AnleitungNotenSongscription•12 Min. Lesezeit

Tipps für bessere Noten beim ersten Klavierarrangement

Vom Spielen nach Noten zum Schreiben eigener Noten ist der Schritt kleiner, als er von außen aussieht. Mit ein paar Grundregeln zu Spielbarkeit, Voicings und Notenbild kannst du mit deinen eigenen Arrangements anfangen.

Klavier arrangieren für den Einstieg mit Tipps zu Spielbarkeit, Intervallgrenzen im Akkord, Stimmführung und Darstellung für bessere Noten

Dieser Artikel gehört zu unserem Leitfaden zum Arrangieren eines Songs für jedes Instrument.

Was ein gut geschriebenes Arrangement ausmacht

Falls du noch kein Programm zum Schreiben deiner Arrangements hast, schau vorher in unseren Überblick über die beste kostenlose Notationssoftware für den Einstieg ins Arrangieren.

Als Arrangeur:in willst du ein Stück schreiben, das eine eigene Idee hat, sich spielen lässt und leicht zu lesen ist. Ein paar konkrete Punkte helfen dir dabei, dass deine Musik besser klingt und du mögliche Probleme früh bemerkst.

Spielbarkeit

Schnell ist auf Wiedergabe gedrückt, das Klavierarrangement klingt wunderbar, und du klopfst dir schon mal selbst auf die Schulter. Du darfst ruhig etwas schreiben, das du selbst noch nicht spielen kannst. Prüf aber, ob sich das Geschriebene körperlich überhaupt spielen lässt und ob es zum Niveau der Person passt, für die du schreibst.

Die meisten Probleme mit der Spielbarkeit haben einen von zwei Gründen: Intervalle im Akkord, die zu groß sind, und Wege von einem Ton zum nächsten, die in der verfügbaren Zeit nicht zu schaffen sind.

Intervallgrenzen im Akkord nach Spielniveau

Solange dich nicht gerade Shaq mit seinem nächsten Meisterwerk fürs Klavier beauftragt hat, solltest du davon ausgehen, dass die Größe der Hände irgendwo eine Grenze setzt. Als Faustregel greift, wer im oberen Mittelfeld oder fortgeschritten spielt, kaum mehr als eine None. Auf mittlerem Niveau ist bei einer Oktave Schluss, bei Anfänger:innen bei einer Sexte und bei absoluten Anfänger:innen bei einer Quinte.

Intervallgrenzen im Akkord nach Spielniveau: oberes Mittelfeld und fortgeschritten None, mittleres Niveau Oktave, Anfänger Sexte, absolute Anfänger Quinte

Ab dem mittleren Niveau lässt sich diese Spanne mit Arpeggien erweitern. Steht das Arpeggio aber nicht in den Noten, geht die spielende Person davon aus, dass sie beide Töne gleichzeitig anschlagen können muss. Wenn du für jemanden auf mittlerem Niveau eine None in einer Hand haben willst, kannst du ein Arpeggio-Zeichen wie hier verwenden.

Beispiel für ein Arpeggio-Zeichen, mit dem sich die Intervallspanne auf mittlerem Niveau erweitern lässt

Wer gerade erst anfängt, arbeitet meist noch nicht mit Arpeggien. Für ein niedrigeres Spielniveau ist das deshalb oft keine gute Lösung für das Intervallproblem.

Realistische Handbewegungen

Wenn selbst richtig gute Pianist:innen Mühe hätten, die Hand schnell und genau genug zu einem Ton zu bringen, der weit vom vorigen entfernt liegt, solltest du den Sprung noch einmal überdenken. Vielleicht findest du einen Ausweg über die andere Hand, vielleicht auch nicht. Ist der Sprung für die Stelle unverzichtbar, probier eine andere Idee aus oder bau die Passage um, bis sie spielbar ist. Hast du das Gefühl, dass die spielende Person an der Stelle nur scheitern kann, wird es Zeit für ein paar Änderungen.

Gute und schlechte Beispiele für realistische Handbewegungen

Anders als bei Intervallen gibt es keine Regel dafür, wie weit zwei aufeinanderfolgende Töne auseinanderliegen dürfen, bevor es schwierig wird. Das hängt vom Tempo des Stücks ab, davon, von welcher Art Ton die Hand kommt, und davon, ob die andere Hand aushelfen kann.

Harmonien setzen

Wenn die Spielbarkeit geklärt ist, geht es an den Kern des Musikschreibens. Gerade in den ersten Arrangements klingen Harmonien oft noch nicht ganz sauber gesetzt. Verlass dich auf deine Ohren und trainier sie darauf, dissonante Klänge ebenso zu erkennen wie den Klang einer sauber gebauten Harmonie.

Grundlagen der Stimmführung am Klavier

Über Voicings lässt sich kaum reden, ohne mit der Stimmführung anzufangen. Stimmführung ist ein weites Feld. Im Kern steckt die Idee, jeden Ton wie eine gesungene Linie zu behandeln, die ruhig und melodisch verläuft und nicht zu sehr springt. Die Bewegung im Bass kannst du getrennt betrachten, und die übrigen Stimmen sind im Grunde eine Übung darin, die Melodie zu stützen. Gut geführte Stimmen klingen gut und lassen sich oft auch leichter spielen.

Nimm als Beispiel eine Melodie, unter der die linke Hand Akkorde in Grundstellung als geschichtete Dreiklänge spielt.

Beispiel 1 zur Stimmführung mit Akkorden in Grundstellung als geschichtete Dreiklänge

Wir könnten einen Teil der harmonischen Begleitung näher an die Melodie rücken, die Stimmen ruhig führen und stellenweise sogar die Basslinie glätten. Das Ergebnis sieht so aus.

Beispiel 2 zur Stimmführung, überarbeitete Fassung mit ruhigerer Stimmführung

Stell dir vor, du müsstest die einzelnen Töne der linken Hand im ersten Beispiel als Melodie singen, und vergleich das mit dem Aufbau beider Hände im zweiten Beispiel. Das erste wäre viel schwerer zu singen und weniger melodisch. Wenn die begleitenden Harmonien aus melodischen Linien bestehen, die zur Hauptmelodie passen, klingt das Ganze vielschichtiger und angenehmer.

Arpeggierte Akkorde breiter machen

Ein weiterer harmonischer Kniff, den alle kennen sollten, die fürs Klavier arrangieren, ist ein flächiges, gehaltenes Arpeggio in der Folge 1-5-3, also Grundton, Quinte, Terz. Dieses Voicing wird mit dem Haltepedal gespielt. Das Pedal hält die Töne, während du sie nacheinander spielst. Ohne Pedal könnte eine Hand sie nicht alle halten. Bei Akkorden in Grundstellung entsteht so ein breiter Klang aus Tönen, die gut zusammen klingen.

Ein C-Dur-Dreiklang wird dabei zum Beispiel als tiefes C gespielt, darüber das G und darüber das E.

Arpeggierte Akkorde breiter machen, Beispiel für ein Voicing als 1-5-3-Arpeggio

Matschige Voicings in tiefer Lage vermeiden

Terzen übereinanderzuschichten ist das harmonische Grundgerüst der westlichen Musik, man spricht auch von terzbasierter Harmonik. Nach unten gibt es aber eine Grenze, ab der alles nur noch nach Matsch klingt. Je nach Geschmack liegt der tiefste Punkt, an dem geschichtete kleine oder große Terzen noch angenehm klingen, meist bei B2 oder A2. Mit B2 ist das deutsche B gemeint, in englischer Schreibweise B♭2. Alles darunter klingt zunehmend „matschig“.

Grafik zu den Grenzen tiefer Terzen, ab denen geschichtete Terzen matschig klingen

Wie überall in der Musik sollen auch hier die Ohren mitentscheiden. Zu wissen, dass A2 der tiefste Ton ist, auf den du noch eine große Terz setzen solltest, ist das eine. Das andere ist, es zu hören, sobald es passiert. Spiel das Beispiel oben und hör, ob du merkst, wie die Harmonie zu Matsch wird.

Das ♭9-Intervall

Die ♭9 ist tückisch. Wer neu arrangiert, hat manchmal eine Passage, die dissonant klingt, ohne dass klar ist, warum, und oft steckt die ♭9 dahinter. Die ♭9 ist einfach eine Oktave plus ein Halbton, also eine kleine None, zum Beispiel von C4 bis Des5. Das Intervall kommt in der Musik ständig vor. Vorsichtig sein musst du, wenn du zwei Töne, die es bilden, gemeinsam betonst. Über einem Dominantseptakkord klingt die ♭9 gut, in den meisten anderen Zusammenhängen ziemlich dissonant.

Notenbeispiele für ♭9-Intervalle

Zwei Situationen bringen Arrangeur:innen besonders oft in Schwierigkeiten: ein betonter Melodieton auf der 4 über einem Dur-Akkord und ein betonter Melodieton auf der 1 über einem Maj7-Akkord.

Betonst du in der Melodie die 4 gegen einen Dur-Akkord, nimm stattdessen einen sus4-Akkord, bis sich die Melodie auflöst. Soll sie sich schnell auflösen, reichen Grundton und Quinte des Akkords in der linken Hand.

Beispiel für die sus4-Lösung, C (X) gegenüber Csus4 zu C (Häkchen)

Liegt ein Melodieton auf dem Grundton eines Maj7-Akkords, achte darauf, dass er keine ♭9 bildet wie im Beispiel unten. Ist der Hauptmelodieton der Grundton des Akkords, ist ein einfacher Dur-Dreiklang meist die bessere Wahl als ein Maj7-Akkord.

Beispiel Cmaj7 (X) gegenüber C (Häkchen), wann du Maj7-Akkorde besser vermeidest

Darstellung

Spielbarkeit und Voicings haben wir jetzt im Blick, also geht es als Nächstes darum, wie unsere Arrangements auf dem Papier aussehen.

Mit Stimmen arbeiten

Richtig eingesetzt zeigen mehrere Stimmen sehr genau, wie eine Stelle gespielt werden soll, und können sogar Hinweise auf das Haltepedal geben. Ein häufiger Fehler in Klaviermusik ist, sie wie einen Chorsatz zu behandeln, in dem Stimmen manchmal auch dann getrennt notiert werden, wenn sie denselben Rhythmus haben. Manche älteren Klaviernoten machen das ebenfalls, heute ist diese Schreibweise aber unüblich. Hier ein Beispiel:

Beispiel mit unnötig auf zwei Stimmen verteilten Tönen

In diesem Beispiel sind die Töne ohne Grund auf zwei Stimmen verteilt. Da alle denselben Notenwert haben, gehören sie stattdessen komplett in Stimme 1, und zwar so.

Korrigiertes Beispiel mit allen Tönen in Stimme 1

Mehrere Stimmen können auch das Haltepedal andeuten, wenn ein Ton über andere Töne hinweg weiterklingt und die Stelle ohne Haltepedal nicht zu spielen wäre. Wer ab dem mittleren Niveau spielt, erkennt bei einer Notation wie unten meist von selbst, dass hier Pedal gebraucht wird.

Beispiel für die Notation des Haltepedals, bei dem mehrere Stimmen den Pedaleinsatz andeuten

Das ist bei Weitem nicht die einzige Art, das Haltepedal anzudeuten, und es gibt viele weitere, fortgeschrittenere Möglichkeiten, mit mehreren Stimmen zu schreiben. Mit mehr Erfahrung bekommst du ein Gefühl dafür, wie mehrere Stimmen eingesetzt werden, wann du Pausen in einzelnen Stimmen ausblendest und was du von der spielenden Person eigentlich verlangst, wenn du mehrere Stimmen notierst.

Derselbe Ton in beiden Händen

Schnell ist ein Muster von weiter vorn kopiert und eingefügt, und du merkst nicht, dass die linke Hand jetzt mit der rechten kollidiert. Wiederhol in einer Hand keinen Ton, der in der anderen schon als gehalten notiert ist. Das verwirrt beim Spielen.

Beispiel für denselben Ton in beiden Händen, bei dem sich Töne der linken und rechten Hand widersprechen

Oben wiederholt die linke Hand auf Zählzeit 2 das mittlere C, das die rechte Hand auf Zählzeit 1 anschlägt und zwei Zählzeiten lang halten soll. Auf Zählzeit 3 schlagen dann beide Hände das mittlere C an. Das sind widersprüchliche Signale, und wer die Noten liest, muss erst herausfinden, was hier falsch ist.

Abstände, System- und Seitenumbrüche

Ein guter Notenabstand und durchdachte System- und Seitenumbrüche sind kleine Details, mit denen Musiker:innen schneller erfassen, was sie da lesen.

Wo ein System umbrechen soll, will gut überlegt sein. Neue Abschnitte oder neue Gedanken beginnen beim Setzen der Noten am besten auf einem neuen System. Seitenumbrüche gehören dorthin, wo sich umblättern lässt, ohne das Spielen zu unterbrechen. Ist das Arrangement länger als 3 Seiten oder steht es in einem Buch, in dem nur 2 Seiten auf einmal zu sehen sind, achte besonders darauf, dass die Umbrüche dort liegen, wo jemand ohne Hilfe beim Umblättern die Seite wenden kann, ohne eine Hand von den Tasten zu nehmen.

Wirkt die Notation so eng oder so weit auseinander, dass sie ablenkt, pass sie an, bis die Noten gut lesbar sind. Ist ein Abschnitt wie eine Strophe oder ein Refrain zu Ende, setz am Ende des letzten Takts einen Doppelstrich, der den Beginn eines neuen Abschnitts anzeigt. Wenn die Doppelstriche stehen, verteil die Systeme nach Möglichkeit so, dass diese Takte am Ende eines Systems liegen. Beginnt der neue Abschnitt auf einem neuen System statt mitten in einem, ist noch deutlicher zu sehen, dass hier etwas Neues anfängt.

Zeigst du neue Abschnitte mit umrahmtem Text oder Studierzeichen an, stehen diese am besten über dem ersten Takt des Abschnitts, am linken Seitenrand ausgerichtet.

Versuch außerdem, auf der letzten Seite genauso viele Systeme unterzubringen wie auf den anderen. Das klappt nicht immer, aber eine fast leere letzte Seite solltest du möglichst vermeiden. Auf Seite 1 dürfen es wegen Titel und Komponist:in auch mal weniger Systeme sein.

Zum Schluss

Das erste eigene Klavierarrangement ist für alle, die Musik machen, ein aufregender Schritt, und wie so oft in der Musik zählt dabei vor allem die Kreativität. In diesem Artikel ging es hauptsächlich ums Handwerk des Arrangierens. Die Tipps lassen deine Ideen besser klingen und sorgen dafür, dass sie sich auch wirklich spielen lassen. Was ein Arrangement besonders macht, kommt aber von dir.

Deine Ideen können allerdings untergehen, wenn deine Noten schwer spielbar sind oder die Voicings unbeholfen klingen und die Leute, die sie spielen, daraus schließen, dass auch deine Ideen nicht viel taugen. Diese Haltung ist kurzsichtig, aber sie kommt vor. Weiter oben haben wir gesagt, dass jedes Arrangement großartig klingen, spielbar sein und sich leicht lesen lassen sollte. Stell dir deine Kreativität als deine Persönlichkeit vor und die Noten, die du schreibst, als deinen Lebenslauf. Dann fallen deine Arrangements Musiker:innen aus den richtigen Gründen auf, und sie können sich ganz darauf konzentrieren, dein Stück zu spielen.

Häufige Fragen

Was macht ein gutes Klavierarrangement aus?

Ein gutes Arrangement hat eine eigene Idee, lässt sich spielen und liest sich leicht. Die Intervalle in einem Akkord bleiben also in der Reichweite der Person, für die du schreibst, die Handbewegungen sind im Tempo des Stücks wirklich machbar, und die Harmonien sind sauber gesetzt. Eine klare Darstellung hilft beim Lesen, etwa ein überlegter Einsatz von Stimmen und gut gewählte System- und Seitenumbrüche.

Wie groß darf ein Intervall in einer Hand sein?

Als Faustregel greift, wer im oberen Mittelfeld oder fortgeschritten spielt, kaum mehr als eine None. Auf mittlerem Niveau ist bei einer Oktave Schluss, bei Anfänger:innen bei einer Sexte und bei absoluten Anfänger:innen bei einer Quinte. Ab dem mittleren Niveau lässt sich die Spanne mit einem Arpeggio erweitern. Steht das Arpeggio aber nicht in den Noten, geht die spielende Person davon aus, dass sie beide Töne gleichzeitig anschlagen muss. Wer gerade erst anfängt, arbeitet in der Regel noch nicht mit Arpeggien.

Was ist die ♭9 und warum macht sie Probleme?

Die ♭9 ist eine kleine None, also eine Oktave plus ein Halbton, zum Beispiel von C4 bis Des5. Bei den ersten Arrangements steckt sie oft hinter unerwarteten Dissonanzen, vor allem wenn die beiden Töne, die sie bilden, gemeinsam betont werden. Über einem Dominantseptakkord klingt die ♭9 gut, in den meisten anderen Zusammenhängen dissonant. Oft hilft dann ein sus4-Akkord oder ein einfacher Dur-Dreiklang.

Zur Person

Songscription

Geschrieben von

Songscription

Von Musiker:innen für Musiker:innen gemacht

Songscription macht aus jeder Aufnahme Noten, MIDI und Tabs. Dieser Beitrag kommt von den Musiker:innen und Entwickler:innen, die an den Tools arbeiten, die wir selbst gern gehabt hätten. Die Noten nehmen wir ernst, unsere Wortspiele noch ernster. Sollte eins davon schief klingen, entschuldigen wir uns schon mal im Voraus.

Mehr über das Team

Hier findest du weitere Artikel zu denselben Themen.