RessourcenNotenAndrew Carlins•6 Min. Lesezeit

Enharmonische Verwechslung erklärt

Cis und Des sind auf dem Klavier dieselbe Taste und haben trotzdem zwei Namen. Welcher davon in einem Stück richtig ist, hängt von der Tonart und von der Richtung der Linie ab.

Dieselbe Klaviertaste, einmal als Cis und einmal als Des beschriftet

Enharmonisch verwechselte Töne klingen genau gleich, werden aber unterschiedlich geschrieben. Cis und Des liegen zum Beispiel auf derselben Klaviertaste. Jeder erhöhte oder erniedrigte Ton hat mindestens zwei solche Schreibweisen. Welche davon richtig ist, entscheiden die Tonart, in der du gerade bist, und die Richtung, in die sich die Linie bewegt. Und obwohl sich die Tonhöhe dabei nie ändert, macht die Wahl für alle, die Noten lesen, einen Unterschied.

Ein Klang, zwei Namen

Auf dem Klavier ist die schwarze Taste zwischen C und D zugleich Cis und Des. Das ist das einfachste Beispiel für ein enharmonisches Paar. Im Deutschen hängst du für ein Kreuz „-is“ an den Stammton und für ein Be „-es“. Cis ist also C mit Kreuz und Des ist D mit Be. Als Klang sind die beiden Schreibweisen gleich, sie unterscheiden sich nur im Notenbild.

Enharmonische Paare gibt es auch bei den weißen Tasten. Eis klingt wie F und Ces wie H, weil zwischen E und F und zwischen H und C keine schwarze Taste liegt. Dazu kommen Doppelkreuz und Doppel-Be, die einen Ton um zwei Halbtöne erhöhen oder erniedrigen. Fisis landet deshalb auf demselben Ton wie G. Kreuz und Be sind Versetzungszeichen, die einen Stammton erhöhen oder erniedrigen. Enharmonisch verwechselte Töne entstehen, wenn verschiedene Stammtöne mit verschiedenen Zeichen bei derselben Tonhöhe landen.

Warum es mehrere Schreibweisen gibt

Unsere Notenschrift kennt nur sieben Stammtöne, C, D, E, F, G, A und H, und verändert sie mit Kreuz und Be. In einer sauber notierten Tonleiter kommt jeder Stammton genau einmal vor. Auf der Notenzeile hat jeder Stammton seine eigene Linie oder seinen eigenen Zwischenraum, und eine Tonleiter steigt Stufe für Stufe durch die Stammtöne, ohne einen auszulassen oder zu wiederholen. Damit das so bleibt, wählst du das Versetzungszeichen, mit dem der Ton genau auf dem Stammton landet, den die Tonleiter an dieser Stelle braucht.

Nimm H-Dur. Im Englischen heißt die Tonart übrigens B major, denn dort heißt unser H einfach B, und unser B heißt B-flat. Die Töne von H-Dur sind H, Cis, Dis, E, Fis, Gis und Ais. Der siebte Ton heißt Ais und nicht B, obwohl beide gleich klingen. Als B geschrieben stünde er auf dem Platz des H, und die Tonleiter läse sich Gis, B, H: zweimal der Stammton H und gar kein A. Mit Ais steht dort A und danach H, ein sauberer Stammton pro Stufe. Die enharmonische Wahl hält also das Alphabet der Tonleiter zusammen. Wie eine Tonleiter Stufe für Stufe aufgebaut ist, liest du in unserem Artikel über Tonleitern.

Wie die Tonart entscheidet

Welche Schreibweise richtig ist, legt die Tonart fest. In Kreuztonarten bekommen veränderte Töne ein Kreuz, in B-Tonarten ein Be. Der Ton zwischen C und D heißt in einer Kreuztonart wie D-Dur Cis und in einer B-Tonart wie As-Dur Des. So passt er zu den Kreuzen oder Bes, die schon in der Tonartvorzeichnung stehen. Am Quintenzirkel siehst du das auf einen Blick, mit den Kreuztonarten auf der einen Seite und den B-Tonarten auf der anderen.

Innerhalb einer Passage entscheidet außerdem die Richtung der Linie mit, und dahinter steckt die Logik der Stimmführung. Ein Ton, der zum nächsthöheren Ton hinaufführt, wird meist mit Kreuz geschrieben. Führt er zum nächsttieferen hinab, bekommt er meist ein Be. Kreuze streben eher nach oben und Bes eher nach unten, und so zeigt die Schreibweise beim Lesen, wohin die Linie will.

Warum die Schreibweise zählt, wenn es doch gleich klingt

Wer Noten liest, liest aus der Schreibweise auch eine Bedeutung heraus. Deshalb spielt die enharmonische Wahl eine Rolle, selbst wenn die Tonhöhe gleich bleibt. Die richtige Schreibweise zeigt dir, welche Aufgabe ein Ton in der Tonart hat, ob er etwa als erhöhte Septime nach oben zieht oder als erniedrigte Sexte nach unten drängt. Sie hält das Notenbild außerdem lesbar, weil sie zur Tonartvorzeichnung passt, statt Versetzungszeichen über die ganze Notenzeile zu verstreuen.

Auch beim Spielen hat das Folgen. Streicher:innen und Sänger:innen, deren Tonhöhe nicht durch eine Taste oder einen Bund festgelegt ist, intonieren ein Kreuz und ein Be manchmal leicht unterschiedlich. Und wer sich mit Harmonielehre beschäftigt, braucht die richtige Schreibweise, um Akkorde und Intervalle zu benennen. Am Klavier drückst du in beiden Fällen dieselbe Taste. Richtig geschrieben sein sollten deine Noten trotzdem, denn sie sagen mehr als nur, welche Taste du drücken sollst. Kurze Erklärungen zu den Begriffen rund um das Thema findest du im Glossar zur Notenschrift.

Häufige Fragen

Was bedeutet enharmonische Verwechslung?

Enharmonisch verwechselte Töne klingen genau gleich, werden aber unterschiedlich geschrieben. Cis und Des liegen zum Beispiel auf derselben Klaviertaste. Welcher Name passt, hängt vom musikalischen Zusammenhang ab. Jeder erhöhte oder erniedrigte Ton hat mindestens zwei enharmonische Schreibweisen, und die passende auszuwählen gehört zum Notenschreiben dazu.

Ist Cis dasselbe wie Des?

Ja, Cis und Des sind derselbe Ton. Auf dem Klavier sind beide die schwarze Taste zwischen C und D, und sie klingen genau gleich. Es sind zwei Namen für einen Klang. Welcher Name richtig ist, hängt von der Tonart ab: In einer Kreuztonart heißt der Ton Cis, in einer B-Tonart Des.

Warum hat derselbe Ton zwei Namen?

Unsere Notenschrift kennt nur sieben Stammtöne, C, D, E, F, G, A und H, und verändert sie mit Kreuz und Be. In einer Tonart kommt jeder Stammton genau einmal vor. Richtig ist deshalb die Schreibweise, bei der die Tonleiter Stammton für Stammton aufsteigt. In H-Dur schreibst du Ais und nicht B, damit die Tonleiter A und dann H zeigt und nicht zweimal den Stammton H.

Woher weiß ich, ob ich ein Kreuz oder ein Be schreiben muss?

Das entscheidet die Tonart. In Kreuztonarten bekommen veränderte Töne ein Kreuz, in B-Tonarten ein Be, damit der Ton zur Tonartvorzeichnung passt. Innerhalb einer Passage spielt auch die Richtung der Linie mit: Ein Ton, der zum nächsthöheren hinaufführt, wird meist mit Kreuz geschrieben, und ein Ton, der zum nächsttieferen hinabführt, meist mit Be.

Du kannst die Schreibweise auch Songscription überlassen. Songscription erkennt die Tonart deiner Aufnahme und schreibt die Töne passend dazu. So lassen sich deine Noten sauber lesen. Das Ergebnis kannst du außerdem mit einem Klick in eine andere Tonart transponieren.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

Mehr über das Team

Hier findest du weitere Artikel zu denselben Themen.