. Wenn du den Tonartwechsel zuletzt übst, lernst du den Song zunächst in einer Tonart, bevor du den letzten Abschnitt in einer anderen neu einübst.
- Spiele zuerst die Melodie des Refrains mit der rechten Hand und verlangsame die Wiedergabe. An der Melodie orientierst du dich.
- Links kommen im Refrain zunächst nur die Grundtöne dazu. Danach spielst du beide Hände zusammen, weiterhin langsam.
- Nimm dir das Erkennungsmotiv im Intro vor. Oft ist es ein Gitarren- oder Synthesizer-Riff, an dem man das Opening schon nach zwei Sekunden erkennt.
- Danach folgen Strophen und Pre-Chorus. Dort wechseln die Akkorde meist schneller als im Refrain, deshalb brauchst du dafür wahrscheinlich länger.
- Übe den Tonartwechsel und den letzten Refrain wie ein eigenes Stück.
- Erhöhe die Geschwindigkeit nach und nach, bis du das Originaltempo erreichst. Geh dabei in kleinen Schritten vor.
Viele Anime-Songs stehen in Tonarten mit zahlreichen Kreuzen oder Bes. Wenn die Originaltonart unbequem ist, kann das Arrangement einen Halbton tiefer deutlich leichter zu lesen und zu spielen sein.
Häufige Fragen
Wie lerne ich ein Anime-Opening auf dem Klavier?
Nimm die Version, die du tatsächlich kennst. Meist ist das die kurze TV-Fassung aus dem Vorspann. Fang mit dem Refrain an, denn daran erkennen alle den Song. Arbeite mit der Aufnahme statt mit einer Notenvorlage: Anything Piano macht daraus eine Piano Roll, deren Wiedergabe du verlangsamen kannst. Songscription erstellt aus derselben Aufnahme Noten, wenn du lieber vom Papier spielst. Danach kommen die Strophe und der Tonartwechsel dazu.
Warum sind Anime-Songs auf dem Klavier so schwer?
Die meisten Anime-Openings sind J-Rock- oder J-Pop-Songs für eine Band. Auf dem Klavier musst du also schnelle Schlagzeugparts, verzerrte Gitarren und eine bewegte Basslinie gleichzeitig abbilden. Die Songs sind oft schnell, wechseln häufiger die Tonart als westliche Popsongs und haben mehr Akkordwechsel, manchmal alle zwei Zählzeiten. Die Melodie lässt sich meist gut spielen. Schwierig ist es, mit der linken Hand mit der Band mitzuhalten.
Warum finde ich Anime-Songs nicht in Klavier-Apps?
Apps mit einem festen Songkatalog müssen jeden Song zuerst lizenzieren und von Hand arrangieren lassen. Die Rechte an Anime-Songs liegen bei japanischen Labels und Verlagen, von denen westliche Apps nur selten Lizenzen erwerben. Dazu kommen Tausende Openings und Endings mit jeweils einem recht kleinen Publikum. Apps, die mit deiner eigenen Aufnahme arbeiten, brauchen dafür keinen Songkatalog. Deshalb kannst du mit ihnen auch Anime-Songs lernen, die in Katalog-Apps fehlen.
Was unterscheidet die TV-Fassung von der Vollversion?
Die TV-Fassung ist der kurze Schnitt, der im Vor- oder Abspann einer Folge läuft. Meist dauert er etwa anderthalb Minuten. Die Vollversion ist die komplette Single, oft rund vier Minuten lang, mit zusätzlichen Strophen und manchmal einem anderen Aufbau. Die meisten kennen die TV-Fassung auswendig. Sie eignet sich deshalb besser für den Anfang; die Vollversion kann danach kommen.
Eine Fassung finden, die zu dir passt
Anime-Klaviermusik hat ein riesiges Publikum und eine Community mit vielen talentierten Arrangeur:innen. In den Apps, mit denen Menschen Klavier lernen, ist sie trotzdem kaum vertreten. Die vorhandenen Arrangements sind oft virtuose Vorzeigestücke. Wer schon fortgeschritten spielt, hat daran viel Freude; wer noch lernt, findet sie eher entmutigend. Es fehlt vor allem an Fassungen für Menschen, die ihr vertrautes Opening spielen möchten und dafür eine weniger anspruchsvolle Klavierfassung brauchen.
Mit der Aufnahme anzufangen lohnt sich deshalb, auch wenn du dabei selbst entscheiden musst, was du übernimmst. Sie enthält die Version, die du magst, ihre Tonart und jedes Detail des Erkennungsmotivs. Du wählst dann aus, was zwei Hände spielen können. Gibt es ein Fanarrangement auf deinem Spielniveau, nutze es. Wenn keines passt, kann Anything Piano aus dem Opening eine Piano Roll machen, deren Wiedergabe du verlangsamen kannst. Dann arbeitest du beim Üben daran, die Fassung zu vereinfachen, statt weiter nach einer passenden zu suchen.