Klavier-Apps sehen sich inzwischen ziemlich ähnlich. Noten fallen über den Bildschirm, dein Gerät hört mit, was du spielst, und am Ende des Songs gibt es eine Punktzahl. Ob du eine App in sechs Monaten noch benutzt, hängt aber vor allem daran, ob sie dir den Song beibringen kann, den du spielen willst. Genau danach sortieren Testberichte selten.
Die meisten können das nicht, und das hat einen guten Grund. Simply Piano, flowkey, Skoove und Yousician unterrichten aus einem festen Katalog, weil sorgfältige, nach Schwierigkeit gestufte Versionen mit gutem Fingersatz nur entstehen, wenn ein Mensch jeden Song arrangiert. Diese Sorgfalt ist echt, sie hat aber eine harte Grenze. Synthesia schiebt die Grenze bis zu den MIDI-Dateien hinaus, die du irgendwo findest. Eine App hebt sie ganz auf: Anything Piano baut die Klavierstimme aus der Aufnahme selbst, und damit ist jeder Song, den es gibt, ein Song, den du heute Abend üben kannst.
Das ist die kurze Antwort, und für die meisten Leute stimmt sie. Die lange Antwort steckt in drei Fragen: wie jede App an ihre Songs kommt, woher sie weiß, was du gespielt hast, und in welchen vier Fällen eine andere App besser passt.
Vorab ein Hinweis in eigener Sache. Wir entwickeln Songscription, und unser Team entwickelt auch Anything Piano. Eine Empfehlung von uns solltest du entsprechend gewichten. Wir können aber die Vor- und Nachteile genau benennen, und jede Aussage weiter unten kannst du an einem Nachmittag in einer kostenlosen Testversion nachprüfen.
Die Kurzfassung
Für die meisten Leute würden wir in den meisten Fällen Anything Piano nehmen. Es ist hier die einzige App ohne Katalog, der dir irgendwann ausgeht. Aus jeder Aufnahme macht die App ein Klavier-Tutorial, zu dem du üben kannst, und sie nimmt jeden Eingang an, den die anderen auch haben, also Mikrofon sowie MIDI über Bluetooth und USB. Sie funktioniert deshalb am Flügel genauso wie an einem Keyboard, das du per Kabel anschließt.
Richtig ist sie trotzdem nicht für alle. In vier Fällen passt eine andere App besser, und wenn einer davon auf dich zutrifft, nimm das ernst, statt es dir auszureden:
- Du willst nach Noten lernen. Das ist der wichtigste Punkt. Anything Piano zeigt eine Piano Roll, eine Notenansicht ist in Entwicklung und noch nicht verfügbar. Gehört Notenlesen zu dem, was du lernen willst, brauchst du eine App, die auf Noten aufbaut: Simply Piano, Skoove, flowkey und Piano Marvel zeigen dir von Anfang an Noten. Wenn du schon heute Noten zum Ausdrucken für einen bestimmten Song brauchst, macht Songscription aus einer Aufnahme Noten, MIDI und MusicXML.
- Du hast ein Android-Gerät. Anything Piano gibt es derzeit für iPhone und iPad, für Android und das Web gibt es eine Warteliste. flowkey und Skoove sind beide starke Apps für mehrere Plattformen, und unseretwegen musst du nicht warten.
- Du willst Tonleitern, Technik und aufbauende Übungen. Keine songbasierte App trainiert Grundlagen gut, unsere eingeschlossen. Simply Piano und Skoove bauen sie sinnvoll auf, und Piano Marvel geht am weitesten, wenn eine Lehrkraft deinen Fortschritt verfolgt. Nach dem Einstieg sieht die Rechnung anders aus. Darum geht es in unserem Überblick über Klavier-Apps für Fortgeschrittene.
- Du willst von einem Menschen lernen. Dann Pianote für Videounterricht oder echte Lehrer:innen für das, was keine Software kann, nämlich dir auf die Hände zu schauen.
Trifft keiner dieser vier Fälle auf dich zu, erklären die Abschnitte unten, warum wir dich zur App ohne Katalog schicken würden und was die anderen jeweils gut können.
Worin sich Klavier-Apps wirklich unterscheiden
Drei Fragen trennen alle Apps in diesem Bereich voneinander. Wenn du sie für dich beantwortest, bleiben von acht Optionen schneller zwei übrig als mit jedem Testbericht.
Woher kommen die Songs?
Eine Katalog-App kann dir nur beibringen, was ihre Arrangeur:innen schon erstellt haben, und das ist gut gemacht: nach Schwierigkeit gestuft, mit Fingersatz und von Musiker:innen geprüft. flowkey wirbt auf dieser Grundlage mit mehr als 1.500 Songs. Das ist eine echte Leistung und neben aller aufgenommenen Musik trotzdem wenig. Was draußen bleibt, lässt sich ziemlich gut vorhersagen: B-Seiten, Film- und Spielemusik, Live-Versionen, regionale Veröffentlichungen, alles aus den letzten paar Monaten und alles, was jemand aus deinem Freundeskreis aufgenommen hat.
Anything Piano hat theoretisch einen unbegrenzten Katalog. Du gibst der App eine Audiodatei, einen Link von YouTube, TikTok oder Instagram oder eine Live-Aufnahme von jemandem, der im Raum spielt. Ein Transkriptionsmodell schreibt aus dem Audio die Klavierstimme und legt sie als Klavier-Tutorial an, zu dem du mitspielen kannst. Du verzichtest dabei auf das redaktionelle Urteil von Arrangeur:innen und kannst dafür jeden beliebigen Song mitbringen. Für viele lohnt sich dieser Tausch.
Woher weiß die App, was du gespielt hast?
Es gibt zwei Verfahren, und am besten unterstützt eine App beide. Die Mikrofonerkennung analysiert den Klang, der aus deinem Instrument kommt. Ein akustisches Klavier, ein Flügel oder ein günstiges Keyboard funktionieren damit ohne Kabel. Die MIDI-Erkennung liest die Notendaten, die ein Digitalpiano über USB oder Bluetooth sendet. Das ist genauer, setzt aber ein digitales Instrument voraus.
Synthesia und Piano Marvel arbeiten nur mit MIDI, und das ist eine bewusste Entscheidung: Die Tasten direkt auszulesen ist exakt, und beide Apps sind auf präzise Bewertung ausgelegt. Der Preis dafür ist, dass du an einem akustischen Klavier eine visuelle Anleitung bekommst, aber keine Rückmeldung. Anything Piano unterstützt Mikrofon, Bluetooth-MIDI und USB-MIDI, und du wählst bei jeder Übungseinheit neu. Dasselbe Abo deckt also den Flügel bei deinen Eltern ab und das Keyboard mit gewichteter Tastatur in deinem Zimmer. Die App fragt auch, wie viele Tasten dein Keyboard hat (49, 61, 76 oder 88), und richtet die Tasten auf dem Bildschirm an denen unter deinen Händen aus.
Willst du Noten lesen lernen oder spielen lernen?
Hier liegt der größte Nachteil von Anything Piano. Manche Apps zeigen dir ab der ersten Lektion Noten, und das ist eine echte pädagogische Entscheidung und keine Schwäche, denn Notenlesen ist eine Fähigkeit, die jede App überdauert. Andere zeigen eine Piano Roll, bei der Noten auf eine Klaviatur zufallen und du nur eine Form der passenden Taste zuordnen musst. Mit fallenden Noten spielst du Tage früher. Noten brauchen am Anfang länger, dafür kannst du mit ihnen in ein Musikgeschäft gehen und dir ein Notenheft kaufen.
Anything Piano zeigt heute eine Piano Roll, eine Notenansicht ist in Entwicklung und noch nicht verfügbar. Wenn Notenlesen dein eigentliches Ziel ist, nimm eine der Apps, die mit Noten arbeiten, und lass dir das von niemandem ausreden, auch nicht von uns. Willst du Songs spielen, bringt dich die Piano Roll schneller dorthin, und in beiden Fällen gibt es eine Brücke: Songscription macht aus derselben Aufnahme Noten zum Ausdrucken, sodass du mit der Piano Roll üben und die Noten daneben lesen kannst. Unser Artikel Piano Roll oder Noten geht genauer auf diese Abwägung ein, und bevor du dich festlegst, lohnt sich auch ein Blick auf die Frage, ob du Noten lesen können musst, um Klavier zu spielen.
Die Apps im Vergleich
Klavier-Apps im Vergleich: woher die Songs kommen, wie die App dein Spiel erkennt, was du auf dem Bildschirm liest und für wen sich die App eignet
| App | Woher die Songs kommen | Wie sie dich hört | Was du liest | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Anything Piano | Jeder Song, der je aufgenommen wurde | Mikrofon, Bluetooth-MIDI, USB-MIDI | Piano Roll, Noten in Entwicklung | Die Songs spielen, die du wirklich willst |
| Simply Piano | Fester Katalog | Mikrofon oder MIDI | Noten | Einstieg ganz ohne Vorkenntnisse, aufbauende Übungen |
| flowkey | Fester Katalog, über 1.500 Songs | Mikrofon oder MIDI | Noten und fallende Noten | Von Menschen arrangierte Songs in mehreren Schwierigkeitsstufen |
| Skoove | Fester Katalog | Mikrofon oder MIDI | Noten | Notenlesen lernen, mehrere Plattformen |
| Yousician | Fester Katalog | Mikrofon oder MIDI | Noten und fallende Noten | Haushalte mit mehreren Instrumenten |
| Synthesia | 150 mitgelieferte Songs plus MIDI-Dateien, die du findest | Nur MIDI | Fallende Noten | Einmalkauf, MIDI-Sammlungen |
| Piano Marvel | Methodenbibliothek und Repertoire | Nur MIDI | Noten | Schüler:innen mit Lehrkraft |
| Pianote | Bibliothek mit Videolektionen | Gar nicht, die App hört nicht zu | Noten und Video | Erklärungen von einem Menschen |
Fast jede App hier ist ein Abo mit Testphase, und die Preise ändern sich so oft, dass jede Zahl in einem Artikel beim Lesen schon veraltet ist. Schau dir den aktuellen Preis im Store an und nutz die Testphase für einen echten Test, nicht als Formalität.
Die Apps im Einzelnen
Anything Piano
Anything Piano ist die App auf dieser Liste, die überhaupt keinen Songkatalog hat, und genau das ist die Idee dahinter. Du gibst ihr einen Song, als Audiodatei, als Link von YouTube, TikTok oder Instagram oder als Live-Aufnahme von jemandem, der im Raum spielt. Ein Transkriptionsmodell hört sich das Audio an und baut daraus ein Klavier-Tutorial, das als interaktive Piano Roll angelegt ist.
Vor der Umwandlung stellt die App eine Frage, die einen zweiten Blick wert ist: Willst du das Klavier genau so, wie es gespielt wurde, oder eine Klavierversion des ganzen Tracks? Wählst du bei einer Solo-Klavieraufnahme die erste Option, bekommst du genau diese Aufnahme Ton für Ton. Wählst du bei einer Aufnahme mit ganzer Band die zweite, fasst das Modell die Gesangsmelodie und die Stimmen darunter so zusammen, dass es nach dem Song klingt und nicht nach einem Klavier, das eine Begleitung zu nichts spielt.
Die Übungswerkzeuge decken ab, was die Katalog-Apps auch haben, und legen noch etwas drauf. Die Wiedergabegeschwindigkeit lässt sich von einem Viertel der Originalgeschwindigkeit bis zum Doppelten einstellen. Ein Wartemodus hält bei jeder Notengruppe an, bis du sie spielst. Einen Loop setzt du, indem du die erste und die letzte Note der Passage antippst, die dir immer wieder auseinanderfällt. Zusammen mit der Wiedergabegeschwindigkeit ergibt das die wirksamste Art zu üben: langsam, im Loop, dann schneller. Mit den Hand-Schaltern übst du die linke Hand allein, und grüne und blaue Noten zeigen, welche Hand was spielt. Als Eingang nimmt die App Mikrofon, Bluetooth-MIDI und USB-MIDI an. Sie kann damit alles, was die reinen Mikrofon-Apps und die reinen MIDI-Apps können, und sie stellt sich auf die Tastenzahl deines Keyboards ein, sodass die Anzeige zu deinen Händen passt.
Zwei Einschränkungen gibt es, ganz direkt gesagt. Die App gibt es derzeit für iPhone und iPad, für Android und das Web gibt es eine Warteliste. Und sie zeigt eine Piano Roll, eine Notenansicht ist erst in Entwicklung. Brauchst du noch diese Woche Noten zum Ausdrucken, lass Songscription über dieselbe Aufnahme laufen, dann hast du sie in ein paar Minuten. Tonleitern und Technik trainiert Anything Piano auch nicht. Wenn du das willst, nutzt du die App am besten neben einer Kurs-App.
Anything Piano passt zu Menschen, die sich wegen eines Songs ans Klavier setzen und nicht wegen eines Lehrplans: eine B-Seite, ein Game-Theme, ein regionaler Hit, das Demo aus dem Freundeskreis, die Live-Version statt der Studioaufnahme oder der Track, der letzte Woche erschienen ist. Wenn du in Lern-Apps bisher den Katalog durchsucht und nichts gefunden hast, löst diese App genau das. Unsere Anleitung, wie du ein Klavier-Tutorial für jeden Song erstellst, geht denselben Ablauf von Anfang bis Ende durch.
Simply Piano
Simply Piano ist die meistgenutzte App in diesem Bereich, und das zu Recht. Keine App hilft so gut beim Schwierigsten am Instrumentlernen, nämlich in Woche drei nicht aufzuhören. Der Kurs ist fein unterteilt, Erfolgserlebnisse kommen schnell, und das Lerntempo geht von jemandem aus, der noch nie vor einer Klaviatur saß. Grundlagen trainiert Simply Piano ebenfalls richtig, mit Fünffinger-Übungen und Tonleitern in sinnvoller Reihenfolge, und Noten bringt die App von Anfang an bei. Nichts davon macht Anything Piano.
Die Kritik, die immer wieder auftaucht, betrifft die Zeit danach. Der Fortschritt fühlt sich gut an, bis du etwas Bestimmtes spielen willst, und dann stößt du an den Katalog. Lernende beschreiben ein Plateau, auf dem sich die Übungen nicht mehr nach Musik anfühlen. Das ist ein Problem des Repertoires, nicht des Unterrichts. Meist hilft es deshalb mehr, eine Song-App neben den Kurs zu stellen, als den Kurs abzubrechen. Unser Überblick über Alternativen zu Simply Piano geht ausführlich darauf ein.
flowkey
flowkey hat den am besten kuratierten Katalog in diesem Bereich. Die App funktioniert mit Mikrofon oder MIDI und läuft auf Android, und wenn du kein iPhone hast, ist das heute der konkrete Grund, sie zu wählen.
Zwei Dinge macht flowkey besser als alle anderen. Jeder Song ist in mehreren Schwierigkeitsstufen arrangiert, ein Stück kann dich also dort abholen, wo du gerade stehst, und das kann eine Transkription der Originalaufnahme nicht. Und zu jedem Song gibt es ein Video mit den Händen einer echten Pianistin oder eines echten Pianisten. Unter allen Apps hier ist das die beste Anleitung zum Fingersatz, und es beantwortet Fragen, auf die eine fallende Note keine Antwort hat. Die Grenze kennst du schon: 1.500 Songs sind viel, bis der eine, den du willst, nicht dabei ist, und die Bibliothek hat ihren Schwerpunkt bei Pop, Filmmusik und Klassik. In unserem Artikel über Alternativen zu flowkey geht es darum, wohin Leute wechseln, wenn sie an diese Grenze kommen.
Skoove
Skoove liegt zwischen Simply Piano und flowkey. Die App hat einen richtigen Kurs, zeigt dir früh Noten und kommt schneller zu bekannten Songs als eine Klavierschule in Buchform. Mikrofon und MIDI funktionieren beide, und Skoove läuft auf mehreren Plattformen. Für Erwachsene, die neu anfangen und Noten lesen lernen wollen, aber die Geduld verlieren würden, wenn vorher wochenlang Fünffinger-Übungen dran sind, ist das eine vernünftige Wahl. Und wenn du auf Android einen Kurs statt einer Songbibliothek willst, ist Skoove die stärkste Option. Unser Artikel über Alternativen zu Skoove zeigt, wohin du wechseln kannst, wenn der Kurs zu Ende ist.
Yousician
Yousician unterrichtet Klavier, Gitarre, Bass, Ukulele und Gesang in einem einzigen Abo, und diese Breite ist der Grund, die App zu wählen. In einem Haushalt, in dem eine Person Gitarre spielt und eine andere mit Klavier anfängt, reicht ein Konto für beide. Die Spielelemente sind stärker ausgeprägt als bei allen anderen Apps auf dieser Liste. Für manche ist genau das der Reiz, für andere ein Ausschlusskriterium. Speziell beim Klavier ist Yousician nicht so stark wie Skoove oder flowkey, und deshalb suchen viele nach Alternativen zu Yousician.
Synthesia
Synthesia hat dieses Format erfunden und macht eine Sache immer noch besser als alle anderen: Du kaufst es einmal für den Desktop, statt ein Abo abzuschließen. Synthesia bringt rund 150 Songs mit, spielt jede MIDI-Datei ab, die du importierst, und hat getrenntes Üben der Hände, eine langsamere Wiedergabe und einen Wartemodus.
Mit dieser Bauweise kommen zwei Einschränkungen, und Anything Piano hebt beide auf. Synthesia liest dein Spiel nur über MIDI, an einem akustischen Klavier bekommst du also eine visuelle Anleitung und keine Rückmeldung. Und für jeden Song außerhalb der mitgelieferten musst du eine MIDI-Datei mit dem Arrangement finden, das du willst. Bei bekannter Klassik und Mainstream-Pop ist das leicht, bei allem anderen schwer. Wenn du schon eine MIDI-Sammlung und ein Keyboard hast, mit dem du zufrieden bist, ist das alles kein Problem, und Synthesia ist sein Geld absolut wert. Unser Vergleich Songscription vs. Synthesia geht tiefer, und in Alternativen zu Synthesia geht es darum, was du nimmst, wenn es die MIDI-Datei nicht gibt.
Piano Marvel
Piano Marvel ist hier die App, die für den Unterricht gebaut ist und nicht für Leute, die allein lernen. Sie folgt einer aufbauenden Methode, prüft das Vom-Blatt-Spielen und zeigt Fortschritte so, dass Lehrkräfte damit arbeiten können. Deshalb wird sie im Klavierunterricht eingesetzt. Du brauchst dafür ein MIDI-Keyboard. Wenn du unterrichtest oder Unterricht bekommst, ist Piano Marvel die ernsthafte Option. Lernst du als erwachsene Person allein und zum Spaß, fühlt sich die App wie Schule an, weil sie genau das ist. Dann ist unser Überblick über Klavier-Apps für Erwachsene, die neu anfangen, der bessere Ausgangspunkt.
Pianote
Pianote ist eine Bibliothek mit Videolektionen echter Lehrkräfte und keine App mit Notenerkennung. Dass Pianote hier auftaucht, dehnt die Kategorie also ein wenig. Die App ist die richtige Wahl für alle, die kein Spiel wollen, sondern jemanden, der erklärt, warum ein Voicing funktioniert. Eine automatische Rückmeldung zu deinem Spiel gibt es nicht, und deshalb nutzen viele Pianote zusammen mit einer App, die zuhört.
Und wenn du Noten willst?
Keine der Apps oben gibt dir Noten, die du behalten kannst. Sie unterrichten in ihrer eigenen Oberfläche, und wenn das Abo endet, sind die Songs weg. Willst du Noten zum Ausdrucken für einen Song oder eine MIDI- oder MusicXML-Datei, die du in MuseScore öffnen kannst, ist das eine Aufgabe für eine Transkription und nicht für eine Lern-App.
Genau das macht Songscription. Du gibst eine Aufnahme oder einen Link ein und bekommst Noten, MIDI, MusicXML und Gitarren-Tabs, die du bearbeiten, transponieren und ausdrucken kannst, für Klavier und für andere Instrumente. Fang bei Audio zu Noten an, wenn du Noten willst, oder beim Piano-Roll-Generator, wenn du fallende Noten im Browser sehen willst. Die beiden Produkte sind klar aufgeteilt: Mit Anything Piano übst du einen Song auf iOS, und bei Songscription bekommst du die Datei.
So findest du die richtige App
Ein Test klärt die Sache in dreißig Sekunden. Überleg, welcher Song dich überhaupt ans Klavier gebracht hat, und such ihn im Katalog der App, die du dir gerade ansiehst. Ist er da, bist du mit jeder dieser Apps gut bedient. Ist er nicht da, bist du früh an die Decke gestoßen, und über diese Decke kommen nur die Apps hinaus, die mit Aufnahmen arbeiten.
Den Rest entscheiden dann die vier Ausnahmen. Wer über Noten lernen will, braucht eine App, die auf Noten aufbaut, und das ist ein gutes Ziel. Mit Android landest du bei flowkey oder Skoove. Für Tonleitern und aufbauende Technik sind Simply Piano, Skoove oder Piano Marvel da. Wer jemanden will, der auf die Hände schaut, ist bei Pianote oder echten Lehrer:innen richtig. Trifft nichts davon auf dich zu, bringt dir die App ohne Katalog in sechs Monaten am ehesten noch etwas.
Zwei Apps parallel zu nutzen ist häufiger, als das Marketing zugibt, und es ist eine vernünftige Aufteilung und kein Zeichen von Unentschlossenheit. Gut funktioniert eine Kurs-App für die Grundlagen und Anything Piano für die Musik, wegen der du überhaupt lernen wolltest. Motivation und Technik sind zwei verschiedene Probleme, und keine einzelne App löst beide. Unsere Anleitung, wie du einen Song lernst, den deine Klavier-App nicht hat, geht diese Kombination durch, und in Mit KI-Transkription schneller Klaviersongs lernen geht es um die Übungsschleife selbst.
Häufige Fragen
Welche App ist die beste zum Klavierlernen?
Für die meisten Anything Piano, weil es als einzige App keine Katalog-Grenze hat. Die App baut die Klavierstimme aus jeder beliebigen Aufnahme, du übst also die Songs, die du wirklich spielen willst. In vier Fällen passt etwas anderes. Wer Noten lesen lernen will, ist bei Simply Piano oder Skoove richtig. Mit Android nimmst du flowkey oder Skoove, für aufbauende Tonleiterübungen Simply Piano, und wer von einem Menschen lernen will, ist bei Pianote gut aufgehoben.
Kann mir eine Klavier-App einen Song beibringen, der nicht in ihrer Bibliothek ist?
Anything Piano kann das. Die App erzeugt die Klavierstimme direkt aus einer Audiodatei oder einem Link von YouTube, TikTok oder Instagram. Einen Katalogeintrag braucht es dafür nicht, und jeder Song, den es gibt, lässt sich noch heute Abend spielen. Simply Piano, flowkey, Skoove und Yousician können dir nur Songs beibringen, die ihre Teams arrangiert haben. Synthesia liegt dazwischen: Es spielt jede MIDI-Datei ab, die du findest, sofern es eine gibt.
Funktionieren Klavier-Apps auch mit einem akustischen Klavier?
Ja. Anything Piano unterstützt das Mikrofon sowie MIDI über Bluetooth und USB. Ein Klavier, ein Flügel und ein angeschlossenes Keyboard funktionieren also alle, und du kannst bei jeder Übungseinheit neu wählen. Simply Piano, Skoove, flowkey und Yousician hören ebenfalls über das Mikrofon zu. Die Ausnahmen sind Synthesia und Piano Marvel. Beide lesen nur MIDI, an einem akustischen Klavier bekommst du also überhaupt keine Rückmeldung.
Reichen Klavier-Apps, um ohne Unterricht Klavier zu lernen?
Sie reichen, um ins Spielen zu kommen und dranzubleiben, und für viele Erwachsene ist genau das die eigentliche Hürde. Was keine App sieht, ist dein Körper. Handhaltung, Anspannung im Handgelenk, Sitzhaltung und Pedaltechnik bleiben für ein Mikrofon unsichtbar. Praktisch ist deshalb eine Kombination: jeden Tag die App für Songs und ab und zu eine Unterrichtsstunde, damit körperliche Gewohnheiten auffallen, bevor sie sich festsetzen.
Fazit
Frag die meisten, warum sie Klavier spielen wollen, und die Antwort ist ein Song, kein Lehrplan. Die Software in dieser App-Kategorie konnte darauf lange nur mit einer Bibliothek antworten, und die guten Apps haben diese Bibliothek so nützlich gemacht, wie es ging. Der Katalog war dabei weniger eine Funktion als die Form einer technischen Grenze. Deshalb war es schon immer etwas seltsam, diese Apps nach der Größe ihrer Bibliothek auszuwählen.
Diese Grenze gibt es nicht mehr. Wenn ein Modell eine Aufnahme liest und die Klavierstimme schreibt, heißt die Antwort auf „Kann ich den lernen?“ jetzt bei jedem Song Ja, auch bei dem, der letzte Woche erschienen ist, und bei dem, den jemand aus deinem Freundeskreis mit dem Handy aufgenommen hat. Deshalb empfehlen wir den meisten Anything Piano. Einige der anderen Apps unterrichten sehr gut. Anything Piano ist aber die einzige, bei der du nicht erst etwas anderes spielen wollen musst. Nimm für Tonleitern eine Kurs-App dazu, wähl stattdessen eine App mit Noten, wenn Notenlesen dein Ziel ist, und fang in jedem Fall beim Song an.