Mit einer App kannst du Klavier lernen und dabei weiterkommen, als die meisten erwarten. Apps können gut prüfen, was ein Mikrofon oder ein MIDI-Keyboard erfasst: ob du die richtigen Töne zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge spielst. Wie du diese Töne mit Händen, Handgelenken und Körper erzeugst, sehen sie nicht. Davon hängt ab, wann sich gelegentlicher Unterricht zusätzlich lohnt.
Für die meisten empfehlen wir Anything Piano. Damit lernst du die Songs, die du wirklich spielen möchtest, und bist nicht auf die Auswahl eines Katalogs angewiesen. Aus jeder beliebigen Aufnahme erstellt die App einen Klavierpart, den du mitspielst. Dabei bekommst du in Echtzeit Rückmeldung zu jedem Ton. Ein Song, der dir etwas bedeutet, hilft dir durch die ersten Monate. In dieser Zeit hören die meisten wieder auf.
Zur Einordnung: Wir entwickeln Songscription, und unser Team entwickelt auch Anything Piano. Die Grenzen von Apps, die wir hier beschreiben, gelten für Anything Piano genauso wie für andere Apps.
Was kannst du mit einer Klavier-App gut lernen?
Klavier-Apps helfen dir vor allem bei vier Dingen: Töne auf der Klaviatur finden, im Rhythmus spielen, durch tägliche Rückmeldung beim Üben dranbleiben und ein Repertoire an Songs aufbauen. Bei allen vier lässt sich an deinem Spiel prüfen, wie du vorankommst. Genau das kann eine App messen.
Die richtige Taste finden
Mit einer App übst du die Verbindung zwischen dem, was du siehst, und der Taste, die du drücken sollst. Diese Zuordnung übst du häufiger als in einer wöchentlichen Unterrichtsstunde. In einer Piano Roll erkennst du die Tonhöhe an der Position. So findest du die Tasten schnell, ohne erst Notenzeichen lesen zu müssen. Was du dabei gewinnst und was wegfällt, erklären wir im Vergleich von Piano Roll und Noten.
Rhythmus und Timing
Apps hören, ob du zu früh oder zu spät einsetzt. Sie sind damit gute Metronome, die dir auch Rückmeldung geben. Das eigene Timing lässt sich nur schwer beurteilen, deshalb hilft diese Rückmeldung beim Üben sehr.
Motivation
Apps helfen dir, dich überhaupt ans Klavier zu setzen. Direkte Rückmeldung, kurze Übeeinheiten und sichtbare Fortschritte tragen dazu bei. Am meisten hilft aber ein Song, den du gern spielst.
Ein Repertoire aufbauen
Mit Apps lernst du Songs. Genau deshalb fangen die meisten Erwachsenen an. Hier unterscheiden sich die Apps am stärksten. Manche haben eine feste Songbibliothek. Wenn darin keine Songs mehr sind, die dich interessieren, fehlt dir auch ein Grund, die App zu öffnen. Anything Piano arbeitet mit jeder beliebigen Audiodatei und mit Links von YouTube, TikTok oder Instagram. Aus dem Song entsteht eine interaktive Piano Roll mit fallenden Noten.
Warum wir Anything Piano empfehlen
Anything Piano kommt vom Team hinter Songscription. Entwickelt haben es Musiklehrer:innen und KI-Forscher:innen aus diesem Team. Songscription hat bereits über 1.000.000 Musiker:innen geholfen. Bei Anything Piano übst du mit der Musik, die du liebst und wegen der du weiterspielen möchtest.
- Du kannst jeden Song aus jedem Genre als Audiodatei oder Link mitbringen, auch einen, der erst diese Woche erschienen ist. Die Songs gehen dir nicht aus.
- Aus jeder Aufnahme entsteht ein Klavierpart. Bei einer Soloaufnahme am Klavier übernimmt die App die Töne so, wie sie gespielt wurden. Bei einem Rock-, Pop- oder Gesangssong ohne Klavier erstellt sie einen Klavierpart, der wie das Original klingt.
- Du kannst auf jedem Klavier spielen. Die App folgt deinem Spiel über ein MIDI-Keyboard oder hört ein akustisches oder digitales Klavier über das Mikrofon. Dafür brauchst du kein Kabel.
- Während du spielst, siehst du in Echtzeit, welche Töne du getroffen und welche du verpasst hast.
- Du kannst den Fingersatz einblenden. Auf der Piano Roll siehst du dann zu jeder Note, welchen Finger du verwendest: 1 steht für den Daumen, 5 für den kleinen Finger.
- Du kannst jede Hand einzeln oder beide zusammen spielen, die Wiedergabe langsamer machen und einen Abschnitt in einer Schleife üben. Wenn du die Wartefunktion einschaltest, läuft die Piano Roll erst weiter, sobald du den richtigen Ton spielst. Die App teilt einen Song auch in Abschnitte auf, die du nacheinander lernst, und zeigt deinen Fortschritt.
Anything Piano zeigt eine Piano Roll, keine Noten.
Was kann dir eine Klavier-App nicht beibringen?
Was eine App nicht erfassen kann, kann sie dir auch nicht beibringen. Haltung, Handform, Anspannung im Handgelenk, Klangqualität, Pedalgebrauch und Gewohnheiten beim Fingersatz sieht eine Lehrkraft innerhalb von Sekunden. Ein Mikrofon erfasst sie nicht. Solche Gewohnheiten können dazu führen, dass du nicht mehr vorankommst, und manchmal auch Beschwerden verursachen. Je weiter du kommst, desto mehr wirken sie sich aus.
Haltung und Handform
Wie hoch du sitzt, wie weit du von den Tasten entfernt bist, ob dein Handgelenk abknickt oder deine Finger flach liegen, bemerkt eine App nicht. Dir selbst fällt es auch nicht auf, weil es sich normal anfühlt, sobald du dich daran gewöhnt hast.
Klang und Dynamik
Eine App prüft, ob du die richtige Taste gedrückt hast. Sie kann nicht beurteilen, ob die Melodie über der Begleitung zu hören war oder dein Forte hart klang. Klanggestaltung lernst du, wenn dir jemand zuhört und beschreibt, was zu hören ist.
Pedalgebrauch
Das Pedal sauber einzusetzen lernst du durch Hören und mit Anleitung. Dazu gehört, es bei einem Harmoniewechsel zu wechseln und nicht einfach dann, wenn es gerade bequem ist.
Rückmeldung zur Technik
Ungleichmäßige Tonleitern, ein Daumen, der zu laut anschlägt, oder ein vierter Finger, der einknickt: In der Rückmeldung einer App erscheint das höchstens als leicht ungenaues Timing. Fingersätze helfen dabei. Anything Piano zeigt die Fingernummern auf den Noten der Piano Roll, und der Fingersatz-Generator für Klavier von Songscription ergänzt sie in Noten zum Ausdrucken. Ob du die angegebenen Finger tatsächlich benutzt, sieht aber keine App.
Klavier lernen mit App oder Unterricht im Vergleich
Bei den meisten Fähigkeiten hilft entweder eine App oder Unterricht deutlich besser. Die Tabelle zeigt, wo die jeweiligen Stärken liegen. Auch mit der schwächeren Variante kannst du etwas lernen.
Wie gut du einzelne Fähigkeiten mit einer App und im Klavierunterricht lernst
| Fähigkeit | App | Unterricht |
|---|---|---|
| Töne auf der Klaviatur finden | Gut, viele Wiederholungen | Gut, weniger Wiederholungen |
| Rhythmus und Timing | Gut, prüft jeden Ton | Gut |
| Bestimmte Songs lernen | Gut, mit einer App für eigene Songs ist jeder Song möglich | Gut, dauert länger |
| Tägliche Motivation | Gut | Wöchentlich |
| Haltung und Handform | Kann sie nicht sehen | Gut |
| Klang und Dynamik | Kaum | Gut |
| Pedalgebrauch | Kaum oder gar nicht | Gut |
| Ungünstige Technikgewohnheiten ändern | Kaum | Gut |
| Kosten | Niedriger | Höher |
Welche App passt zu dir?
Für die meisten eignet sich eine App, mit der sie Songs aus beliebigen Aufnahmen lernen können. Deshalb empfehlen wir beim Einstieg Anything Piano. Oft fällt die Wahl auf eine Kurs-App, weil das vernünftiger erscheint. Dann bleibt sie ungeöffnet, weil ihre Songs nicht die sind, die du spielen wolltest.
Kurs-Apps wie Simply Piano und Skoove passen, wenn du gezielt Schritt für Schritt Noten lesen lernen möchtest und dir die Songs im Katalog gefallen. Beide vermitteln nur Songs, für die sie bereits ein Arrangement haben. Eigene Aufnahmen kannst du bei keiner der beiden mitbringen. Prüfe bei deiner Wahl auch, ob die App dein Instrument hören kann. Manche Apps wie Synthesia erfassen nur MIDI. Unser Vergleich von Klavier-Apps für Erwachsene, die neu anfangen geht genauer auf diese Auswahl ein. Im Artikel zu kostenlosen Apps zum Klavierlernen findest du die kostenlosen Möglichkeiten.
Musst du Noten lesen können, um mit einer App zu lernen?
Viele lernen mit einer App, ohne je die übliche Notenschrift zu lesen, und spielen trotzdem die Songs, die sie spielen wollten. Notenlesen brauchst du, wenn du beliebige gedruckte Stücke spielen, klassische Musik nach Noten lernen oder eine Prüfung für eine bestimmte Leistungsstufe ablegen möchtest.
Spielen und Notenlesen sind zwei verschiedene Fähigkeiten. Mit einer Piano Roll kommst du schneller zum Spielen. Wenn du auch Noten lesen möchtest, kannst du zusätzlich zu deinen Songs täglich zehn Minuten mit einem Lehrbuch für den Einstieg üben. So lernst du beides, ohne beim Spielen deiner Songs langsamer voranzukommen.
Wann lohnt sich zusätzlicher Unterricht?
Unterricht lohnt sich, wenn du trotz regelmäßigen Übens nicht weiterkommst, wenn etwas wehtut, wenn du klassische Stücke gut spielen möchtest oder dich auf eine Prüfung wie ABRSM oder RCM vorbereitest. Kleine Kinder sollten von Anfang an mit einer Lehrkraft lernen. Unterricht muss nicht jede Woche stattfinden, um dir zu helfen.
- Wenn du seit Wochen übst und an derselben Stelle immer noch rauskommst, liegt es fast immer an der Technik. Eine App kann die Ursache nicht feststellen.
- Beschwerden im Handgelenk, Unterarm oder in der Schulter sind ein Grund, jetzt Unterricht zu suchen und nicht erst später.
- Für Stücke von Chopin und Debussy brauchst du Klanggestaltung und einen guten Pedalgebrauch. Beides vermitteln Apps besonders schlecht.
- Die Prüfungsstufen von ABRSM und RCM umfassen Tonleitern, Blattspiel und Gehörbildung. Darauf bereitet dich eine App nicht in der nötigen Weise vor.
Eine Unterrichtsstunde im Monat ist ein vernünftiger Mittelweg. Bring dein aktuelles Stück mit und bitte die Lehrkraft, auf deine Hände zu achten. Ihre Hinweise nimmst du dann in dein tägliches Üben mit der App mit.
Wie kannst du mit einer App regelmäßig üben?
Eine gute Übeeinheit dauert etwa zwanzig Minuten und findet an den meisten Tagen statt. Spiel dich ein paar Minuten warm. Den größten Teil der Zeit übst du einen kurzen Abschnitt aus einem Song, den du magst, in langsamem Tempo. Zum Schluss spielst du ein paar Minuten etwas, das du schon kannst.
Übe die Hände erst einzeln und dann zusammen. Spiel so langsam, dass du eine Stelle dreimal hintereinander richtig spielen kannst. In Anything Piano wählst du dafür eine Hand aus, verringerst die Wiedergabegeschwindigkeit und wiederholst den schwierigen Takt in einer Schleife. Mehr dazu findest du in unseren Artikeln zum Üben mit getrennten Händen und dazu, wie lange du täglich Klavier üben solltest.
Häufige Fragen
Kannst du wirklich nur mit einer App Klavier lernen?
Ja, du kannst damit die Grundlagen sicher lernen und auch als leicht Fortgeschrittene:r weiterkommen. Apps vermitteln Töne, Rhythmus und richtige Songs gut und helfen dir, beim Üben dranzubleiben. Wir empfehlen Anything Piano, weil du jeden beliebigen Song mitbringen kannst und beim Spielen direkt Rückmeldung bekommst. Deine Hände kann aber keine App sehen. Gelegentlicher Unterricht lohnt sich deshalb, um Haltung und Anspannung zu prüfen.
Welche App eignet sich am besten zum Klavierlernen?
Für die meisten Erwachsenen empfehlen wir Anything Piano. Du bringst einen beliebigen Song als Audiodatei oder als Link von YouTube, TikTok oder Instagram mit. Daraus erstellt die App eine Piano Roll mit fallenden Noten. Die App folgt deinem Spiel über ein MIDI-Keyboard oder hört dein Klavier über das Mikrofon. Apps mit einem festen Katalog können nur die Songs vermitteln, für die sie schon ein Arrangement haben. Wenn darin keine Songs mehr sind, die du spielen möchtest, hörst du beim Einstieg meist wieder auf.
Wie lange dauert es, mit einer App Klavier zu lernen?
Die meisten können nach wenigen Monaten regelmäßigen Übens einfache Stücke mit beiden Händen spielen. Eine erkennbare Version eines Lieblingssongs gelingt oft früher, wenn sie sich nur diesen Song vornehmen. In Anything Piano kannst du die Wiedergabe langsamer machen, den schwierigen Takt in einer Schleife üben und jede Hand einzeln spielen. Zwanzig Minuten an den meisten Tagen bringen mehr als zwei lange Übeeinheiten pro Woche.
Lernst du besser mit einer App oder im Klavierunterricht?
Apps und Unterricht vermitteln unterschiedliche Fähigkeiten. Eine App gibt dir täglich Rückmeldung zu Tönen und Rhythmus, hilft dir mit deinen Lieblingssongs beim Dranbleiben und kostet weniger. Im Unterricht lassen sich Technik, Haltung und Klang besser vermitteln. Ungünstige Gewohnheiten fallen dort auf, bevor sie sich festsetzen. Für die meisten Erwachsenen funktioniert es gut, mit einer App wie Anything Piano anzufangen und etwa einmal im Monat eine Unterrichtsstunde zu buchen.
Mit eigenen Songs anfangen
Wer wissen möchte, ob man mit einer App Klavier lernen kann, meint oft auch: Geht es ohne Unterricht? Ungefähr ein Jahr lang geht das größtenteils. Apps helfen dir beim Einstieg, die nächsten Töne zu finden und im Rhythmus zu bleiben. Mit einem Song, für den sich das Üben lohnt, bleibst du eher dran. Der Song hat dabei den größten Einfluss. Die Leute hören nicht auf, weil ihnen die Lektionen ausgehen. Sie hören auf, weil sie keine Songs mehr finden, die ihnen etwas bedeuten.
Deshalb spricht viel dafür, eigene Songs mitzubringen. In einem festen Katalog fehlt irgendwann das nächste Stück, das du spielen möchtest. Wenn du jede Aufnahme verwenden kannst, passiert das nicht. Gelegentlicher Unterricht, bei dem jemand auf deine Hände schaut, kostet viel weniger als wöchentliche Stunden. Dazwischen übst du täglich mit der Musik, die du liebst. Deinen ersten Song kannst du heute Abend auswählen und in Anything Piano lernen.