AnleitungMusiktranskriptionAndrew Carlins•10 Min. Lesezeit

So werden aus einer MP3-Datei Noten

Früher hieß es stundenlang genau hinhören, wenn aus einer MP3-Datei lesbare Noten werden sollten. Mit KI-Transkription geht das heute viel schneller. Wenn du deine Arbeitsschritte kennst, holst du aber noch deutlich mehr heraus.

MP3-Dateien mit KI-Transkription in Noten umwandeln, mit Erklärungen zur Funktionsweise, zu gut geeigneten Aufnahmen und zum Nachbessern des Ergebnisses

Dieser Artikel gehört zu unserem Überblick über die besten Tools für Musiktranskription und Noten.

Um eine MP3-Datei in Noten umzuwandeln, lädst du das Audio bei einem KI-Transkriptionstool wie Songscription hoch. Das Tool erkennt die gespielten Töne und liefert dir nach ein bis zwei Minuten bearbeitbare Noten, MIDI und ein PDF. Am meisten hängt dabei von der Ausgangsdatei ab. Eine Soloaufnahme oder ein abgetrennter Stem ergibt viel sauberere Noten als ein dichter Mix. Wenn es geht, trenn den Part, den du brauchst, also vor der Transkription heraus.

Der Weg von der MP3-Datei zu Noten läuft inzwischen größtenteils automatisch. Einen wichtigen Haken gibt es allerdings: Wie gut das Ergebnis wird, hängt stark davon ab, was in der MP3-Datei steckt. Eine Klavieraufnahme ohne Begleitung lässt sich gut transkribieren. Ein kompletter Mix mit Bass, Schlagzeug und Gesang klappt schlechter, solange du die Instrumente nicht vorher trennst. Ob du am Ende brauchbare Noten hast oder eine Stunde lang frustriert nachbesserst, hängt also davon ab, ob du weißt, womit du es zu tun hast.

Was in einem MP3-zu-Noten-Tool passiert

Die Umwandlung läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst verarbeitet das Modell das Audio und erkennt, welche Noten wann gespielt werden. Im zweiten Schritt macht es aus diesen Noten eine MIDI-Darstellung, also eine Liste von Tonhöhen mit Startzeit, Dauer und Anschlagstärke. Im dritten Schritt wird aus dem MIDI Notation. Dafür quantisiert das Tool das Timing, damit es in ein Metrum passt, legt eine Tonart fest und entscheidet, wie die Noten auf Notenzeilen und Stimmen verteilt werden.

Ob das Ergebnis richtig klingt, entscheidet sich größtenteils im ersten Schritt. Ob es gut aussieht, größtenteils im dritten. Verschiedene Tools sind in verschiedenen Schritten stark, und deshalb kann dieselbe Audiodatei je nach Tool spürbar unterschiedliche Noten ergeben.

Welche Audiodateien sich gut transkribieren lassen

Ein paar Regeln gelten für jedes Tool, das etwas taugt:

  • Soloinstrumente lassen sich besser transkribieren als ein kompletter Mix. Eine reine Klavieraufnahme ergibt deutlich sauberere Noten als eine Aufnahme mit Klavier, Bass und Schlagzeug.
  • Studioaufnahmen funktionieren besser als Livemitschnitte. Raumreflexionen, Publikumsgeräusche und das Übersprechen zwischen den Instrumenten bringen das Modell durcheinander.
  • Akustische Instrumente erkennt das Modell leichter als stark bearbeitete. Mit einer Gitarre, auf der Hall und Chorus liegen, tut es sich schwerer als mit einer trockenen.
  • Je einfacher das Arrangement, desto besser das Ergebnis. Ein Popsong mit einer Melodie und einem Begleitmuster ist leichter als ein Jazztrio, das frei improvisiert.

Unmöglich sind die schwierigeren Fälle aber nicht. Sie brauchen nur mehr Nacharbeit, und die planst du am besten gleich mit ein.

So gehst du vor

Schritt 1: Die richtige Ausgangsdatei wählen

Hast du einen Stem oder eine Soloaufnahme des Parts, den du transkribieren willst, dann nimm den. Hast du nur den kompletten Mix und geht der Part im Arrangement unter, schick das Audio zuerst durch einen Stem-Splitter, zum Beispiel Moises, LALAL.AI oder eine DAW mit Stem-Trennung. Was der Stem-Splitter ausgibt, lädst du dann ins Transkriptionstool. Das ist ein Schritt mehr, aber die fertigen Noten werden dadurch deutlich besser.

Schritt 2: Die Transkription starten

Lade das Audio bei einem Tool wie Songscription hoch. Bei einem normalen Song dauert die Verarbeitung meist ein bis zwei Minuten. Du bekommst Noten und MIDI. Bei manchen Tools, zum Beispiel Songscription, kannst du dir das Ergebnis außerdem als Piano Roll ansehen, die synchron zur Originalaufnahme läuft. Damit findest du Fehler am leichtesten.

Schritt 3: Mit dem Audio vergleichen

Lass diesen Schritt nicht aus. Auch bei einer sauberen Ausgangsdatei macht das Modell Fehler, etwa einen Basston in der falschen Oktave, einen Akkord mit einem falschen Ton oder eine gehaltene Note, die zu früh aufhört. Hör dir die Aufnahme an und lies dabei die Transkription mit. Wo etwas nicht zusammenpasst, fällt dir das meist nach wenigen Sekunden auf. Korrigier die Fehler im Editor des Tools, bevor du exportierst.

Schritt 4: Exportieren und nachbearbeiten

Exportier das Ergebnis in dem Format, das zu deinem nächsten Schritt passt. Ein PDF reicht, wenn du die Noten nur ausdrucken willst. MusicXML brauchst du, wenn du in einem Notationsprogramm wie MuseScore noch den Feinschliff machen willst, und MIDI, wenn die Datei in eine DAW soll. Fast immer lohnt sich mindestens ein Durchgang im Notationsprogramm. Kleinigkeiten wie Systemumbrüche, Dynamikanweisungen und Artikulationen lassen sich meist leichter von Hand eintragen als automatisch aus dem Audio gewinnen.

Häufige Probleme und was du dagegen tun kannst

Noten in der falschen Oktave

Das passiert oft bei Basstönen, weil das Modell ganz unten im Tonumfang gelegentlich um eine Oktave springt. Zum Glück ist das schnell behoben. Markier die betroffenen Noten im Editor und verschieb sie. Tauchen solche Oktavfehler im ganzen Stück immer wieder auf, hat die Ausgangsdatei vielleicht ein EQ-Profil, mit dem das Modell nicht gerechnet hat. Probier dann eine andere Aufnahme.

Noten, die in der Aufnahme gar nicht vorkommen

Überzählige Noten entstehen meist durch Hintergrundgeräusche, Hallfahnen oder die Obertöne einer gehaltenen Note, die das Modell falsch deutet. Hör genau hin, denn manchmal ist die vermeintlich falsche Note tatsächlich im Audio, nur leiser, als du gedacht hast. Ist sie wirklich falsch, lösch sie.

Falsche Tonart

Die meisten Tools erkennen die Tonart automatisch. Liegen sie daneben, stehen in den Noten lauter Versetzungszeichen, die eigentlich in die Tonartvorzeichnung gehören. In jedem Notationsprogramm lässt sich das leicht beheben. Ändere die Tonartvorzeichnung, dann ordnen sich die Versetzungszeichen meist von selbst neu.

Umständlich notierter Rhythmus

Bei der Umwandlung von MIDI in Notation ist die Quantisierung der schwierige Teil. Eine Passage, die ganz einfach klingt, kann als Knäuel aus Haltebögen, punktierten Rhythmen und merkwürdigen N-tolen herauskommen. Meistens hilft es, die Quantisierung vor dem Erstellen der Noten anders einzustellen oder die betroffenen Takte hinterher im Notationsprogramm von Hand neu zu schreiben.

Zum Schluss

Die Messlatte für „MP3 zu Noten“ liegt heute deutlich höher. Ob es Tools gibt, die das können, fragt kaum noch jemand. Die Frage ist eher, wie viel Zeit du danach noch mit dem Aufräumen verbringst. Am schnellsten geht es, wenn gutes Ausgangsmaterial auf ein Tool mit einem starken Editor trifft und du das Ergebnis der KI als Entwurf behandelst und nicht als fertiges Produkt.

Ein gut aufgenommenes Stück für Soloklavier kann in unter fünfzehn Minuten von der MP3-Datei zu druckfertigen Noten werden, das Nachbessern eingerechnet. Bei einem komplexen Song im kompletten Mix kann es eine Stunde dauern. So oder so brauchst du nur einen Bruchteil der Zeit, die dieselbe Arbeit noch vor drei Jahren gekostet hätte, und viel weniger, als wenn du den Song von Grund auf nach Gehör transkribierst.

Häufige Fragen

Wie wandle ich eine MP3-Datei in Noten um?

Die Umwandlung läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst verarbeitet das Modell das Audio und erkennt, welche Noten wann gespielt werden. Danach macht es aus diesen Noten eine MIDI-Darstellung, und zum Schluss wird aus dem MIDI Notation. Dabei quantisiert es das Timing, legt die Tonart fest und verteilt die Noten auf die Notenzeilen. Lade das Audio bei einem Tool wie Songscription hoch, die Verarbeitung dauert dort ein bis zwei Minuten. Vergleich das Ergebnis danach mit der Originalaufnahme, bevor du es exportierst.

Welche Audiodateien lassen sich gut transkribieren?

Mit Soloinstrumenten klappt es besser als mit einem kompletten Mix, mit Studioaufnahmen besser als mit Livemitschnitten, mit akustischen Instrumenten besser als mit stark bearbeiteten und mit einfachen Arrangements besser als mit komplexen. Eine reine Klavieraufnahme ergibt deutlich sauberere Noten als eine Aufnahme mit Klavier, Bass und Schlagzeug. Unmöglich sind die schwierigeren Fälle nicht. Sie brauchen nur mehr Nacharbeit, und die solltest du gleich mit einplanen.

Was mache ich, wenn meine MP3-Datei ein kompletter Mix ist?

Wenn der Part, den du brauchst, im Mix untergeht, schick das Audio zuerst durch einen Stem-Splitter, etwa Moises, LALAL.AI oder eine DAW mit Stem-Trennung. Was der Stem-Splitter ausgibt, lädst du dann ins Transkriptionstool. Das ist ein Schritt mehr, aber die fertigen Noten werden dadurch deutlich besser.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

Mehr über das Team

Hier findest du weitere Artikel zu denselben Themen.