AnleitungMusiktranskriptionAndrew Carlins•11 Min. Lesezeit

Wie du aus deinen Aufnahmen mit KI Klaviernoten machst

Mit KI-Transkription kannst du aus deinen eigenen Aufnahmen in einem Durchgang Klaviernoten machen, egal ob es ein Solo-Klavier-Take ist, ein MIDI-Mitschnitt vom Digitalpiano oder ein kompletter Bandsong. Der Ablauf ist bei allen dreien ähnlich, nur achtest du jeweils auf andere Dinge.

Aus eigenen Aufnahmen mit KI Klaviernoten machen: Solo-Klavier-Takes, MIDI vom Digitalpiano, Bandaufnahmen und die Nacharbeit

Dieser Artikel gehört zu unserem Überblick über Tools für Musiktranskription und Noten.

Aus einer eigenen Aufnahme Klaviernoten zu machen, war früher ein richtiges Projekt. Du hast ein Notensatzprogramm geöffnet, die Aufnahme in kurzen Stücken immer wieder laufen lassen, die Noten von Hand eingetippt, den Rhythmus korrigiert und dann alles für die nächsten acht Takte wiederholt. Mit KI-Transkription schrumpft das meiste davon auf ein paar Minuten Audioverarbeitung und eine Runde Nacharbeit. Trotzdem hilft es, die passende Quelle zu wählen und zu wissen, was du im Ergebnis korrigieren musst.

Drei Fälle kommen im Alltag von Musiker:innen am häufigsten vor: eine Solo-Klavieraufnahme, die du mit dem Handy gemacht hast, ein Take vom Digitalpiano, der direkt als MIDI aufgezeichnet wurde, und eine Bandaufnahme von einem deiner eigenen Songs. Bei allen dreien führt ungefähr derselbe Ablauf zu Klaviernoten, nur achtest du unterwegs jeweils auf andere Dinge.

Was als „deine eigene Aufnahme“ zählt

Bevor du dir ein Tool aussuchst, schau dir die Quelle an. „Deine eigene Aufnahme“ kann vieles sein, und je sauberer sie ist, desto weniger Arbeit hast du am Ende. Typische Ausgangspunkte sind:

  • Eine Solo-Klavieraufnahme. Du hast das Stück mit dem Handy, einem USB-Mikro oder am Digitalpiano aufgenommen. Für die Klaviertranskription ist das der einfachste Fall, weil das aufgenommene Instrument schon das Instrument ist, für das die Noten entstehen sollen.
  • Ein Take vom Digitalpiano, direkt als MIDI aufgezeichnet. Sauberer wird keine Audioaufnahme, weil der Schritt von Audio zu MIDI ganz wegfällt. Übrig bleibt nur der Weg von MIDI zu Noten.
  • Eine Bandaufnahme von einem deiner Songs. Vielleicht steckt im Mix schon eine Klavierstimme, vielleicht willst du eine Klavierfassung des ganzen Songs. Das sind zwei verschiedene Aufgaben, und du gehst sie im Ablauf unterschiedlich an.

Jede dieser Quellen kommt auf einem etwas anderen Weg zu Klaviernoten. Gemeinsam ist allen die KI-Transkription in der Mitte. Was davor und danach zu tun ist, hängt vom Ausgangspunkt ab.

Warum Klavier schwieriger ist als die meisten Instrumente

Beim Klavier klingen sehr viele Töne gleichzeitig, die meisten anderen Instrumente spielen nur eine Linie. Ein Modell, das ein einzelnes Gitarrensolo transkribiert, muss immer nur eine Tonhöhe auf einmal herausfinden. Beim Klavier sind es oft fünf oder sechs Töne auf einmal. Das Modell muss dann auch noch entscheiden, welche davon in die rechte und welche in die linke Hand gehören, und mit den Überlappungen klarkommen, wenn eine gehaltene Note in den nächsten Akkord hineinklingt.

Gute Tools für Klaviertranskription bekommen das inzwischen bei den meisten Stücken hin. Weil die Aufgabe so schwierig ist, lohnen sich Modelle, die speziell fürs Klavier gemacht sind. Ein allgemeines Audio-to-MIDI-Tool holt aus einer Klavieraufnahme eine brauchbare Melodie heraus. Für saubere Noten mit zwei Händen und sinnvollem Voicing brauchst du ein Modell, das gezielt mit Klavieraufnahmen trainiert wurde. Die Klaviertranskription von Songscription ist genau für diesen Fall gebaut.

So läuft es ab

1. Die Quelle wählen oder verbessern

Die Qualität der Quelle macht mehr aus als die Wahl des Tools. Ein Klavier, das in einem ruhigen Raum nah mikrofoniert wurde, lässt sich viel besser transkribieren als dieselbe Performance, die ein Handy vom anderen Ende der Wohnung aufgenommen hat. Wenn du einen saubereren Take hast, nimm den. Ist eine Sprachmemo auf dem Handy alles, was du hast, wirf sie trotzdem nicht weg. Aktuelle Modelle kommen mit Handyaufnahmen ganz gut zurecht, du brauchst nur mehr Zeit für die Nacharbeit.

2. Entscheiden, was transkribiert wird

Bei einer Solo-Klavieraufnahme erledigt sich das von selbst. In allen anderen Fällen musst du dich entscheiden. Willst du eine Klavierstimme, die in der Aufnahme schon vorhanden ist, etwa die Keys in einem Bandtrack? Oder willst du ein Klavierarrangement des ganzen Songs, also eine Klavierfassung? Das sind verschiedene Aufgaben. Im ersten Fall trennst du den Klavier-Stem heraus und transkribierst ihn. Im zweiten transkribierst du Melodie und Akkordwechsel und baust daraus ein Klavierarrangement.

3. Die Aufnahme mit einem KI-Tool für Klavier transkribieren

Lade die Datei in ein Tool hoch, das auf Klavier spezialisiert ist. Songscription macht aus Audio in einem Schritt Klaviernoten und exportiert PDF, MusicXML und MIDI. Heraus kommt ein Entwurf, den du lesen, in der Piano Roll bearbeiten und exportieren kannst. Wie die Technik dahinter funktioniert und wie der Schritt von Audio zu MIDI abläuft, erklärt unsere Anleitung zur Umwandlung von Audio in MIDI.

4. Mit der Aufnahme vergleichen

Spiel die Originalaufnahme ab und verfolge dabei die Transkription. So findest du mehr Fehler in kürzerer Zeit, als wenn du die Noten nur für sich liest. Hör auf fehlende Töne, überzählige Töne, Basstöne in der falschen Oktave und Rhythmusfehler, bei denen eine gehaltene Note zu früh abgeschnitten wurde. Gut geht das in einem Piano-Roll-Editor, der synchron zum Originalaudio läuft. Dort kannst du durch die Aufnahme hin- und herspulen und Probleme genau an der Stelle beheben, an der sie auftreten.

5. Exportieren und bei Bedarf im Notensatzprogramm verfeinern

Für die meisten Zwecke reicht das PDF, das du direkt aus dem Tool für Klaviertranskription exportierst, etwa wenn du die Noten an jemanden schickst, der sie spielen soll, sie für dein eigenes Üben ausdruckst oder sie deinen Schüler:innen gibst. Welche Exportoptionen die verschiedenen Tools haben, steht in unserem Artikel zum Export von Klaviernoten als PDF, zusammen mit einer kurzen Checkliste, die du vor dem Export durchgehen kannst. Willst du Ossias oder eigene Fingersätze ergänzen oder am Notensatz feilen, exportierst du MusicXML und öffnest die Datei in MuseScore, Dorico oder einem anderen Notensatzprogramm. Die MusicXML-Datei nimmt die einzelnen Noten, die Rhythmen, die Aufteilung auf die Hände und die meisten Artikulationen mit. Wenn du lieber bei MIDI aufhörst und die Stimme erst weiterbearbeitest, bevor du sie notierst, findest du diesen Weg in unserer Anleitung, wie du deine eigenen Aufnahmen in MIDI umwandelst.

Die Quellen im Einzelnen

Solo-Klavieraufnahmen

Das ist der einfachste Fall, und hier liefert die KI-Transkription die saubersten Ergebnisse. Bekommt ein Klaviermodell eine reine Klavieraufnahme, erkennst du im Ergebnis meist schon beim ersten Durchlauf deine Performance wieder. Bei der Nacharbeit geht es vor allem um Grenzfälle: ein schneller Lauf, in dem das Modell einen Ton verpasst hat, ein ausgehaltener Akkord, in dem es eine Stimme zu früh beendet hat, hin und wieder ein Oktavfehler bei tiefen Basstönen. Rechne bei einem Stück von drei oder vier Minuten mit 10–20 Minuten Bearbeitung.

Bandaufnahmen deiner eigenen Songs

Der komplette Mix ist das schwierigste Ausgangsmaterial. Am meisten hilft hier, die Stems vor der Transkription zu trennen. Schick den Song durch einen Stem-Splitter wie Moises, LALAL.AI oder ein ähnliches Tool und transkribier danach den Klavier-Stem für sich. Hat der Song von Haus aus gar kein Klavier, weil er zum Beispiel von der Gitarre lebt, baust du besser ein Klavierarrangement, statt ein Klavier transkribieren zu wollen, das es nicht gibt. Dann zählen Melodie und Akkorde mehr als das ursprüngliche Arrangement. Transkribier zuerst diese beiden und arrangier die Klavierfassung danach von Hand oder mit dem Klavierarrangement-Generator von Songscription. Er macht aus einer Melodie und einer Akkordfolge ein spielbares Klavierarrangement in dem Schwierigkeitsgrad, den du auswählst. Auch dieses Ergebnis ist ein Entwurf zum Weiterbearbeiten und noch kein fertiges Stück. Braucht ein Gitarrensong eine Klavierfassung, bist du damit aber meist schneller, als wenn du das Arrangement von Grund auf selbst baust.

Takes vom Digitalpiano als MIDI

Ein Take, den du direkt vom Digitalpiano als MIDI aufnimmst, überspringt den kniffligsten Teil des Ablaufs. Tonhöhen und Timing stimmen schon genau, übrig bleibt nur der Schritt von MIDI zu Noten. Bei der Nacharbeit geht es deshalb um Entscheidungen beim Notensatz, also um die Aufteilung auf die Hände, das Voicing und die rhythmische Schreibweise, statt um das Beheben von Transkriptionsfehlern. Wenn du MIDI zusätzlich zum Audio oder statt Audio aufnehmen kannst, mach das. Welche Entscheidungen beim Notieren in dieser Phase anstehen, zeigt unser Einstieg ins Klavierarrangieren.

Wenn das KI-Ergebnis nicht reicht

Auch sehr gute aktuelle Modelle für Klaviertranskription übersehen manches. Die Fehler häufen sich an ein paar vorhersehbaren Stellen:

  • Tiefe Basstöne. Töne unterhalb der Notenzeile sind für jedes Modell schwerer zu erkennen. Prüf die tiefste Oktave deshalb nach Gehör.
  • Passagen mit viel Pedal. Wenn das Haltepedal die Töne ineinanderlaufen lässt, übersieht das Modell entweder neue Anschläge oder hält Töne zu lange. Meist reichen ein paar gezielte Korrekturen in der Piano Roll.
  • Leise Mittelstimmen. Eine gehaltene Linie in der Mitte, die leiser ist als Melodie und Bass, kann untergehen. Wenn du weißt, dass sie da ist, trag sie von Hand nach.

Keiner dieser Fehler macht die Transkription unbrauchbar. Es sind einfach die Stellen, an denen du beim Bearbeiten die meiste Zeit verbringst. Wenn du die Aufnahme kennst, hast du solche Fehler in wenigen Minuten behoben. Das Stück auf einem leeren Blatt zu notieren, dauert viel länger.

Zum Schluss

Für deine eigenen Aufnahmen hat die KI-Transkription vor allem verschoben, welcher Teil der Arbeit langsam ist. Vor fünf Jahren war es das Übertragen der Noten aufs Papier. Heute ist es die redaktionelle Arbeit danach: was du behältst, was du vereinfachst, wie du einen Akkord anders setzt, damit er klarer lesbar ist, und wo Fingersätze hinkommen. Diese Entscheidungen triffst du, und bei diesem Teil der Notation zählt das Urteil von Musiker:innen mehr als das eines Modells.

Praktisch heißt das: Lass dich nicht davon abhalten, deine Musik aufzuschreiben, nur weil du keine Lust hast, all die Noten von Hand einzutippen. Eine kratzige Handyaufnahme aus dem Tourbus und ein sauberer Studio-Take liefern heute beide einen brauchbaren ersten Entwurf. Wenn du es mit einer eigenen Aufnahme ausprobieren willst, kannst du deinen Song in Klaviernoten umwandeln. In etwa einer Minute bekommst du Klaviernoten und eine mitlaufende Piano Roll. Was du auf diesen Entwürfen aufbaust, macht die Noten zu deinen eigenen.

Häufige Fragen

Wie mache ich aus einer Aufnahme Klaviernoten?

Nimm die sauberste Aufnahme, die du hast, lass sie von einem KI-Tool für Klaviertranskription transkribieren, vergleich den Entwurf mit der Aufnahme und exportier ihn als PDF, MusicXML oder MIDI. Eine Solo-Klavieraufnahme lässt sich am saubersten transkribieren. Bei einem Bandtrack hilft es meist, vorher die Stems zu trennen. Was dabei herauskommt, ist ein erster Entwurf, den du in der Piano Roll überarbeitest, und noch keine fertigen Noten.

Warum ist Klavier schwerer zu transkribieren als andere Instrumente?

Beim Klavier klingen sehr viele Töne gleichzeitig. Ein Modell muss oft fünf oder sechs Töne auf einmal erkennen, entscheiden, welche davon in welche Hand gehören, und mit gehaltenen Noten klarkommen, die noch in den nächsten Akkord hineinklingen. Ein Instrument, das nur eine Linie spielt, hat immer nur eine Tonhöhe auf einmal. Deshalb liefert ein Modell, das speziell für Klavier gemacht ist, sauberere Noten für zwei Hände als ein allgemeines Audio-to-MIDI-Tool.

Wie lange dauert die Nacharbeit an einer Transkription?

Bei einer Solo-Klavieraufnahme kannst du für ein Stück von drei oder vier Minuten mit ungefähr 10–20 Minuten Bearbeitung rechnen. Die Fehler häufen sich an vorhersehbaren Stellen: tiefe Basstöne, Passagen mit viel Pedal und leise Mittelstimmen. Wenn du die Aufnahme kennst, behebst du sie in der Piano Roll deutlich schneller, als wenn du die Noten auf einem leeren Blatt neu schreibst.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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