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Wie lange dauert es, einen Song auf dem Klavier zu lernen?

Zwei bis vier Wochen für einen einfachen Popsong, wenn du gerade anfängst, ein paar Tage auf mittlerem Niveau und Monate für eine Ballade von Chopin. Dazu das, was an diesen Zahlen wirklich etwas ändert.

Vergleich der Lernzeiten für Klavierstücke in fünf Schwierigkeitsgraden auf Einstiegsniveau, mittlerem und fortgeschrittenem Niveau

Wie lange du brauchst, um einen Song auf dem Klavier zu lernen, hängt von vier Dingen ab, und Talent gehört nicht dazu. Wenn du gerade anfängst und zwanzig Minuten am Tag übst, kannst du einen einfachen Popsong meistens nach zwei bis vier Wochen im Tempo spielen, und einen Teil davon, den man sofort erkennt, schon am ersten Abend. Auf mittlerem Niveau schaffst du denselben Song in ein paar Tagen. Für eine Ballade von Chopin brauchst du Monate, unabhängig davon, wie gut du spielst.

Wenn die meisten länger brauchen, als diese Zeiträume angeben, liegt das selten am Können. Die Zeit geht für Dinge drauf, die gar kein Üben sind: nach den richtigen Tönen suchen, das Stück immer wieder von vorn durchspielen, statt die vier Takte zu üben, an denen es jedes Mal zusammenbricht, und im vollen Tempo spielen, bevor die Stelle sicher sitzt.

Mit dem Übeablauf weiter unten lernst du ein Stück in ungefähr der Hälfte der Zeit, die die meisten dafür brauchen.

Wir machen Songscription, und unser Team macht auch Anything Piano. Die Tool-Empfehlungen in diesem Artikel betreffen also zum Teil unsere eigenen Produkte. Die Zeitangaben sind trotzdem kein Verkaufsargument, und die Übemethode ist älter als jede Software.

Realistische Zeiträume

Wir gehen dabei von zwanzig bis dreißig konzentrierten Minuten am Tag für ein einziges Stück aus. „Gelernt“ heißt hier, dass du das Stück im Tempo ohne Unterbrechung durchspielen kannst, nicht, dass es schön klingt. Bis es schön klingt, dauert es länger, und daran kannst du immer weiterarbeiten. Wie du diese tägliche Übezeit aufteilst, steht in unserem Artikel darüber, wie lange du am Tag Klavier üben solltest.

Wie lange es dauert, einen Song auf dem Klavier zu lernen, nach Niveau und Schwierigkeit des Stücks, bei zwanzig bis dreißig Minuten konzentriertem Üben am Tag

StückEinstiegMittleres NiveauFortgeschritten
Melodie mit Blockakkorden2 bis 4 Wochen2 bis 4 TageEine Übeeinheit
Popballade mit gebrochenen Akkorden in der linken Hand4 bis 8 Wochen1 bis 2 Wochen2 bis 3 Tage
Film- oder Spielemusik im vollen Arrangement2 bis 4 Monate3 bis 6 Wochen1 bis 2 Wochen
Clair de Lune, Nocturne op. 9 Nr. 2Noch nicht2 bis 6 Monate3 bis 6 Wochen
Eine Ballade von Chopin oder eine Etüde von LisztNoch nichtEin Jahr oder länger3 bis 12 Monate

Einen Abschnitt lernst du viel schneller als ein ganzes Stück. Eine Strophe und ein Refrain sind oft nur ein Viertel der Töne, machen aber schon das meiste von dem aus, was man wiedererkennt. Deshalb lautet die ehrliche Antwort auf „Kann ich das heute Abend lernen?“ meistens „Ja“ für einen Abschnitt und „Nein“ für das ganze Stück. „Noch nicht“ ist eine echte Antwort. Wer sich ein Stück aussucht, das vier Stufen über dem eigenen Niveau liegt, und sich einen Monat lang daran abarbeitet, glaubt am Ende oft, kein Talent zu haben. So kommen Menschen am Anfang am häufigsten zu diesem Schluss.

Die vier Faktoren

Wie weit das Stück über deinem Niveau liegt

Das wiegt schwerer als alles andere. Für ein Stück eine Stufe über deinem Niveau brauchst du ein paar Wochen. Liegt es drei Stufen darüber, sind es sechs Monate, wenn es überhaupt klappt, denn dann lernst du Technik und Repertoire gleichzeitig, und für die Technik gibt es keine Abkürzung. Soll es schnell gehen, bringt ein passenderes Stück oder eine vereinfachte Fassung mehr als härteres Üben. Wie du das Arrangement ausdünnst, ohne dass der Song verloren geht, steht in unserem Artikel darüber, wie du ein Klavierstück leichter spielbar machst.

Wie oft du übst, nicht wie lange

Das Gelernte festigt sich zwischen den Übeeinheiten und nicht während des Übens. Deshalb bringen sechs Einheiten mit je zwanzig Minuten deutlich mehr als eine mit zwei Stunden. Aus demselben Grund fühlt sich ein Stück am Dienstag oft besser an als am Montag zum Schluss. Das überrascht viele, dabei ist es genau das, was man erwarten sollte.

Ob du die richtigen Töne hast

Diesen Faktor unterschätzen die meisten, und in der eigenen Rechnung fehlt er oft ganz. Lernst du mit einer schlechten Transkription, übst du falsche Töne und musst sie hinterher wieder verlernen. Das kostet mehr Zeit, als sie gleich richtig zu lernen. Und wenn du mit einem Video lernst, das du ständig anhalten und zurückspulen musst, verbringst du einen großen Teil deiner Übezeit damit, einen Videoplayer zu bedienen.

Ob du langsam übst

Diesen Rat hörst du beim Klavierüben am häufigsten, und er wird auch am häufigsten ignoriert. Wenn du eine Stelle im vollen Tempo spielst, bevor sie sicher sitzt, übst du den Fehler gleich mit. Deine Hände prägen sich auch die falsche Bewegung ein. Im halben Tempo zu spielen fühlt sich wie Zeitverschwendung an. Du brauchst damit aber ungefähr halb so viele Tage, um die Stelle zu lernen.

Erst mal die richtigen Töne

Bevor du überhaupt übst, musst du wissen, welche Töne es sind, und bei vielen Songs verschwinden genau hier unbemerkt ganze Tage. Gehört das Stück zum Standardrepertoire, kauf die Noten und überspring diesen Abschnitt. Ist es Musik aus einem Videospiel, eine Live-Version, eine Neuerscheinung oder etwas, das jemand aus deinem Freundeskreis aufgenommen hat, gibt es vielleicht gar keine Noten. Dann bleiben meistens ein YouTube-Tutorial, in dem du hin- und herspulst, eine MIDI-Datei von unbekannter Qualität oder das Heraushören.

Das Heraushören ist für deine Musikalität wirklich die beste dieser Möglichkeiten und mit Abstand die langsamste. Es lohnt sich, wenn du dich bewusst dafür entscheidest und es nicht nur machst, weil es gerade nicht anders geht. Wenn du genau das lernen willst, erklärt unser Artikel zum Heraushören von Musik die Methode.

Sind die Töne für dich nur Mittel zum Zweck, ist dieser Schritt inzwischen schnell erledigt. Anything Piano arbeitet mit einer Audiodatei oder einem Link von YouTube, TikTok oder Instagram, macht aus der Aufnahme einen Klavierpart und zeigt ihn als Piano Roll. Die kannst du langsamer laufen lassen und dazu mitspielen, während die App über dein Mikrofon oder per MIDI zuhört. An den Noten der Piano Roll kannst du dir auch vorgeschlagene Fingersatzzahlen anzeigen lassen. Anything Piano macht ausschließlich Piano-Roll-Tutorials und erstellt keine Noten. Liest du ein Stück lieber, als fallenden Noten zuzuschauen, macht die Klaviertranskription aus derselben Aufnahme Noten, die du ausdrucken und in die du Fingersätze eintragen kannst. Wenn du einen Tag nach den Tönen suchst, fehlt dir dieser Tag zum Üben.

Der Übeablauf

  1. Nimm dir acht Takte vor, nicht das ganze Stück. Fang mit dem schwersten Abschnitt an und nicht mit dem Anfang. Der Anfang wird ohnehin von selbst zu oft geübt, und die schwere Stelle bekommt nur, was übrig bleibt.
  2. Erst jede Hand einzeln, dann zusammen. Bei leichtem Material kannst du das weglassen, bei allem mit einer eigenständigen linken Hand nie.
  3. Halbes Tempo, bis es langweilig wird. Langeweile ist das Zeichen, dass du die Stelle gelernt hast. Musst du dich noch stark konzentrieren, sitzt sie noch nicht.
  4. Steigere das Tempo in kleinen Schritten. Ungefähr zehn Prozent auf einmal. Sobald die Genauigkeit nachlässt, geh wieder zurück, statt dich durchzukämpfen.
  5. Verbinde den Abschnitt mit dem davor. An den Übergängen fallen einstudierte Stücke auseinander, und Übergänge lernst du nicht nebenbei, die musst du eigens üben.
  6. Hör mit etwas auf, das du schon spielen kannst. Das klingt altmodisch, aber genau das bringt dich morgen wieder ans Klavier.

Anything Piano kann den Song für dich in Abschnitte aufteilen und zeigt deinen Fortschritt, sobald du einen davon abgeschlossen hast. Mehr zu diesem Ablauf steht in unserem ausführlicheren Artikel darüber, wie du einen Song Abschnitt für Abschnitt lernst. Tools, die das Tempo senken, ohne die Tonhöhe zu verändern, findest du in unserem Überblick über die besten Apps, um Musik langsamer abzuspielen.

Was beim Üben Zeit kostet

Braucht ein Stück doppelt so lange, wie es die Tabelle oben vermuten lässt, liegt es fast immer an einer von drei Sachen, und keine davon hat mit Talent zu tun.

  • Jedes Mal von vorn spielen. Die ersten sechzehn Takte werden wunderschön, und die Mitte übst du nie. Fang jeden zweiten Tag woanders an.
  • Im vollen Tempo üben. Es fühlt sich produktiv an, dabei übst du hauptsächlich Fehler ein. Wenn du selbst hörst, dass du hetzt, bist du zu schnell.
  • Nach jedem Fehler neu anfangen. Über den Fehler hinwegzuspielen und die Stelle danach einzeln zu reparieren, geht schneller als hundert neue Anläufe. So lernst du auch, weiterzuspielen, wenn es darauf ankommt.

Dazu kommt noch etwas, das man schwerer sieht, und zwar der Fingersatz. Wählst du Fingersätze spontan, spielst du eine Stelle jedes Mal anders und lernst sie deshalb nie richtig. Leg den Fingersatz früh fest, schreib ihn auf und verhandle ihn nicht jedes Mal neu. Sind dir die Ziffern in den Noten noch neu, fang mit unserem Artikel zu den Fingersatzzahlen beim Klavier an. Anything Piano kann dir auf der Piano Roll Fingersatzzahlen als Vorschläge anzeigen, mit denen du anfangen kannst. Ob du tatsächlich mit diesen Fingern spielst, kann eine App aber nicht prüfen. Dafür lohnt sich ab und zu eine Unterrichtsstunde.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, einen Song auf dem Klavier zu lernen?

Wenn du gerade anfängst und zwanzig Minuten am Tag übst, brauchst du für einen einfachen Popsong mit Blockakkorden ungefähr zwei bis vier Wochen, bis du ihn im Tempo durchspielen kannst. Einen Teil davon, den man sofort wiedererkennt, schaffst du an einem einzigen Abend. Auf mittlerem Niveau lernst du denselben Song in ein paar Tagen und ein mittelschweres Stück in zwei bis sechs Wochen. Anspruchsvolle Stücke wie eine Ballade von Chopin dauern auch dann Monate, wenn du schon gut spielst.

Wie lange sollte ich einen Song pro Tag üben?

Zwanzig bis dreißig konzentrierte Minuten für ein Stück reichen. Sitzt du länger als etwa eine Dreiviertelstunde an derselben Stelle, bringt jede weitere Minute deutlich weniger. Wie oft du übst, ist wichtiger als die Dauer: Sechs Tage mit je zwanzig Minuten bringen mehr als ein Tag mit zwei Stunden, weil sich das Gelernte zwischen den Übeeinheiten festigt und nicht währenddessen. Wenn du das Stück in Abschnitte von acht Takten aufteilst und zwischen ihnen wechselst, bleibt auch eine kurze Einheit ergiebig.

Warum dauert es so lange, einen Song auf dem Klavier zu lernen?

Meistens geht die Zeit für die falschen Dinge drauf. Am Können liegt es selten. Die drei großen Zeitfresser sind die Suche nach den richtigen Tönen, das Durchspielen des ganzen Stücks von vorn, statt gezielt die vier schweren Takte zu üben, und das Üben im vollen Tempo, bei dem die Fehler gleich mit eingeübt werden. Wenn du diese drei Dinge änderst, brauchst du für ein Stück meistens nur noch ungefähr die Hälfte der Zeit.

Kann man einen Song auf dem Klavier an einem Tag lernen?

Einen Abschnitt davon kannst du an einem Tag lernen, und bei vielen Songs sind das eine Strophe und ein Refrain. Das reicht schon, damit es nach der Aufnahme klingt. Ein ganzes Stück an einem Tag sauber im Tempo zu spielen, ist nur realistisch, wenn es deutlich unter deinem Niveau liegt. Setz dir für den ersten Abend ein kleines Ziel: Besorg dir die Töne für einen Abschnitt von acht Takten, spiel ihn langsam und hör erst auf, wenn du ihn spielen kannst.

Zum Schluss

Diese Frage wird so oft gestellt, weil die meisten früher kaum abschätzen konnten, wie lange sie für ein Stück brauchen würden. Ohne eine Lehrkraft, die dir ein Stück auf dem passenden Niveau gibt, hattest du keinen Maßstab. Ein Stück, das acht Monate dauern würde, und eins, das in drei Wochen zu schaffen wäre, sahen von außen gleich aus, und welches welches war, merktest du erst, nachdem du einen Monat daran gesessen hattest. Der meiste Frust beim Klavierlernen ohne Unterricht kommt daher und nicht vom Üben selbst.

Heute kannst du das aber ganz bewusst selbst ausprobieren. Nimm dir einen Abschnitt statt eines ganzen Stücks vor, besorg dir die richtigen Töne, statt dich mit ungefähr passenden Tönen zufriedenzugeben, und schau, wie weit du in einer Woche mit den ersten acht Takten kommst. Wenn sie sitzen, stimmt die Tabelle oben auch für den Rest. Wenn nicht, liegt das Stück heute über deinem Niveau, und in sechs Monaten ist es immer noch da. Das merkst du besser in der ersten Woche als im vierten Monat. Ob du dir die Töne mit gekauften Noten, einer App wie Anything Piano, die aus der Aufnahme eine Piano Roll macht oder mit deinem eigenen Gehör besorgst, ändert nichts am Übeablauf. Die Übezeit beginnt, sobald du die richtigen Töne hast.

Zur Person

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Geschrieben von

Songscription

Von Musiker:innen für Musiker:innen gemacht

Songscription macht aus jeder Aufnahme Noten, MIDI und Tabs. Dieser Beitrag kommt von den Musiker:innen und Entwickler:innen, die an den Tools arbeiten, die wir selbst gern gehabt hätten. Die Noten nehmen wir ernst, unsere Wortspiele noch ernster. Sollte eins davon schief klingen, entschuldigen wir uns schon mal im Voraus.

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