AnleitungMusiktranskriptionAndrew Carlins•8 Min. Lesezeit

So machst du aus einer Saxophon-Melodie Noten

Saxophon lässt sich gut transkribieren, wenn die Linie frei liegt und einstimmig ist. Growls, Altissimo und die Transposition des Instruments beeinflussen aber das Ergebnis. Aus einer Sax-Aufnahme werden Noten, und mit der richtigen Transposition passen sie auch zu dem Saxophon, auf dem am Ende gespielt wird.

So machst du aus einer Saxophon-Melodie Noten

Teil unseres Leitfadens zum Transkribieren beliebiger Instrumente.

Eine Saxophonlinie ist eine einzelne Melodie, Ton für Ton, und genau mit dieser Art zu spielen kommt automatische Transkription am besten zurecht. Nimmst du ein sauberes, frei liegendes Sax-Solo auf, bekommst du Töne und Rhythmus schnell und in brauchbarer Form zurück. Zwei Dinge machen das Saxophon trotzdem zu einem eigenen Fall. Das eine sind seine Ausdrucksmittel, also Growls, Scoops und schreiende Altissimo-Töne. Das andere ist die Transposition: Das Saxophon ist ein transponierendes Instrument, und die Töne, die du liest, sind nicht die, die klingen. Wenn du beides im Blick hast, bekommst du am Ende eine Stimme, die die Person am Pult auch wirklich lesen kann.

Warum sich eine Sax-Linie gut transkribieren lässt

Das Saxophon ist monophon. Es gibt also keinen Akkord, den man auseinandernehmen müsste, und sein Ton hat einen kräftigen Grundton, an dem sich die Tonhöhenerkennung gut festhalten kann. Damit gehört es wie Trompete und Flöte zu den dankbaren Instrumenten, ganz anders als dicht polyphone Instrumente. Bei einer sauberen Aufnahme einer Sax-Melodie, etwa eines Themas, eines Solos oder einer Hook, stimmen in der Transkription die Tonhöhen, der Rhythmus ist nah dran, und Tonart und Taktart werden erkannt. Das Saxophon-Modell von Songscription ist auf Tenorsaxophon abgestimmt. Weil es aber die klingenden Tonhöhen liest, bekommst du auch aus einer sauberen Alt- oder Sopranlinie eine brauchbare Melodie in klingender Tonhöhe, mit der du weiterarbeiten kannst. Wie bei jedem Instrument ist die einzelne, frei liegende Linie der einfache Fall. Steckt das Sax in einem kompletten Bandmix, musst du es zuerst isolieren.

So funktioniert die Transposition beim Saxophon

Saxophone sind transponierende Instrumente, notierter und klingender Ton sind also verschieden. Ein Tenorsaxophon klingt eine große None tiefer als notiert, das heißt eine Oktave plus einen Ganzton. Ein Altsaxophon klingt eine große Sexte tiefer. Das Sopransaxophon ist wie das Tenor ein B-Instrument, das Baritonsaxophon wie das Alt ein Es-Instrument, nur eine Oktave tiefer. Kurz gesagt lesen Alt und Bariton in Es, Tenor und Sopran in B.

Eine Transkription hört die Töne, die wirklich klingen, also die klingende Tonhöhe. Das ist das richtige Ergebnis, und genau das brauchst du, wenn die Linie an ein C-Instrument oder in ein Leadsheet geht. Sollen Saxophonist:innen die Stimme bekommen, die sie gewohnt sind, transponierst du die klingende Transkription um das Intervall ihres Instruments nach oben: eine große Sexte fürs Alt, eine große None fürs Tenor.

In einem praktischen Punkt unterscheiden sich die beiden Saxophone, und der bestimmt deinen Arbeitsablauf. Die Transponierfunktion von Songscription verschiebt Noten um bis zu eine Oktave nach oben oder unten. Die große Sexte einer Altstimme schaffst du damit direkt: transkribieren, eine Sexte nach oben transponieren, exportieren. Eine Tenorstimme liegt eine große None höher und damit knapp über dieser Grenze von einer Oktave. Hier empfehlen wir, MusicXML zu exportieren und das Instrument in MuseScore, Sibelius oder Dorico festzulegen. Das Programm baut dann die transponierte Stimme und kümmert sich selbst um die Oktave. Ist Transponieren neu für dich, erklärt unser Überblick über Tools zum Transponieren, wie es geht.

Wo es noch hakt

  • Altissimo-Passagen wirken in der Tonhöhe unstet und können eine Oktave daneben landen.
  • Growls und Multiphonics haben keine einzelne saubere Tonhöhe, deshalb muss das Modell sie annähern.
  • Scoops, Bends und Falls verschleifen die Tonhöhe mit Absicht. Solche gesangsähnlichen Wendungen muss ein Mensch notieren.
  • Bei schnellen Bebop-Läufen wird der Rhythmus gerundet, und hin und wieder fällt ein Ton weg.
  • Subtone und hauchige tiefe Töne geben dem Modell weniger Signal, an dem es sich festhalten kann.

Saxophon ist in Songscription ein Beta-Instrument und neuer als Klavier. Mit diesen Grenzen solltest du rechnen, ein Ausschlusskriterium sind sie nicht. Nach unserer Erfahrung tauchen sie bei einer sauberen melodischen Linie selten auf. Ein schnelles Solo voller Effekte solltest du dagegen noch einmal durchgehen. Warum eine saubere Aufnahme mehr bringt als jede nachträgliche Korrektur, erklärt unser Artikel darüber, warum die Genauigkeit von Transkriptionen schwankt.

So bekommst du eine saubere Sax-Transkription

  • Nimm die sauberste Quelle. Ein Sax allein oder gut isoliert, nah mikrofoniert und in einem eher trockenen Raum lässt sich am klarsten lesen.
  • Wähl Saxophon als Instrument. Wenn das Tool weiß, dass es ein Sax hört, und du die Linie von jeder Begleitung trennst, konzentriert es sich auf die Stimme, die du haben willst.
  • Halt das Tempo gleichmäßig. Ein klarer Puls hilft dem Rhythmus, vor allem in den schnelleren Takten.
  • Plan eine Durchsicht ein. Sieh den Entwurf als ersten Durchgang und hör ihn einmal ganz durch. Achte dabei besonders auf das Altissimo und die schnellsten Läufe.

Exportieren und als Stimme schreiben

Sobald die Linie in klingender Tonhöhe stimmt, korrigierst du im Editor falsche Töne und räumst den Rhythmus auf. Danach entscheidest du, wer die Noten lesen soll. Für eine Altstimme transponierst du eine große Sexte nach oben und exportierst neu. Für eine Tenorstimme exportierst du MusicXML und legst das Instrument in deinem Notationsprogramm fest, dann kümmert sich das Programm um die Oktave. Ein PDF exportierst du, wenn die Noten aufs Pult sollen. Willst du aus der Melodie als Nächstes ein volleres Arrangement bauen, geht es mit unserem Leitfaden zum Arrangieren eines Songs für Saxophon weiter.

Häufige Fragen

Welches Saxophon lässt sich am besten transkribieren?

Das Modell von Songscription ist auf Tenorsaxophon abgestimmt, eine Tenorlinie gelingt ihm also am besten. Weil es die klingende Tonhöhe liest und nicht das Instrument, wird auch eine saubere Alt-, Sopran- oder Baritonlinie zu brauchbaren Noten in klingender Tonhöhe. Mehr Einfluss hat nach unserer Erfahrung die Aufnahme selbst. Eine saubere, frei liegende Linie klappt immer besser als eine verdeckte oder stark bearbeitete, egal auf welchem Saxophon sie gespielt wurde.

Meine Sax-Transkription steht in der falschen Tonart. Warum?

Das Saxophon ist ein transponierendes Instrument. Der Ton, den du liest, ist also nicht der, der klingt. Ein Tenorsaxophon klingt eine große None tiefer als notiert, also eine Oktave plus einen Ganzton, und ein Altsaxophon eine große Sexte tiefer. Eine Transkription erfasst die Töne, die wirklich klingen, also die klingende Tonhöhe. Für eine Stimme, wie Saxophonist:innen sie gewohnt sind, transponierst du um genau dieses Intervall nach oben.

Wie komme ich zu einer richtigen Tenor- oder Altsaxophonstimme?

Transkribier zuerst die Linie, dann hast du die klingende Tonhöhe, und transponier danach. Eine Altstimme liegt eine große Sexte über der klingenden Tonhöhe, und das schafft die Transponierfunktion von Songscription, die bis zu eine Oktave weit verschiebt. Eine Tenorstimme liegt eine große None höher, also mehr als eine Oktave. Am einfachsten exportierst du dann MusicXML und legst das Instrument in MuseScore, Sibelius oder Dorico fest. Das Programm erzeugt dir daraus die richtig transponierte Stimme.

Spielt es eine Rolle, ob ich Alt-, Tenor- oder Baritonsaxophon aufgenommen habe?

Das Modell ist auf Tenor abgestimmt und liest die Töne unabhängig davon, auf welchem Saxophon gespielt wurde. Unterschiedlich ist nur die Transposition, die du danach anwendest, damit eine lesbare Stimme entsteht: Alt und Bariton sind Es-Instrumente, Tenor und Sopran B-Instrumente. Überleg dir, auf welchem Saxophon die Stimme gespielt wird, und transponier passend dazu.

Du hast eine Sax-Linie, die du aufschreiben willst? Fang bei Audio zu Noten an, wähl Saxophon und mach aus der Aufnahme eine Stimme, die du lesen und spielen kannst. Dieselben Schritte für das andere verbreitete B-Instrument findest du in unserem Leitfaden dazu, wie du aus einer Trompeten-Melodie Noten machst.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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