So vereinfachst du Noten für Anfänger:innen

Anleitung9 Min. LesezeitAndrew Carlins

Nicht der Song ist zu schwer, sondern das Arrangement auf dem Blatt, und das lässt sich ändern. Was sich beim Vereinfachen wirklich ändert, zeigen dieselben acht Takte vorher und nachher. Du kannst die Noten schnell und automatisch oder von Hand vereinfachen.

Teil unseres Leitfadens zum Vereinfachen von Noten.

Wer gerade mit dem Spielen anfängt, verliebt sich in einen Song, sucht die Noten raus und erstarrt. Das Blatt ist eine Wand aus Noten: zwei viel beschäftigte Hände, dicke Akkorde, schnelle kleine Läufe, Hilfslinien über und unter dem System. Dabei ist nicht der Song zu schwer, sondern das Arrangement auf dem Blatt. Und das lässt sich ändern.

Beim Vereinfachen lässt du Töne weg und vereinfachst Rhythmen, bis die Noten zum Können der Person passen, die spielt. Der Song bleibt dabei erhalten.

Was Vereinfachen eigentlich heißt

Wie schwer Noten zu spielen sind, hängt davon ab, wie viel gleichzeitig passiert. Fünf Dinge machen Noten für den Anfang schwer, und beim Vereinfachen drehst du jedes davon ein Stück runter.

  • Zu viele Töne auf einmal. Bei einem Akkord mit vier Tönen in jeder Hand musst du acht Tasten im selben Augenblick finden. Dünn ihn auf zwei oder drei Töne aus.
  • Dicke Akkorde. Aus vollen Voicings wird ein einzelner Basston oder ein einfacher Griff aus zwei Tönen.
  • Unruhiger Rhythmus. Synkopen und schnelle Unterteilungen vereinfachst du zu Notenwerten, die sich leichter zählen lassen.
  • Große Spannweite. Griffe über eine Oktave hinaus legst du so um, dass sie sich auch mit einer kleineren Hand spielen lassen.
  • Verzierungen und Läufe. Schnelle Schnörkel kürzt du auf die Töne, die die Linie tragen.

Keiner dieser Punkte betrifft die Melodie. Du kürzt bei der Begleitung und lässt die Melodie in Ruhe. Wie aus diesen Punkten eine Schwierigkeitsstufe wird, erklärt unser Artikel über Schwierigkeitsgrade bei Noten.

Vorher und nachher

Stelle dir den Anfang einer Popballade vor, einmal im Originalarrangement und dann dieselben acht Takte vereinfacht für den Einstieg. So ändert sich jedes Element:

ElementVorher (Original)Nachher (Einstieg)
Rechte HandMelodie plus zusätzliche HarmonietöneNur die Melodie
Linke HandGebrochene Akkorde mit vier TönenEin Basston oder ein einfacher Akkord pro Takt
RhythmusSynkopierte, punktierte FigurenGleichmäßige Viertel und Halbe
VerzierungenVorschläge und schnelle FillsGestrichen
Was du hörstDas volle ArrangementDerselbe Song, klar erkennbar

Die vereinfachte Version ist viel leichter zu lesen und lässt den Song trotzdem klar erkennen, weil nur in der Begleitung gekürzt wurde und nirgends in der Melodie.

Schnell geht es mit dem Noten-Vereinfacher

Das alles von Hand zu machen ist echte Arbeit. Mit „Schwierigkeitsgrad anpassen“ geht das automatisch. Du wählst eine Stufe, vom allerersten Einstieg über das Anfangsniveau, die frühe Mittelstufe, die Mittelstufe und die späte Mittelstufe bis zur ursprünglichen Transkription. Das Tool lässt weniger Töne gleichzeitig klingen, vereinfacht knifflige Rhythmen, begrenzt den Tonumfang, dünnt Akkorde auf weniger Töne aus und entfernt kleine Verzierungsläufe.

Beim Lernen helfen vor allem diese Stufen. Spiele jetzt die Version für den ganz frühen Einstieg und gehe eine Stufe höher, sobald sie sich leicht anfühlt. Der Song bleibt dabei auf jeder Stufe derselbe. Mehr zum Noten-Vereinfacher steht in unserem Leitfaden So vereinfachst du deine Noten.

Womit du beim Vereinfachen von Hand anfängst

Vereinfachst du die Noten lieber selbst in einem Editor, dann suche in der Tabelle, was dir auf deinem Blatt schwerfällt. Jede Zeile nennt ein Problem und was dagegen hilft.

Das macht es schwer …Das machst du zuerst
Beide Hände haben viel zu tunRechte Hand auf die Melodie reduzieren
Die Begleitung in der linken Hand ist sehr dichtVolle Akkorde durch einen einzelnen Basston ersetzen
Der Rhythmus ist schwer zu zählenAuf einfache, gleichmäßige Notenwerte vereinfachen
Es gibt schnelle kleine LäufeVerzierungen löschen, Haupttöne behalten
Die Tonart hat viele VorzeichenIn eine leichtere Tonart transponieren

Speziell fürs Klavier geht unser Leitfaden So wird ein Klavierstück leichter spielbar dieselben Kürzungen Hand für Hand durch.

Der Song muss erkennbar bleiben

Damit eine Vereinfachung nicht hohl klingt, gilt eine einzige Regel: Kürze nie den Teil, den die Leute mitsummen. Schütze Melodie und Hook und nimm alles andere so weit zurück, wie du es zum Spielen brauchst. Macht eine unbequeme Tonart die halbe Schwierigkeit aus, dann transponier in eine leichtere, bevor du auch nur einen Ton streichst. Manchmal werden Noten schon durch weniger Vorzeichen leichter lesbar. Du kannst auch eine Aufnahme, die du spielen willst, in Noten umwandeln und sie dann auf eine Stufe vereinfachen, die zu deinem aktuellen Können passt. Wenn du unterrichtest, findest du dieselben Ideen aus Sicht der Lehrkraft in unserem Leitfaden Noten für Schüler:innen vereinfachen.

Es gibt auch einen Weg, der ganz ohne Notenblatt auskommt. Fällt dir eher das Notenlesen schwer als das Spielen der Töne, dann zeigt dir Anything Piano denselben Song als Piano Roll auf iPhone und iPad. Du kannst ihn stark verlangsamen und jeweils mit einer Hand spielen, während die App zuhört und die Töne markiert, die du triffst. Wenn du die Fingersätze einblendest, stehen die Fingernummern direkt auf den Noten. Vereinfacht wird dabei nichts: Du spielst denselben Part, nur musst du keine Noten entziffern.

Häufige Fragen

Wie vereinfache ich Noten für Anfänger:innen?

Es gibt zwei Wege. Schneller geht es mit einem Noten-Vereinfacher, der den Schwierigkeitsgrad automatisch senkt. Er dünnt Akkorde auf weniger Töne aus, lässt weniger Töne gleichzeitig klingen, glättet knifflige Rhythmen und begrenzt den Tonumfang. Wer lieber selbst Hand anlegt, vereinfacht die Noten in einem Editor: Die Melodie bleibt, die linke Hand spielt nur noch Einzeltöne oder einfache Akkorde, und schnelle Verzierungsläufe fliegen raus. In beiden Fällen soll weniger gleichzeitig passieren, während die Melodie erkennbar bleibt.

Verändert das Vereinfachen den Song?

Beim Vereinfachen ändert sich das Arrangement, der Song bleibt derselbe. Bei einer guten Vereinfachung bleiben die Melodie und die wichtigsten Akkorde erhalten, also das, was man beim Zuhören wiedererkennt. Weg kommt, was das Spielen vor allem schwer macht: dichte Mittelstimmen, schnelle Verzierungsläufe und weite Griffe. Beim Abspielen klingt es immer noch nach dem Song, unter der Melodie ist nur weniger los. Schütze also Melodie und Hook und kürze bei der Begleitung, nie bei dem Teil, den alle mitsummen.

Was ist ein Noten-Vereinfacher?

Ein Noten-Vereinfacher ist ein Tool, das den Schwierigkeitsgrad von Noten so anpasst, dass du sie wirklich lesen und spielen kannst. Er hat mehrere Stufen, vom allerersten Einstieg bis zum Original. Je niedriger die Stufe, desto weniger Töne klingen gleichzeitig. Die Rhythmen werden einfacher, der Tonumfang kleiner und die Akkorde dünner; kleine Verzierungsnoten fallen weg. So kannst du als Anfänger:in schon jetzt eine erkennbare Version eines Stücks spielen und eine Stufe höher gehen, wenn du sicherer Noten liest und deine Technik besser wird.

Kann ich einen Song ohne Notensoftware leichter machen?

Am Instrument kannst du einiges selbst entscheiden: nur die Melodie spielen, statt voller Akkorde in der linken Hand einzelne Basstöne halten und langsamer spielen. Willst du diese Entscheidungen aber als saubere, gut lesbare Noten vor dir haben, musst du sie aufschreiben. Transkribier den Song und vereinfache die Noten mit einem Noten-Vereinfacher oder bearbeite sie selbst. Dann hast du ein aufgeräumtes Blatt im passenden Schwierigkeitsgrad und musst dir nicht lauter Vereinfachungen merken.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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