RatgeberPiano RollSongscription•7 Min. Lesezeit

Songs auf dem Klavier lernen ohne Noten

Du kannst einen Song auf vier Wegen am Klavier lernen, ohne Noten lesen zu müssen. Mit jedem kommst du in einem anderen Bereich schnell weiter, stößt aber auch an Grenzen. Wer sich das Klavierspielen selbst beibringt, kombiniert meist mehrere davon.

Vier Wege, Songs ohne Noten am Klavier zu lernen, im Vergleich: nach Gehör, mit einer Akkordübersicht, mit einer Piano Roll mit herabfallenden Balken und mit einer Videoanleitung

Du kannst einen Song nach Gehör am Klavier nachspielen, mit einer Akkordübersicht oder einem Leadsheet spielen, den herabfallenden Balken einer Piano-Roll-App folgen oder eine Videoanleitung nachspielen. Mit einer Piano Roll gelingt der Einstieg am schnellsten. Akkordübersichten passen gut zu Pop- und Lobpreisliedern, und das Lernen nach Gehör schult eine Fähigkeit, die dir auf Dauer am meisten hilft. Die meisten, die ohne Noten spielen, kombinieren zwei oder drei dieser Wege.

Mit jeder Methode kommst du bei einem bestimmten Song schneller zum Spielen. Dafür fehlt dir jeweils etwas, das dir das Notenlesen geben würde. Welche Methode zu einem Song passt, hängt auch davon ab, welche dieser Grenzen du in Kauf nehmen möchtest. Notenlesen wird durch diese Wege nicht überflüssig.

Ob du überhaupt Noten lesen lernen solltest, behandeln wir im Artikel Brauchst du Noten, um Klavier zu spielen?. Wenn du eigene Musik schreiben möchtest, statt Songs anderer nachzuspielen, findest du mehr unter Apps zum Musikschreiben ohne Notenkenntnisse.

Zur Einordnung: Wir entwickeln Songscription und mit demselben Team auch Anything Piano. Im Abschnitt über Piano Rolls beschreiben wir auch die Grenzen von Anything Piano.

Vier Wege zum Song ohne Noten

Wie schnell du mit einer Methode ins Spielen kommst und wie genau dein Ergebnis wird, unterscheidet sich je nach Methode. Auch ob du Rückmeldung zu deinem Spiel bekommst und welche Fähigkeiten du dabei übst, ist unterschiedlich.

Vier Methoden im Vergleich: Was du brauchst, wofür sie sich eignen und welche Grenze sie jeweils haben

MethodeWas du brauchstGut geeignet fürWichtigste Grenze
Nach GehörDie Aufnahme und GeduldMusikalische Fähigkeiten, die dir dauerhaft helfenKostet Zeit, besonders am Anfang
Akkordübersicht oder LeadsheetEin paar AkkordgriffePop, Lobpreislieder, Gesang begleitenVoicings und Rhythmus legst du selbst fest
Piano Roll mit herabfallenden BalkenEine AppDen Einstieg und bestimmte SongsDu bleibst auf die App angewiesen und lernst keine Noten lesen
VideoanleitungEin Video und eine PausentasteBekannte Songs mit guten AnleitungenKeine Rückmeldung, unterschiedliche Qualität

Einen Song nach Gehör lernen

Beim Lernen nach Gehör suchst du zuerst die Melodie Ton für Ton am Klavier. Danach hörst du den Basston zu jedem Abschnitt heraus und ergänzt die Akkorde dazwischen. Bei schnellen Stellen hilft es, die Aufnahme langsamer abzuspielen. Am Anfang dauert diese Methode am längsten. Mit Übung kommst du damit aber am schnellsten voran, weil dir jeder gelernte Song den nächsten erleichtert.

Die Melodie ist ein guter Anfang, denn die kannst du schon summen. Den ersten Ton findest du durch Ausprobieren. Danach hörst du, ob es nach oben oder unten weitergeht. Wenn die Melodie steht, achte auf den tiefsten Ton in jedem Takt. Meist ist das der Grundton des Akkords. In den meisten Popsongs kommen dieselben wenigen Akkorde immer wieder vor. Nach dem ersten Abschnitt geht der Rest deshalb oft zügig.

Ohne Erfahrung ist das schwierig. In Aufnahmen mit vielen gleichzeitig klingenden Instrumenten lassen sich einzelne Töne schwer heraushören, und kleine Fehler fallen dir vielleicht gar nicht auf. Unser Artikel zum Transkribieren nach Gehör beschreibt den Ablauf genauer.

Mit Akkordübersichten spielen

Die meisten, die Pop, Rock oder Lobpreislieder am Klavier spielen, arbeiten mit Akkordübersichten. Darin stehen die Akkordnamen und der Aufbau des Songs. Du spielst die Akkorde mit der linken Hand oder mit beiden Händen und ergänzt die Melodie nach Gehör oder begleitest jemanden beim Singen. Dafür musst du die gängigen Akkordgriffe kennen. Sie zu lernen dauert eher Wochen als Monate.

Bei einem Leadsheet kommt die Melodie in Notenschrift über den Akkordsymbolen dazu. Dafür liest du zwar Noten, aber nur eine einzelne Notenzeile. Das ist ein deutlich kleinerer Schritt, als vollständig ausgeschriebene Klaviernoten zu lesen. Viele, die sich nie an ein Nocturne von Chopin setzen würden, kommen mit einem Leadsheet gut zurecht.

Eine Akkordübersicht sagt dir allerdings fast nur, welche Akkorde du spielen sollst. Wie du die Töne verteilst, welchen Rhythmus du spielst und welche typischen Tonfolgen die Aufnahme wiedererkennbar machen, bleibt dir überlassen. Deine Version klingt dadurch nach dem Song, aber nicht genauso wie die Aufnahme. Die Akkordsymbole selbst kannst du an einem Nachmittag lernen. Wenn es keine Akkordübersicht gibt, kann die Akkorderkennung die Akkorde aus einer Aufnahme heraushören.

Mit Piano-Roll-Apps lernen

Mit einer Piano Roll kannst du dir einen bestimmten Song schnell in die Finger holen, besonders wenn du gerade erst anfängst. Jeder Ton erscheint als Balken, der auf eine eingeblendete Klaviatur herabfällt. Du musst dafür keine Notenzeichen lernen. Apps, die dir beim Spielen zuhören, geben außerdem Rückmeldung dazu, welche Töne du getroffen oder verpasst hast. Gerade diese Rückmeldung fehlt oft, wenn du allein lernst.

Die Apps unterscheiden sich vor allem darin, woher ihre Songs kommen. Synthesia spielt MIDI-Dateien ab, die du selbst bereitstellst, und braucht ein MIDI-Keyboard. Kurs-Apps wie Simply Piano und flowkey arbeiten überwiegend mit Notenschrift und einem festen Katalog arrangierter Songs.

Anything Piano erstellt aus einem beliebigen Song eine Piano Roll. Du lädst eine Audiodatei hoch oder fügst einen YouTube-Link ein. Aus dieser Aufnahme erstellt Anything Piano eine Piano Roll mit herabfallenden Balken. Das funktioniert auch bei Songs ohne Klavier: Daraus entsteht ein Klavierpart, der wie das Original klingt. Anything Piano hört dir über das Mikrofon zu, sodass du auch an einem akustischen Klavier spielen kannst, oder empfängt dein Spiel über ein MIDI-Keyboard. Du kannst jede Hand einzeln üben und die Wiedergabe langsamer machen. Wenn du die Fingersatzanzeige einschaltest, erscheinen Fingernummern auf der Piano Roll. So siehst du, mit welchem Finger du welchen Ton spielst.

Anything Piano zeigt eine Piano Roll. Noten gibt es dort nicht.

Mit Videoanleitungen üben

Für die meisten bekannten Songs gibt es kostenlose Videoanleitungen, besonders solche mit herabfallenden Balken auf YouTube. Deshalb fangen viele damit an. Die Videos zeigen dir, was du spielen sollst, können dir aber nicht zuhören. Wie genau sie sind, hängt ganz davon ab, wer sie erstellt hat. Sie helfen dir vor allem, die Töne eines Songs zu finden; Unterricht ersetzen sie nur eingeschränkt.

Beim Üben musst du alle paar Sekunden pausieren. Manchmal sind die Hände so gefilmt, dass du den Fingersatz nicht erkennen kannst. Und manche Arrangements weichen vom Original ab, ohne dass du es gleich bemerkst. Wie du mit solchen Videos übst, beschreibt unser Artikel Einen Klaviersong mit einem YouTube-Video lernen.

Was dir ohne Notenlesen fehlt

Du bleibst auf Aufnahmen und Apps angewiesen. Wer Noten lesen kann, kann sich jedes aufgeschriebene Stück erarbeiten, auch Musik, die noch nie zu hören war. Auch im Unterricht, im Chor oder im Ensemble kannst du dann in den Noten mitlesen. Ohne Notenkenntnisse brauchst du für jeden neuen Song eine Aufnahme, eine Akkordübersicht oder das Arrangement einer anderen Person.

Ein Teil der Genauigkeit geht ebenfalls verloren. In den Noten steht genau, welche Töne, Rhythmen und Fingersätze beim Komponieren oder Arrangieren vorgesehen waren. Beim Spielen nach Gehör, mit Akkordübersichten und mit Videoanleitungen deutest du manches selbst. Bei Pop ist dieser Spielraum eine Stärke. In der klassischen Musik ist er eher ein Problem, weil es dort auf die konkreten Töne ankommt.

Dafür bist du oft schneller und übst andere Fähigkeiten. Wer nach Gehör oder mit Akkorden spielt, improvisiert häufig, spielt mit anderen mit und lernt neue Songs schneller als jemand, der sich auf Noten stützt. Beide Wege haben ihre Vorzüge und ihre Grenzen. Wenn du doch etwas auf Papier haben möchtest, macht die Klaviertranskription aus einer Aufnahme Noten. Damit kannst du in deinem eigenen Tempo das Notenlesen üben.

Welche Methode passt zu dir?

Wenn du gerade anfängst und einen bestimmten Song spielen möchtest, passt eine Piano-Roll-App. Akkordübersichten eignen sich zum Begleiten von Gesang und für Pop- und Lobpreislieder. Das Lernen nach Gehör schult die Fähigkeit, die dir auf Dauer am meisten hilft. Videoanleitungen sind eine kostenlose Quelle für die Töne bekannter Songs. Die meisten kombinieren einen schnellen Weg mit einem, der mehr Zeit braucht.

  • Wenn du ganz am Anfang stehst und einen bestimmten Song lernen möchtest, eignet sich eine App mit herabfallenden Balken, die dir beim Spielen zuhört.
  • Um mit Freund:innen oder einer Band mitzuspielen, helfen Akkordübersichten und genug Gehörbildung, um die Tonart herauszufinden.
  • Wenn du improvisieren oder eigene Musik schreiben möchtest, helfen dir das Spielen nach Gehör und deine Akkordkenntnisse direkt dabei.
  • Für klassische Stücke brauchst du Notenkenntnisse. Hier stoßen die anderen Methoden an ihre Grenzen.
  • Wenn du noch unsicher bist, kannst du mit einer Piano Roll für deinen Wunsch-Song anfangen und jedes Mal beim Üben fünf Minuten lang etwas nach Gehör heraushören.

Häufige Fragen

Kann ich Songs am Klavier lernen, ohne Noten lesen zu können?

Ja. Viele, die Pop, Rock, Lobpreislieder oder Jazz am Klavier spielen, lesen selten Noten. Sie lernen nach Gehör, mit Akkordübersichten oder Leadsheets, mit Piano-Roll-Apps oder mit Videoanleitungen. Dabei bist du jeweils auf eine Aufnahme oder eine App angewiesen. Wenn du Noten lesen kannst, kannst du dagegen alles lernen, was jemand aufgeschrieben hat, auch Musik, die du noch nie gehört hast.

Wie lerne ich Songs am einfachsten ohne Noten?

Wenn du ganz am Anfang stehst, ist eine Piano Roll mit herabfallenden Balken meist am einfachsten. Sie zeigt dir genau, welche Taste du wann drücken musst, ohne dass du Notenzeichen entschlüsseln musst. Apps, die dir beim Spielen zuhören, melden außerdem, welche Töne du verpasst hast. Sobald du ein paar Akkordgriffe kennst, sind Akkordübersichten für Pop- und Lobpreislieder die zweitleichteste Methode.

Ist Klavierspielen nach Gehör besser als Spielen nach Noten?

Beide Wege schulen unterschiedliche Fähigkeiten. Nach Gehör zu lernen trainiert dein Hören und hilft dir, mitzuspielen, zu improvisieren und neue Songs schnell herauszuhören. Mit Noten kannst du Musik lernen, die du noch nie gehört hast, und dir klassische Stücke erarbeiten. Wer beides kann, hat die meisten Möglichkeiten. Viele lernen erst das eine und nehmen später das andere dazu.

Zählen Akkordübersichten fürs Klavier als Noten?

Im üblichen Sinn nicht. Eine Akkordübersicht enthält die Akkordnamen und den Aufbau des Songs, aber keine einzelnen Töne. Wie du die Akkordtöne verteilst und welchen Rhythmus du spielst, entscheidest du selbst. Ein Leadsheet liegt dazwischen: Die Melodie steht in Notenschrift, darüber stehen Akkordsymbole. Viele kommen mit Akkordübersichten gut zurecht, auch wenn sie keine vollständig ausgeschriebenen Klaviernoten lesen.

Zum Schluss

Ohne Notenlesen lässt sich am Klavier mehr spielen, als es manchmal scheint. Sehr viele, die beruflich Pop, Rock, Gospel oder Lobpreislieder spielen, arbeiten überwiegend nach Gehör und mit Akkorden. Auch viele, die gerade anfangen, lernen ihre ersten Songs mit einer Piano Roll und vermissen dabei keine Noten. Dabei bleibst du je nach Methode auf Aufnahmen, Akkordübersichten, eine App oder Notenschrift angewiesen.

Du kannst für jeden Song neu entscheiden, wie du ihn lernen möchtest. Für den Song, den du diesen Monat spielen willst, nimmst du den schnellsten Weg und ergänzt ihn durch eine langsamere Methode, die dir dauerhaft hilft, meist Gehörbildung. Wenn du eine Piano Roll nutzen möchtest, kann Anything Piano sie aus deiner Aufnahme erstellen. Entscheidest du dich später fürs Notenlesen, sind die Songs, die du schon kennst, der einfachste Einstieg. Du weißt dann schon, wie das klingen soll, was auf dem Blatt steht.

Zur Person

Songscription

Geschrieben von

Songscription

Von Musiker:innen für Musiker:innen gemacht

Songscription macht aus jeder Aufnahme Noten, MIDI und Tabs. Dieser Beitrag kommt von den Musiker:innen und Entwickler:innen, die an den Tools arbeiten, die wir selbst gern gehabt hätten. Die Noten nehmen wir ernst, unsere Wortspiele noch ernster. Sollte eins davon schief klingen, entschuldigen wir uns schon mal im Voraus.

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