Dieser Artikel gehört zu unserem Leitfaden zum Vereinfachen von Noten.
Wenn ein Klavierstück zu schwer wirkt, hat das meistens einen von ein paar ganz bestimmten Gründen, und für jeden gibt es eine Lösung. Dichte Akkorde, zwei volle Hände, schnelle Passagen, weite Griffe, eine unbequeme Tonart: Sobald du weißt, was dich bremst, kannst du das Stück meistens spielbar machen, ohne das zu verlieren, was du daran magst. Dabei kannst du Hand für Hand vorgehen und die Noten selbst bearbeiten oder einen Noten-Leveler die grobe Arbeit machen lassen. Dieser Artikel ist das Gegenstück fürs Klavier zu unseren allgemeineren Leitfäden So vereinfachst du deine Noten und Noten für Einsteiger:innen vereinfachen.
Finde erst heraus, was es schwer macht
Bevor du auch nur eine Note änderst, überleg dir, woran es hängt. Jede dieser Hürden braucht ihre eigene Lösung:
- Dichte: zu viele Töne gleichzeitig, meistens große Akkorde in einer oder beiden Händen.
- Koordination: zwei Hände, die viel und unabhängig voneinander spielen. Es scheitert am Zusammenspiel, nicht an einer einzelnen Note.
- Tempo: Langsam liegen die Töne gut unter der Hand, aber im notierten Tempo schaffst du sie nicht.
- Spannweite: ein Akkord, der breiter ist, als deine Hand greifen kann, oder Sprünge, die zu weit und zu schnell kommen.
- Tonart: Die Töne sind spielbar, aber auf dem Blatt steht eine Wand aus Kreuzen oder Bes.
Am schnellsten unterscheidest du das, wenn du die Wiedergabe langsamer machst, ohne die Tonhöhe zu ändern, und darauf achtest, was zuerst auseinanderfällt. Fühlt sich das Stück langsam bequem an, liegt es am Tempo. Dann hilft es, regelmäßig zu üben und das Tempo langsam zu steigern. Bleibt es sogar im Schneckentempo unbequem, verlangen die Noten mehr, als deine Hände schaffen, und du kannst sie ausdünnen.
Die linke Hand ausdünnen
Schau dir zuerst die linke Hand an. Sie liefert meistens Harmonie und Puls, die Melodie liegt woanders, und deshalb lässt sie sich stark vereinfachen, ohne dass der Song seinen Charakter verliert. Mach aus einem schnellen gebrochenen Akkord oder Arpeggio einen einfachen Blockakkord, den du auf der Zählzeit anschlägst. Einen vollen Akkord mit vier Tönen kannst du auf den Grundton reduzieren oder auf Grundton und Quinte. Springt die Basslinie über die ganze Klaviatur, ersetz sie durch eine ruhigere, die an einer Stelle bleibt. Bei den meisten Stücken reicht es schon, nur die linke Hand zu vereinfachen, damit aus einem unmöglichen Stück ein spielbares wird. Die Melodie bleibt dabei komplett unangetastet.
Rechte Hand und Melodie vereinfachen
Die rechte Hand trägt meistens die Melodie, also geh mit ihr vorsichtiger um. Die Melodie selbst sollte vollständig bleiben. Alles, was drumherum gestapelt ist, darf weg. Streich die Mittelstimmen, dann wird aus einem dicken Akkord in der rechten Hand nur noch die Melodielinie. Oktaven kannst du zu einzelnen Tönen machen, wenn der Griff zu weit ist. Verzierungen wie Triller und Vorschläge nimmst du ganz raus. Sie sind schwer auszuführen, und man erkennt die Melodie auch ohne sie. Die Melodie schützen und den Schmuck abräumen, so gehen auch gute Arrangeur:innen vor, wenn sie einen Song von Grund auf fürs Klavier arrangieren.
Den Leveler die grobe Arbeit machen lassen
Du musst nicht alle diese Änderungen von Hand machen. Sobald das Stück in Songscription ist, kannst du den Noten-Leveler öffnen und eine leichtere Schwierigkeitsstufe wählen. Er setzt dann alle Änderungen auf einmal um: dünnere Akkorde, ruhigere Rhythmen, weniger Verzierungen, kleinere Griffe. Das Ergebnis öffnet sich im Editor, und das Original bleibt erhalten. Du kannst dir also ein paar Stufen anhören und die behalten, die zu deinen Händen passt. Klavier ist das Instrument, das in Songscription am weitesten entwickelt ist, deshalb klappt das hier auch am zuverlässigsten. Praktisch ist dieser Ablauf: 90 Prozent der Arbeit dem Leveler überlassen und danach die zwei, drei Takte von Hand bearbeiten, zu denen du eine eigene Vorstellung hast.
Vergiss die Tonart nicht
Hat dein Test gezeigt, dass die Tonart das Problem ist und nicht die Töne, dann fang nicht an zu streichen. Ein Stück mit fünf Bes kann schwer zu lesen sein, auch wenn es leicht zu spielen ist. Hier hilft es, das Stück in eine bequemere Tonart zu transponieren, etwa nach C, G oder F. Dafür verschiebst du im Editor einfach deine kompletten Noten. Beides lässt sich kombinieren: Du transponierst in eine leichtere Tonart und senkst zusätzlich die Schwierigkeitsstufe. Überleg dir dabei aber bewusst, welches Problem du mit welchem Schritt löst. Wenn sich das Stück so liest und spielt, wie du willst, exportier es als PDF für den Notenständer oder als MusicXML, um es in einem Notenprogramm weiter zu bearbeiten.
Häufige Fragen
Welchen Teil eines Klavierstücks vereinfache ich zuerst?
Fang mit der linken Hand an. Sie liefert meistens Harmonie und Puls, die Melodie spielt in der Regel die rechte. Deshalb kannst du sie stark vereinfachen und aus einem vollen Muster Blockakkorde oder einen einzelnen Basston machen, ohne dass der Song seinen Charakter verliert. Unserer Erfahrung nach reicht es oft schon, nur die linke Hand auszudünnen, damit aus einem zu schweren Stück ein spielbares wird. Die Melodie in der rechten Hand bleibt dabei unangetastet.
Was macht ein Klavierstück schwer?
Meistens eine von vier Sachen: dichte Akkorde mit vielen Tönen gleichzeitig, zwei Hände, die viel und unabhängig voneinander zu tun haben, schnelle Passagen oder weite Griffe und große Sprünge. Eine unbequeme Tonart mit vielen Vorzeichen macht zusätzlich das Lesen schwer. Für jede dieser Hürden gibt es eine eigene Lösung. Finde deshalb erst heraus, welche dich bremst, bevor du anfängst, die Noten zu ändern.
Wie vereinfache ich die linke Hand in einem Klavierstück?
In der linken Hand steckt oft die eigentliche Schwierigkeit. Mach aus schnellen gebrochenen Akkorden einfache Blockakkorde auf der Zählzeit, reduzier einen vollen Akkord auf den Grundton oder auf Grundton und Quinte und ersetz eine springende Basslinie durch eine ruhigere. Weil die linke Hand vor allem Harmonie und Puls liefert, erkennt man den Song auch mit einer einfacheren Version meistens noch. Das Stück lässt sich dann viel leichter spielen.
Soll ich einen Leveler nutzen oder das Stück von Hand vereinfachen?
Beides, und zwar in dieser Reihenfolge. Mit einem Leveler vereinfachst du schnell das ganze Stück auf einmal. Wir empfehlen dir deshalb, ihn für die grobe Vereinfachung zu nehmen und danach die zwei, drei Stellen von Hand zu bearbeiten, zu denen du eine eigene Vorstellung hast. Jede Note von Anfang an selbst zu ändern dauert lange, und ein Leveler allein vereinfacht eine Passage vielleicht anders, als du es tun würdest. So erledigt der Leveler die grobe Arbeit, und mit deinen eigenen Änderungen gibst du dem Stück den letzten Schliff.
Wenn dir ein Klavierstück gerade einfach zu viel ist, öffne es im Noten-Leveler von Songscription, stell eine Stufe ein, die du spielen kannst, und pass den Rest nach deinem Geschmack an. Hast du noch nicht viel Erfahrung damit, eigene Klavierstimmen zu schreiben, lies als Nächstes unseren Leitfaden Klavier arrangieren für Einsteiger:innen.
