VergleichPiano RollSongscription•10 Min. Lesezeit

Lernst du besser mit der Piano Roll oder mit Noten?

Piano Roll und Noten machen sich eigentlich keine Konkurrenz. Beide zeigen dir dieselben Töne, nur aus verschiedenen Blickwinkeln. Womit du lernst, hängt davon ab, was du vorhast.

Piano Roll und Noten im Vergleich als Werkzeuge zum Lernen und Bearbeiten: was jedes Format zeigt, wofür es sich eignet und wie du beide nutzt

Teil unseres Leitfadens Songs mit der Piano Roll lernen.

Piano Roll und Noten machen sich eigentlich keine Konkurrenz. Beide zeigen dieselbe Musik mit ihren Tonhöhen, Notenwerten und ihrem Timing, nur mit anderen Schwerpunkten. Noten sind dafür gemacht, dass jemand sie liest und gleichzeitig danach spielt. Die Piano Roll ist dafür gemacht, dass jemand die Töne genau so sieht, wie sie sind, und sie bearbeitet. Beides hat seinen Nutzen, und womit du lernen solltest, hängt davon ab, was du erreichen willst.

Jedes Format zeigt manches sehr gut und steht dir an anderer Stelle im Weg, und wer regelmäßig Musik macht, setzt die beiden entsprechend unterschiedlich ein. Die meisten landen am Ende bei beidem, weil die Formate verschiedene Probleme lösen.

Kurz gesagt

  • Noten. Der Standard fürs Spielen. Über Jahrhunderte gewachsene Konventionen sorgen dafür, dass ein Stück beim Spielen lesbar bleibt, wenn man Notenlesen gelernt hat. Am besten geeignet, um Stücke spielen zu lernen, dich mit anderen Musiker:innen zu verständigen und Material zu erstellen, nach dem andere spielen.
  • Piano Roll. Der Standard fürs Bearbeiten. Ein Raster aus Tonhöhe und Zeit, das genau zeigt, welche Töne da sind, ohne rhythmische Deutung dazwischen. Am besten geeignet, um Fehler zu korrigieren, MIDI-Parts zu programmieren und Muster sichtbar zu machen, die du in der üblichen Notenschrift nicht erkennst.
  • Die ehrliche Antwort. Im Alltag nutzen Musiker:innen beides, Noten zum Spielen und die Piano Roll zum Bearbeiten. Die beiden Formate ergänzen sich, austauschbar sind sie nicht.

Noten

Die Notenschrift hatte mehrere hundert Jahre Zeit, sich zu entwickeln, und die meisten ihrer Konventionen haben einen Grund. Notenzeilen, Schlüssel, Taktarten, rhythmische Gruppierungen und Dynamikanweisungen sollen dir auf möglichst wenig Papier möglichst viel Information geben und dabei im Spieltempo lesbar bleiben. Wer ein Nocturne von Chopin vom Blatt spielt, nutzt fast jede optische Hilfe, die die Notenschrift hergibt.

Wo sie stark sind. Beim Spielen sind Noten klar im Vorteil. Sie halten Phrasierung, Stimmführung, den Verlauf der Dynamik, Fingersatz und Artikulation so fest, dass du daraus direkt ableiten kannst, wie du spielst. Für alle, die zusammen spielen, sind sie die gemeinsame Sprache. Wer Horn spielt und wer Klavier spielt, kann mit denselben Noten proben, ohne je im Detail über die Musik reden zu müssen. Außerdem sind Noten das einzige Format, das auch für Ensembles funktioniert. Dort braucht man die Zeichen der Notenschrift wirklich, denn sie zeigen, wann du einsetzt, wann du hältst und wann du ausklingen lässt.

Wo sie schwächer sind. Noten sind schon eine Deutung. Damit ein Rhythmus lesbar wird, muss sich die Notenschrift entscheiden, ob sie ihn zum Beispiel als punktierte Achtel mit folgender Sechzehntel schreibt, als Swing-Achtelpaar oder als übergebundene Triole. Solche Entscheidungen sind nützliche Konventionen, verdecken aber, was in der Aufnahme wirklich passiert ist. Dazu kommt, dass Notenlesen am Anfang viel Übung braucht. Wer als Anfänger:in auf ein Notenblatt schaut, sieht jede Menge Zeichen, die sich nicht auf den ersten Blick den Tasten am Klavier zuordnen lassen, und diese Lücke schreckt Leute ab, die sonst gern spielen würden.

Piano Roll

Eine Piano Roll ist ein Raster. Die Zeit läuft waagerecht, die Tonhöhe senkrecht, und jeder Ton ist ein Rechteck. Die Klaviatur am linken Rand macht die Tonhöhen greifbar, du siehst also, welche Zeile das mittlere C ist. Die Rechtecke zeigen die Tonlängen direkt, ein längerer Ton ist sichtbar breiter. Die meisten DAWs nutzen die Piano Roll als Oberfläche zum Bearbeiten von MIDI, und Tools wie Songscription nutzen sie, um Transkriptionen zu bereinigen.

Wo sie stark ist. Die Piano Roll ist im Vorteil, wenn du genau sehen musst, was passiert, ohne Deutung zwischen Musik und Bild. Einen Fehler in einer Transkription beheben, einen Synth-Part programmieren, zwei Takes vergleichen, ein Muster finden, das sich wiederholt: Das alles erledigst du in der Piano Roll direkt. Von allen Arten, Musik aufzuschreiben, hat sie außerdem den leichtesten Einstieg. Wer noch nie Noten gesehen hat, kann auf eine Piano Roll schauen und innerhalb von Sekunden mitverfolgen, was passiert, weil das Bild eins zu eins der Klaviatur entspricht. Mehr zum Format selbst findest du in unserer Einführung, wie aus Audio eine Piano Roll wird.

Wo sie schwächer ist. Während des Spielens lässt sich eine Piano Roll schwer mitlesen. Wer danach Klavier spielen will, muss Tonhöhe und Rhythmus verfolgen und hat keine der Abkürzungen, die die Notenschrift fürs Auge bereithält. Es gibt keine vertrauten rhythmischen Gruppen, keine Taktstriche, an denen sich die Phrasierung optisch ausrichtet, und keine gemeinsame Sprache mit anderen Instrumenten. Über ein Soloinstrument hinaus lässt sich das Format auch schlecht erweitern. Mit einer Piano Roll ein ganzes Ensemble zu koordinieren ist theoretisch möglich, in der Praxis aber nicht machbar. Und alles, was nicht Tonhöhe und Länge ist, fällt heraus. Dynamik, Artikulationszeichen, Fingersatz, Pedal und die meisten Vortragszeichen werden entweder zu MIDI-Zahlenwerten wie Anschlagstärke und CC-Daten, oder sie verschwinden ganz.

So entscheidest du

Meist läuft die Entscheidung auf vier Fragen hinaus:

  • Willst du die Musik spielen? Noten. Die Notenschrift ist genau dafür gemacht, im Spieltempo gelesen zu werden.
  • Bearbeitest oder produzierst du? Piano Roll. Töne als Blöcke lassen sich leichter verschieben und ändern als Töne als Zeichen.
  • Fängst du gerade erst mit Musik an? Fang mit der Piano Roll an. Der Einstieg ist leichter, und du lernst, wie Tonhöhe und Rhythmus zusammenhängen, bevor du zusätzlich die Zeichen der Notenschrift lernen musst.
  • Spielst du mit anderen zusammen? Noten. Sie sind die gemeinsame Sprache, alles andere sorgt für Reibung.

Beides kombinieren

Die meisten Musiker:innen entscheiden sich im Alltag gar nicht für eins. In einem typischen Ablauf kommen beide Formate in verschiedenen Phasen vor:

  • Ein Arrangement entwerfen. Piano Roll. Ideen sind schnell skizziert und leicht umgestellt.
  • Eine Transkription prüfen. Piano Roll. Falsche Töne fallen leichter auf, wenn die Audiowiedergabe synchron mitläuft.
  • Fürs Spielen fertigmachen. Noten. Phrasierung, Fingersatz und Dynamik ergänzen, dann als PDF exportieren.
  • Anfänger:innen unterrichten. In den ersten Wochen die Piano Roll, dann Noten, sobald sie eine Notenzeile lesen können.
  • Mit anderen teilen. Noten, wenn danach gespielt wird. MusicXML oder MIDI, wenn die andere Person weiter daran arbeitet.

Ein gutes Notationsprogramm wechselt ohne großes Theater zwischen beiden Formaten. Songscription kann eine Audioaufnahme direkt in jedes der beiden verwandeln. Über die Umwandlung von Audio in Noten bekommst du Noten zum Ausdrucken, und der Piano-Roll-Generator macht aus derselben Aufnahme eine Piano Roll, die du bearbeiten kannst. Dahinter liegen dieselben Daten. Eine Änderung in der einen Ansicht landet deshalb auch in der anderen, und du kannst zum Aufräumen in die Piano Roll und für den Export zu den Noten wechseln, ohne den Editor zu verlassen.

Ein Wort zum Einstieg

Wenn du gerade erst mit Klavier anfängst, lohnt es sich, irgendwann Notenlesen zu lernen. Wer ernsthaft spielen will, sollte die Konventionen der Notenschrift nicht überspringen, dafür sind sie zu nützlich. Die Piano Roll ist trotzdem ein völlig vernünftiger Einstieg. Damit spielst du schon richtige Musik, ohne erst die Zeichen der Notenschrift zu lernen, und bekommst ein Gefühl für Tonhöhe und Rhythmus, das dir das Notenlesen leichter macht, wenn du es dann angehst. Die beiden Fähigkeiten bauen aufeinander auf, statt sich Konkurrenz zu machen. Mehr zum Bearbeiten in der Piano Roll findest du in unserer Einführung, wie aus Audio eine Piano Roll wird. Den ganzen Weg von der Aufnahme bis zu Noten zum Ausdrucken beschreibt unser Leitfaden, wie aus deinen Aufnahmen Klaviernoten werden.

Willst du mit der Piano Roll anfangen, ist Anything Piano ganz darauf aufgebaut. Du nimmst einen beliebigen Song und bekommst ihn als fallende Töne auf dein iPhone oder iPad. Während du spielst, hört die App über das Mikrofon zu und zeigt dir, welche Töne du getroffen hast. Eine Notenansicht gibt es dort bewusst nicht. Songscription ist das Richtige, wenn du denselben Song in beiden Formen haben und dir offenhalten willst, irgendwann auch nach Noten zu spielen.

Zum Schluss

Dass „Piano Roll gegen Noten“ als Wettkampf dargestellt wird, kommt meist von einem Tool oder Tutorial, das dich von einem der beiden überzeugen will. Die Formate gehören zu verschiedenen Teilen des Musikmachens. Wer als Komponist:in eine Idee entwirft, macht etwas anderes als jemand, der das Ergebnis vom Blatt spielt, und für die einzelnen Phasen passt nicht dasselbe Format. Wer so tut, als wäre das anders, zwingt die Piano Roll in eine Rolle auf der Bühne, für die sie nie gedacht war, oder gleicht Noten mühsam mit der Aufnahme ab, um eine Transkription zu korrigieren, obwohl ein Piano-Roll-Editor die Fehler in Sekunden gezeigt hätte.

Sinnvoller als die Frage, mit welchem Format du lernen sollst, ist die Frage, wie sicher du in beiden werden willst. Wer flüssig zwischen Piano Roll und Noten wechseln kann, bearbeitet ein Stück in der einen Form, spielt es aus der anderen und überträgt zwischen beiden, ohne groß nachzudenken.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Piano Roll und Noten?

Beide zeigen dieselbe Musik, setzen aber andere Schwerpunkte. Noten sind der Standard fürs Spielen. Ihre Konventionen sorgen dafür, dass ein Stück beim Spielen lesbar bleibt, wenn man Notenlesen gelernt hat. Die Piano Roll ist der Standard fürs Bearbeiten: ein Raster aus Tonhöhe und Zeit, das genau zeigt, welche Töne da sind, ohne dass eine rhythmische Deutung dazwischensteht.

Solltest du als Anfänger:in mit der Piano Roll oder mit Noten beginnen?

Fang mit der Piano Roll an. Der Einstieg ist leichter, weil das Bild eins zu eins der Klaviatur entspricht und du innerhalb von Sekunden mitverfolgen kannst, was passiert. Du spielst damit schon richtige Musik, bevor du die Zeichen der Notenschrift lernst, und bekommst ein Gefühl für Tonhöhe und Rhythmus, das dir das Notenlesen später leichter macht. Die beiden Fähigkeiten bauen aufeinander auf, statt sich Konkurrenz zu machen.

Arbeiten Musiker:innen mit beidem, Piano Roll und Noten?

Ja. Im Alltag nutzen Musiker:innen die Piano Roll meist für Entwürfe und zum Prüfen von Transkriptionen. Mit Noten machen sie ein Stück fürs Spielen fertig. Ein gutes Tool wechselt ohne Umstände zwischen beiden Formaten. Songscription kann aus einer Aufnahme beides machen, und weil dahinter dieselben Daten liegen, ändert eine Bearbeitung in der einen Ansicht auch die andere.

Zur Person

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Songscription

Von Musiker:innen für Musiker:innen gemacht

Songscription macht aus jeder Aufnahme Noten, MIDI und Tabs. Dieser Beitrag kommt von den Musiker:innen und Entwickler:innen, die an den Tools arbeiten, die wir selbst gern gehabt hätten. Die Noten nehmen wir ernst, unsere Wortspiele noch ernster. Sollte eins davon schief klingen, entschuldigen wir uns schon mal im Voraus.

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