Wer begleitet, landet ständig in derselben Sackgasse. Jemand möchte einen Song singen, den gibt es nur als Aufnahme, und Klaviernoten zum Spielen fehlen. Manchmal liegt wenigstens ein Leadsheet mit Akkorden vor, aber Akkordsymbole sind noch keine Begleitung, sie deuten nur eine an. Du brauchst eigentlich den Klavierpart mit seinen Voicings, seiner rhythmischen Figur und der Art, wie sich die linke Hand unter der Stimme bewegt. Dieser Part steckt in der Aufnahme, und mit einer Transkription holst du ihn heraus.
Begleitung, Klavierauszug und Leadsheet
Drei Dinge klingen ähnlich, lösen aber verschiedene Probleme. Deshalb lohnt es sich, genau zu wissen, was du da eigentlich baust. Eine Begleitung ist der Klavierpart, der den Gesang trägt: Akkorde, Bass und Begleitfiguren. Die Gesangsstimme steht darin meistens als Stichnoten und wird nicht mitgespielt. Ein Klavierauszug bringt eine größere Besetzung wie ein Orchester auf ein einziges Klavier und enthält in der Regel die Melodie. Ein Leadsheet besteht nur aus Melodie und Akkordsymbolen und überlässt den eigentlichen Klavierpart dir.
Zum Begleiten brauchst du die Begleitung. Mit einem Leadsheet musst du dir den Part spontan ausdenken. Das geht gut, wenn du sicher nach Akkorden begleitest, und schief, wenn der Song eine bestimmte, wiedererkennbare Klavierfigur hat, die beim Singen erwartet wird. Transkribierst du die Begleitung, hast du genau diese Figur in den Noten.
Schritt 1: Die Aufnahme so hochladen, wie sie ist
Einen Schritt kannst du dir sparen, denn du musst den Song vorher nicht durch einen Stem-Splitter schicken. Die Transkriptionsmodelle von Songscription sind robust genug, um den Klavierpart direkt aus einer kompletten Aufnahme mit Gesang, Bass, Schlagzeug und Gitarren herauszuholen. Du lädst den Song also genau so hoch, wie er ist, und bekommst die Klavierbegleitung zurück.
Mehr gehört zu Schritt 1 nicht. Nimm die Aufnahme, die du hast, ob Studioaufnahme, Livemitschnitt oder Handyaufnahme, und lad sie hoch. Die Stem-Trennung ist eine optionale Verfeinerung, falls du den Klavier-Stem gezielt für etwas anderes brauchst. Für eine saubere Transkription der Begleitung ist sie nicht nötig, und bei den meisten Songs macht sie im Ergebnis keinen nennenswerten Unterschied.
Schritt 2: Den Klavierpart transkribieren
Lass die Aufnahme durch ein Tool zur polyphonen Klaviertranskription wie Songscription laufen. Du bekommst Noten auf zwei Notenzeilen, auf beide Hände verteilt, und auf Wunsch Akkordsymbole dazu. Das ist der schnelle Weg von einer Aufnahme zu einer Begleitung, die du bearbeiten kannst. Statt jedes Voicing nach Gehör herauszufinden, hast du einen Entwurf, in dem Harmonik und Begleitfiguren schon stehen. Den musst du dann korrigieren, aber nicht mehr von Grund auf bauen.
Kontrolliere danach vor allem zwei Dinge. Zuerst die Basslinie und ihre Lage, denn die linke Hand gibt dem Gesang das harmonische Fundament. Dann die rhythmische Figur: Die rollenden Arpeggien einer Ballade oder die Achtelakkorde eines Popsongs sind der Groove, auf den sich der Gesang stützt. Kleine Details im Voicing kannst du an deine Hände anpassen, Bass und Groove sollten aber zur Aufnahme passen. Wie du ganz allgemein aus Aufnahmen Klaviernoten machst, steht in unserem Leitfaden dazu.
Schritt 3: Entscheiden, was mit der Gesangsstimme passiert
An dieser Entscheidung hängt, ob du eine Begleitung schreibst oder ein Klaviersolo. Kommen Klavier und Gesang von zwei verschiedenen Personen, setzt man die Gesangslinie üblicherweise in kleinen Stichnoten auf eine eigene Notenzeile über das Klavier. So sieht man beim Begleiten, wo der Gesang gerade ist, ohne die Melodie mitzuspielen. Der Klavierpart bleibt übersichtlich, und du verdoppelst die Stimme nicht. Live würde das den Klang nur verwaschen.
Singst du dagegen selbst und begleitest dich dabei, willst du die Melodie vielleicht sehen und an manchen Stellen sogar mit der rechten Hand spielen. Brauchst du den Gesang nur zur Orientierung, kannst du ihn auch getrennt transkribieren. Unser Leitfaden zeigt, wie du eine Gesangsmelodie in Noten bringst. Überleg dir, wer aus den Noten spielt, und richte den Aufbau danach aus.
Schritt 4: Noten fertig machen, aus denen du spielen kannst
Als Letztes bringst du die Noten in eine Form, mit der du auftreten kannst. Setz Akkordsymbole über die Notenzeile, dann kannst du nach ihnen weiterbegleiten, falls du mal rauskommst. Wenn Intro, Strophe und Refrain markiert sind, findest du dich in der Form schnell zurecht. Prüf außerdem, ob die Tonart zum Gesang passt. Falls nicht, ist jetzt der richtige Moment zum Transponieren. In unserem Leitfaden zum Transponieren eines Songs für deine Stimme steht, wie du die ganze Begleitung in einem Schritt in eine bequeme Tonart verschiebst.
Exportier ein PDF für den Notenständer oder MusicXML, wenn du den Notensatz in einem Notationsprogramm noch verfeinern willst. Aus einer einzigen Aufnahme wird so ein spielbarer Begleitpart. Wenn du auf dieselbe Weise weitere Songs von Audio in Noten umwandelst, kommt schnell ein ganzes Set an Begleitungen zusammen. Das geht deutlich schneller, als Noten Song für Song zu besorgen oder jede Begleitung selbst zu arrangieren.
Häufige Fragen
Wie bekomme ich die Klavierbegleitung aus einer Songaufnahme?
Lade die Aufnahme so hoch, wie sie ist, und lass sie transkribieren. Stems musst du dafür nicht trennen. Songscription ist robust genug, um den Klavierpart auch aus einer kompletten Aufnahme herauszuholen, in der Gesang, Bass, Schlagzeug und Gitarren mitlaufen, und daraus Noten auf zwei Notenzeilen zu machen. Die Stem-Trennung ist ein optionaler Extraschritt, falls du das isolierte Klavier aus einem anderen Grund brauchst. Für eine saubere Begleitung ist sie nicht nötig.
Was ist der Unterschied zwischen einer Begleitung und einem Klavierauszug?
Die Begleitung ist der eigentliche Klavierpart, der den Gesang trägt, also die Akkorde und Begleitfiguren, die am Klavier gespielt werden. Ein Klavierauszug fasst eine größere Besetzung wie Orchester oder Chor so zusammen, dass sie auf einem Klavier spielbar ist, und enthält meistens die Melodie. Wenn du jemanden beim Singen begleiten willst, brauchst du die Begleitung: Harmonik und Rhythmus unter der Stimme, die Gesangslinie oft in kleinen Stichnoten notiert statt mitgespielt.
Gehört die Gesangsmelodie in die Noten der Begleitung?
Das hängt davon ab, wer daraus spielt. In Begleitnoten für die Probe steht die Gesangslinie oft in kleinen Stichnoten über dem Klavier. So kannst du am Klavier dem Gesang folgen, ohne ihn mitzuspielen. Wer selbst singt und sich dabei begleitet, möchte die Melodie vielleicht spielbar haben. Für einen reinen Begleitpart lässt du die Gesangslinie als Stichnoten oder in einer eigenen Notenzeile stehen und das Klavier einfach Klavier sein. Dann verdoppelst du den Gesang nicht aus Versehen.
Kann ich eine Begleitung transkribieren, wenn das Klavier mit anderen Instrumenten gemischt ist?
Ja, und du musst es vorher nicht heraustrennen. Songscription ist darauf ausgelegt, das Klavier direkt aus dem kompletten Mix zu transkribieren. Auch aus einem Song mit Gesang, Bass, Schlagzeug und Gitarren bekommst du so eine saubere Klavierbegleitung, ganz ohne Stem-Trennung. Falls du das isolierte Klavier für etwas anderes brauchst, kannst du die Spuren optional trennen. Eine Voraussetzung ist das aber nicht.
Fazit
Begleiten ist einer der praktischsten Gründe, überhaupt zu transkribieren, und ausgerechnet dafür gibt es erstaunlich wenig passende Noten. Veröffentlichte Begleitungen decken das Standardrepertoire ab und kaum etwas darüber hinaus. Sobald jemand einen bestimmten Popsong, ein Lobpreislied oder eine Musicalnummer in der eigenen Tonart singen will, bist du auf dich gestellt. Wenn du den echten Klavierpart aus der Aufnahme holen kannst, wird aus diesem Problem eine Sache von einer Viertelstunde.
Ziel ist ein Part, den du spielen kannst, während jemand live dazu singt, und keine Kopie jeder Note, die im Studio gespielt wurde. Bass, Harmonik und Groove müssen genau stimmen. Die Gesangsstimme notierst du als Stichnoten, damit du ihr folgen kannst, und du lässt dir Raum, mit der Person, die singt, gemeinsam zu atmen.