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Wenn es zu deinem Song nirgends Noten gibt

Zu manchen Songs sind nie Noten erschienen, und was du brauchst, gibt es online einfach nicht. Such der Reihe nach bei den Verlagen und in den kostenlosen Archiven, und wenn nichts auftaucht, transkribier den Song nach einer Aufnahme.

Noten zu einem Song finden, zu dem es nirgends welche gibt: Suche, gemeinfreie Quellen und die Transkription einer Aufnahme, wenn keine Noten existieren

Dieser Artikel gehört zu unserem Leitfaden Noten selbst erstellen.

Wenn deine Suche immer wieder ins Leere läuft, geh der Reihe nach vor: erst die kostenpflichtigen Verlage, dann die kostenlosen und gemeinfreien Archive. Und wurde der Song einfach nie aufgeschrieben, transkribierst du ihn nach einer Aufnahme. Mit diesem letzten Schritt kommst du auch bei Songs an Noten, die es gedruckt gar nicht gibt. Viele lassen ihn trotzdem aus, weil sie denken, Noten könne man nur finden und nicht selbst machen.

Die Reihenfolge hat einen Grund. Gibt es ein offizielles Arrangement, lohnt sich der Kauf, weil sich da jemand bewusst darum gekümmert hat, dass alles stimmt. Erst wenn du die Verlage und die kostenlosen Quellen ausgeschlossen hast, ergibt Transkribieren Sinn. Für sehr viel Musik gab es ohnehin nie Noten, die man hätte finden können, etwa für eigene Songs, Indie-Veröffentlichungen, Coverversionen und regionale oder ältere Stücke.

Zuerst bei den Verlagen schauen

Schau als Erstes bei den kostenpflichtigen Anbietern nach. Hat ein Label oder Verlag ein offizielles Arrangement eines Songs in Auftrag gegeben, ist es mit ziemlicher Sicherheit genauer als alles, was du dir selbst zusammenpuzzeln würdest. Das bisschen Geld lohnt sich.

  • Musicnotes, der größte Katalog für digitale Noten einzelner Songs. Dort kaufst und druckst du offizielle Arrangements für Klavier, Gesang und Gitarre, einen Song nach dem anderen.
  • Sheet Music Plus, ein breit aufgestellter Shop mit digitalen Downloads und gedruckten Notenbüchern. Gut, wenn du ein bestimmtes Arrangement oder eine bestimmte Ausgabe suchst.
  • Hal Leonard, der führende Verlag für gedruckte Noten. In seinen Songbooks und Vocal Selections, also Notenbüchern mit den Songs eines Albums, einer Künstlerin, eines Künstlers oder eines Musicals, stecken oft Arrangements, die nie einzeln als Download verkauft werden.

Hat einer dieser Shops den Song, bist du fertig. Kauf ihn. Oft musst du trotzdem weitersuchen, weil sich ihre Kataloge vor allem auf populäre und kommerziell erfolgreiche Musik konzentrieren. Je spezieller der Song, desto eher endet die Suche hier ohne Ergebnis.

Kostenlose und gemeinfreie Archive durchsuchen

Wenn die Shops nichts haben oder der Song alt genug ist, kommen die kostenlosen Archive dran. Dabei geht es vor allem um Gemeinfreiheit. Ist das Urheberrecht an einem Werk abgelaufen, darf man es frei kopieren, weitergeben und ausdrucken. Das gilt für den Großteil der klassischen Musik und für viele Lieder aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert.

  • IMSLP, die Petrucci Music Library, mit einer riesigen Sammlung gemeinfreier und klassischer Noten als kostenlose PDF-Downloads. Für alles aus dem klassischen Repertoire schaust du am besten zuerst hier.
  • Community-Notensammlungen, in die Leute ihre eigenen Transkriptionen und Arrangements von Popsongs hochladen. Die Qualität schwankt, weil andere Musiker:innen sie gemacht haben und keine Verlage, also vergleich sie mit der Aufnahme. Dafür findest du dort oft Songs, um die sich kein Verlag gekümmert hat.

Eine laufend gepflegte Liste verlässlicher Quellen findest du in unserem Überblick über die besten kostenlosen Notenarchive. Ehrlich gesagt stößt du hier an dieselbe Grenze wie bei den Shops. Neue, eigene und unbekannte Songs gibt es meistens auch hier nicht, weil sie schlicht noch niemand aufgeschrieben hat. Am größten ist die Lücke außerhalb des englischsprachigen Pop. Darum geht es in unserem Artikel übers Lernen internationaler Songs am Klavier.

Wenn es keine Noten gibt, selbst transkribieren

Hast du bei den Verlagen und in den kostenlosen Archiven nachgesehen und immer noch nichts gefunden, sind zu dem Song wahrscheinlich nie Noten erschienen. Das ist der Normalfall bei eigener Musik, Indie-Tracks, regionalen Songs und allem, was zu neu oder zu klein ist, als dass sich jemand an ein offizielles Arrangement gesetzt hätte. Weitersuchen bringt dann nichts mehr. Transkribier den Song selbst, und zwar nach einer Aufnahme, die du legal verwenden darfst.

Von Hand wäre das eine stundenlange Übung fürs Gehör, mit automatischer Transkription wird es praktikabel. Bei Songscription ist der Ablauf kurz: Du lädst eine Audiodatei hoch oder fügst einen Link von YouTube, TikTok oder Instagram ein und bekommst die Noten, eine MIDI-Datei und eine interaktive Piano Roll zurück. Was dabei falsch erkannt wurde, korrigierst du im Editor direkt im Browser und exportierst dann die Noten. In der kostenlosen Version werden die ersten 30 Sekunden eines Songs transkribiert. Das reicht, um zu sehen, wie das Ergebnis aussieht, bevor du dich für den ganzen Song auf einen Tarif festlegst.

Eine Grenze solltest du von vornherein einplanen: Aus einem Streamingdienst kannst du das Audio nicht direkt holen. Die Streams von Spotify und Apple Music sind geschützt, deshalb kommt eine Transkription dort nicht an das Audio heran. Nimm eine Datei, die dir gehört, oder nimm eine Quelle auf, die du legal abspielen darfst, und transkribier diese Aufnahme. Und bei dichten Mixen mit voller Band wird das Ergebnis am saubersten, wenn du ein Instrument nach dem anderen transkribierst und nicht gleich das ganze Arrangement auf einmal erwartest.

Liegt der Song, den du suchst, auf YouTube, dann schau in unseren Vergleich von Tools, die aus YouTube-Videos Noten machen. Eine Transkription starten kannst du direkt auf unserer Seite Audio zu Noten.

Das passende Format wählen

Bevor du transkribierst oder kaufst, überleg dir, welche Form du eigentlich brauchst. „Noten“ kann ganz Verschiedenes heißen, und was passt, hängt davon ab, was du spielst.

  • Komplett ausgeschriebene Noten, in denen jeder Ton steht, wenn du den Song Ton für Ton so spielen willst, wie er geschrieben ist.
  • Ein Leadsheet, also Melodie und Akkordsymbole auf einer Seite, wenn jemand singt oder solo spielt und die Melodie braucht, während die Begleitung den Rest ergänzt.
  • Akkorde, nur die Akkordfolge und der Aufbau des Songs, wenn du bloß die Harmonien kennen musst, um mitzuspielen oder mitzusingen.
  • Tabs für Gitarre und Bass, wenn du lieber Bund für Bund siehst, wo du greifst, statt normale Notenschrift zu lesen.

Eine Transkription liefert dir das Material für jede dieser Formen. Bei Songscription bekommst du aus demselben Durchgang Noten, MIDI, MusicXML und Gitarren-Tabs und wählst einfach den Export, der zu deinem Vorhaben passt. Willst du das Ergebnis danach noch umbauen, erklärt unser Leitfaden zu Online-Noteneditoren das Bearbeiten Schritt für Schritt. Und Lehrkräfte, die immer wieder merken, dass es „für dieses Stück einfach keine Noten gibt“, werden ihre Lage in unserem Artikel über das Problem der Bandleitung wiedererkennen.

Häufige Fragen

Was tun, wenn es zu einem Song keine Noten gibt?

Transkribier ihn nach einer Aufnahme. Sind zu einem Song nie Noten erschienen, findest du auch mit noch so viel Suchen keine, also machst du sie selbst aus dem Audio. Eine automatische Transkription liefert dir in wenigen Minuten einen brauchbaren ersten Entwurf. Du lädst eine Audiodatei hoch oder gibst einen Videolink an, bekommst Noten, MIDI und eine Piano Roll zurück, korrigierst, was dabei danebengegangen ist, und exportierst das Format, das du brauchst.

Wie kommst du an Noten zu einem Song von Spotify oder Apple Music?

Direkt aus Spotify oder Apple Music kannst du das Audio nicht holen, weil der Stream geschützt ist und eine Transkription das eigentliche Audio braucht. Nimm stattdessen eine Datei, die dir gehört, etwa einen Download oder eine gekaufte Datei, oder nimm eine Quelle auf, die du legal abspielen darfst, und transkribier diese Aufnahme. Sobald du Audio hast, das du verwenden darfst, läuft die Transkription genauso ab.

Darfst du einen Song für den eigenen Gebrauch transkribieren?

Einen Song für dein eigenes Üben oder Lernen zu transkribieren, ist in der Regel in Ordnung. Deine Transkription eines urheberrechtlich geschützten Songs weiterzugeben oder zu verkaufen, ist etwas anderes und braucht meistens die Erlaubnis der Rechteinhaber:innen. Das hier ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Wenn du teilen oder verkaufen willst, prüf die Regeln für dein Land und deine Situation.

Wo findest du kostenlose Noten?

Fang für Klassik und ältere Werke bei gemeinfreien Archiven wie IMSLP an und für Pop und Folk bei Community-Notensammlungen. Sind zu einem Song nie Noten erschienen, findest du ihn auch in keinem kostenlosen Archiv. Dann transkribierst du den Song nach einer Aufnahme und exportierst die Noten selbst.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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