AnleitungNotenAndrew Carlins•8 Min. Lesezeit

Wie kann ich meine Noten vereinfachen?

Ist ein Stück zu schwer, musst du es nicht gleich aufgeben. Noten lassen sich auf zwei Wegen vereinfachen: automatisch mit einem Tool oder von Hand im Editor. Beim Vereinfachen ändert sich einiges am Stück. Der Song sollte trotzdem erkennbar bleiben, und der Teil, den du am meisten magst, sollte nicht ausgerechnet dabei wegfallen.

Wie kann ich meine Noten vereinfachen?

Teil unseres Ratgebers zum Vereinfachen von Noten.

Ja, du kannst deine Noten vereinfachen, und zwar auf zwei Wegen. Schnell geht es mit einem Tool, das das Stück automatisch auf einer leichteren Stufe neu schreibt und die Melodie dabei unverändert lässt. Beim Weg von Hand öffnest du die Noten in einem Editor und streichst selbst, was dich ins Stolpern bringt. Die meisten machen am Ende ein bisschen von beidem. Eine Anleitung für alle, die noch nicht lange spielen, findest du unter Noten vereinfachen für Anfänger:innen.

Die zwei Wege zum Vereinfachen

Jede Methode läuft auf einen von zwei Ansätzen hinaus. Beim ersten übernimmt ein Tool das Umschreiben. Du wählst eine leichtere Stufe, und das Tool nimmt heraus, was das Stück schwer macht, während die Melodie bleibt. Musiktheorie brauchst du dafür keine. Beim zweiten öffnest du die Noten in einem Editor und streichst gezielt die Noten, die dir im Weg sind. Das dauert länger, dafür bestimmst du genau, was bleibt und was rausfliegt.

Wir haben gemerkt, dass es am schnellsten geht, wenn ein Tool mit einem einzigen Klick 90 % der Arbeit erledigt und du danach nach Geschmack noch ein paar Stellen von Hand änderst. So oder so müssen deine Noten zuerst in Songscription landen. Dafür transkribierst du eine Aufnahme des Stücks in Noten, die du bearbeiten kannst.

Was sich beim Vereinfachen ändert

Es hilft zu wissen, was ein Stück überhaupt schwer macht, denn genau dort setzt das Vereinfachen an. Eine leichtere Fassung dünnt dichte Akkorde aus und macht volle Begleitungen schlanker, damit jede Hand weniger zu tun hat. Komplizierte Synkopen werden zu Rhythmen, die du lesen und mitzählen kannst, und weite Sprünge rücken näher zusammen. Deine Hände müssen dann nicht mehr so weit wandern. Verzierungen wie Triller, Doppelschläge und Vorschläge, die sich schwer sauber rausbringen lassen, fallen weg. Weite Griffe, bei denen eine kleinere Hand an ihre Grenze kommt, werden bequemer verteilt.

Die Tonart steht absichtlich nicht auf dieser Liste. Eine andere Tonart zu wählen ist ein eigener Schritt, unabhängig davon, wie viele Noten du spielst, und darauf kommen wir weiter unten zurück. Welche Faktoren die Schwierigkeit insgesamt bestimmen, schlüsselt unser Artikel über Schwierigkeitsgrade bei Noten einzeln auf.

Automatisch vereinfachen lassen

Am schnellsten vereinfachst du ein Stück, wenn du das einem Tool zur automatischen Vereinfachung überlässt. Sind deine Noten in Songscription, öffnest du die Auswahl der Schwierigkeitsstufe und entscheidest dich für eine Stufe, von einer Fassung für den ganz frühen Anfang bis hin zum Original. Das Tool erstellt eine neue Fassung in dieser Schwierigkeit, setzt alle oben genannten Änderungen auf einmal um und öffnet sie im Editor, damit du sie dir ansehen kannst. Das Original geht dabei nie verloren. Du kannst also frei zwischen den Stufen wechseln und sie vergleichen. Ist die erste Stufe zu leicht oder immer noch zu schwer, nimmst du einfach eine andere. So wird aus stundenlangem Ausdünnen von Hand eine Auswahl in einem Menü.

Von Hand im Editor vereinfachen

Manchmal willst du nur eine Stelle vereinfachen, oder du weißt schon genau, was wegsoll. Im eingebauten Noteneditor kannst du Noten löschen, einen Akkord auf seine wichtigsten Töne reduzieren, einen Rhythmus vereinfachen oder einen zu weiten Griff anders verteilen. Ist Notenschrift nicht so dein Ding, zeigt dir die Ansicht Piano Roll die Noten als farbige Balken, denen du leicht folgen kannst.

Die Arbeit von Hand passt gut zur automatischen Vereinfachung. Das Tool übernimmt das grobe Ausdünnen, und du räumst danach die zwei, drei Stellen auf, die dir am wichtigsten sind. Zwischendurch kannst du die Wiedergabe langsamer machen, ohne dass sich die Tonhöhe ändert, und so testen, ob du eine Stelle in deinem Tempo schon spielen kannst.

Damit der Song erkennbar bleibt

Das Stück soll leichter werden, aber kein anderes Stück. Die Melodie ist heilig. Dünn die Begleitung aus, mach den Rhythmus ruhiger und lass Verzierungen weg, aber rühr die Melodie und jeden markanten Hook nicht an, denn genau die machen den Song aus. Zum Testen spielst du deine vereinfachte Fassung jemandem vor und schaust, ob die Person den Song erkennt. Erkennt sie ihn und kannst du ihn spielen, stimmt das Verhältnis. Guckt sie eher ratlos, hast du zu viel gestrichen und solltest ein paar Noten zurückholen. Lehrer:innen wägen genauso ab, wenn sie Stücke für ihre Schüler:innen vereinfachen. Du machst es hier eben für dein eigenes Spiel.

Wenn eigentlich die Tonart das Problem ist

Bevor du Noten streichst, prüf, ob wirklich die Noten das Problem sind. Manchmal ist ein Stück gar nicht zu dicht oder zu schnell, sondern steht einfach in einer fiesen Tonart mit lauter Kreuzen oder Bes. Dann ist es schwer zu lesen, obwohl die Töne selbst gut machbar wären. In dem Fall hilft es mehr, das Stück in eine leichtere Tonart zu transponieren, statt die Musik zu vereinfachen. Das machst du im selben Editor, indem du das ganze Stück nach oben oder unten verschiebst. Transponieren und Vereinfachen lösen verschiedene Probleme. Finde also erst heraus, welches du hast, bevor du zu einem Werkzeug greifst.

Häufige Fragen

Wie vereinfache ich ein Stück am schnellsten?

Am schnellsten geht es automatisch. Sobald deine Noten in Songscription sind, wählst du eine leichtere Schwierigkeitsstufe, und das Tool schreibt das ganze Stück auf einmal um. Es dünnt Akkorde aus, macht Rhythmen ruhiger und lässt Verzierungen weg, die Melodie bleibt. Das dauert Sekunden. Dieselben Änderungen von Hand können eine Stunde kosten. Wir empfehlen, die grobe Vereinfachung automatisch machen zu lassen und danach nur die paar Takte von Hand zu bearbeiten, bei denen du eine klare Vorstellung hast.

Klingt der Song nach dem Vereinfachen anders?

Wenn es gut gemacht ist, klingt es immer noch nach dem Song. Eine gute Vereinfachung macht das Stück leichter und lässt ihm trotzdem seinen Charakter. Melodie und Harmonien bleiben erkennbar, nur gibt es weniger Noten, dünnere Akkorde und einfachere Rhythmen. Du bekommst eine Fassung, die leichter zu spielen ist und die man beim Zuhören trotzdem sofort erkennt. Hast du die Hauptmelodie oder den markanten Hook rausgenommen, bist du zu weit gegangen.

Darf ich Noten überhaupt vereinfachen?

Zum Üben, für den Unterricht oder einfach zum Spaß auf jeden Fall. Stücke so zu vereinfachen, dass man sie spielen kann, gehört seit Jahrhunderten zum Musikmachen dazu. Denk dabei ans Urheberrecht. Wer einen Song vereinfacht, der noch urheberrechtlich geschützt ist, erstellt eine Bearbeitung davon. Wenn du Kopien davon machst oder sie öffentlich weitergibst, brauchst du deshalb unter Umständen eine Erlaubnis, genau wie bei jeder anderen Bearbeitung. Meistens nutzt du die Noten aber nur für dich selbst, und im Unterricht ist es in der Regel genauso.

Muss ich Noten lesen können, um ein Stück zu vereinfachen?

Für die automatische Vereinfachung nicht. Du wählst eine leichtere Stufe, das Umschreiben übernimmt das Tool, und du bekommst eine einfachere Fassung, ohne die Noten selbst analysieren zu müssen. Willst du lieber selbst Hand anlegen, hilft es, ein bisschen Noten lesen zu können. Du kannst aber auch in der Ansicht „Piano Roll“ arbeiten. Dort erscheinen die Noten als farbige Balken, denen du leicht folgen kannst, auch wenn dir Notenschrift noch neu ist.

Ist dir ein Stück gerade noch ein bisschen zu schwer, öffne es in der automatischen Vereinfachung in Songscription und wähl eine Stufe, die du spielen kannst. Geht es speziell ums Klavier, findest du in unserem Artikel darüber, wie du ein Klavierstück leichter spielbar machst, die Details für jede Hand einzeln.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

Mehr über das Team

Hier findest du weitere Artikel zu denselben Themen.