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Dorisch, Mixolydisch und die anderen Modi einfach erklärt

Die Modi sind sieben Tonleitern mit denselben Tönen, die nur an verschiedenen Stellen anfangen, und jede hat ihren eigenen Charakter. Hier erfährst du, was Modi sind, wie du sie bildest und wie du sie in echten Songs heraushörst.

Die Modi in der Musik erklärt: sieben Modi von Ionisch bis Lokrisch, die jeweils auf einer anderen Stufe derselben Tonleiter beginnen

Die Modi sind sieben Tonleitern mit genau denselben Tönen. Sie fangen nur an verschiedenen Stellen an, und dieser andere Startpunkt gibt jeder ihre eigene Stimmung. Spielst du auf dem Klavier nur die weißen Tasten von C bis C, bekommst du die ganz normale Durtonleiter. Spielst du dieselben weißen Tasten von D bis D, hast du Dorisch, einen Mollklang, der etwas heller wirkt. Gleiche Töne, anderer Grundton, anderes Gefühl. Mehr steckt im Kern nicht dahinter. Der Rest besteht darin, den sieben Varianten Namen zu geben und zu lernen, wie jede klingt.

Für alles Weitere hilft es, wenn du dich schon mit Tonleitern auskennst, denn ein Modus ist eine Art Tonleiter.

Was ein Modus ist

Ein Modus entsteht, wenn du eine Tonleiter nimmst und einen anderen Ton als Zuhause behandelst. Die Durtonleiter hat sieben Töne, und auf jedem davon kannst du eine Tonleiter aufbauen, ohne am Tonvorrat etwas zu ändern. Je nach Startton verschiebt sich aber die Abfolge der Ganz- und Halbtonschritte. Deshalb hat jedes der sieben Ergebnisse einen anderen Charakter, obwohl alle aus genau demselben Vorrat an Tönen schöpfen.

Das „Zuhause“ ist dabei der Grundton. Eine Stelle klingt nach Dorisch statt nach einfachem C-Dur, wenn die Musik immer wieder auf D zurückkommt und sich auf D als Grundton stützt. Dann hört das Ohr D als Schwerpunkt. Ändert sich der Ton, der sich wie ein Ruhepunkt anfühlt, ändert sich auch der Modus.

Eine Tonleiter, sieben Modi

Am deutlichsten siehst du das auf den weißen Tasten des Klaviers, denn das sind die Töne der C-Dur-Tonleiter. Fang nacheinander auf jeder weißen Taste an und spiel bis zu ihrer Oktave hinauf:

  • C bis C = Ionisch (die normale Durtonleiter)
  • D bis D = Dorisch
  • E bis E = Phrygisch
  • F bis F = Lydisch
  • G bis G = Mixolydisch
  • A bis A = Äolisch (die natürliche Molltonleiter)
  • H bis H = Lokrisch

Zwei davon kennst du schon unter anderen Namen: Ionisch ist die Durtonleiter, Äolisch die natürliche Molltonleiter. Die anderen fünf meinen die meisten, wenn sie von „Modi“ sprechen. Und die Modi hängen nicht an C fest. So wie du die Durtonleiter in jede Tonart verschieben kannst, kannst du auch Dorisch auf jedem beliebigen Ton spielen (D-Dorisch, G-Dorisch und so weiter). Du musst nur die Schrittfolge des Modus beibehalten.

Die sieben Modi im Einzelnen

  • Ionisch. Die Durtonleiter selbst: hell und stabil, der Standardklang von Pop und Folk. Wirkt ein Song ganz unkompliziert fröhlich, ist er wahrscheinlich ionisch.
  • Dorisch. Ein Mollklang mit erhöhter Sexte, die verhindert, dass er ganz traurig wirkt. Warm und ein bisschen jazzig oder keltisch. Denk an „Scarborough Fair“ oder an viele Funk-Vamps.
  • Phrygisch. Moll mit erniedrigter Sekunde. Das gibt ihm einen dunklen, spanischen oder Flamenco-Einschlag. Oft zu hören im Metal und in Filmmusik, die Spannung aufbaut.
  • Lydisch. Dur mit erhöhter Quarte. Das klingt schwebend und schimmernd. Dieser helle, staunende Klang steckt hinter vielen Filmmusiken.
  • Mixolydisch. Dur mit erniedrigter Septime. Der Zug zurück zum Grundton wird dadurch weicher, und es entsteht eine bluesige Rock-’n’-Roll-Lässigkeit. So klingen unzählige Gitarrenriffs.
  • Äolisch. Die natürliche Molltonleiter, der typische traurige oder ernste Mollklang.
  • Lokrisch. Moll mit erniedrigter Sekunde und erniedrigter Quinte. Das macht ihn instabil, als Grundtonart wird er kaum verwendet. Eher eine Klangfarbe als ein Ort, an dem man bleibt.

Helle und dunkle Modi

Im Kopf behältst du die Modi gut, wenn du sie von hell nach dunkel ordnest. Den größten Unterschied macht die Terz: Modi mit großer Terz (Lydisch, Ionisch, Mixolydisch) klingen hell, Modi mit kleiner Terz (Dorisch, Äolisch, Phrygisch, Lokrisch) klingen dunkel. Innerhalb jeder Gruppe drücken weitere erniedrigte Töne die Stimmung noch weiter nach unten.

Vom hellsten zum dunkelsten sieht die Reihe so aus: Lydisch, Ionisch, Mixolydisch, Dorisch, Äolisch, Phrygisch, Lokrisch. Ob eine Terz groß oder klein ist, entscheidet auch darüber, ob ein Akkord fröhlich oder traurig klingt. Deshalb lohnt es sich, Intervalle schon vor den Modi zu kennen.

Modi in echten Songs hören

Am leichtesten verinnerlichst du Modi über Musik, die du schon kennst. Viele Folksongs und ein großer Teil der heutigen Film- und Spielemusik holen sich ihre Färbung aus den Modi. Hast du den Klang von Dorisch oder Mixolydisch erst mal im Ohr, hörst du ihn plötzlich überall. Beim Heraushören prüfst du genau das, was einen Modus ausmacht. Such den Ton, auf den die Melodie immer wieder zurückkommt. Dann prüf, ob die Terz darüber groß oder klein ist und welche anderen Töne erhöht oder erniedrigt sind.

Das ist Gehörtraining, und du brauchst dafür dasselbe wie beim Heraushören von Tonart und Akkorden eines Songs. Unsere Anleitungen zum Bestimmen der Tonart eines Songs und zu Akkordfolgen machen da weiter, wo dieser Artikel aufhört.

Zum Schluss

Die griechischen Namen lassen Modi einschüchternd klingen, das Prinzip dahinter ist aber einfach. Lern zuerst den Trick mit den weißen Tasten und hol dir den Klang jedes Modus ins Ohr. Um die genauen Muster aus Ganz- und Halbtonschritten kannst du dich danach kümmern.

Wenn du eine Aufnahme mit einem Tool wie Songscription transkribierst, verraten die ausgeschriebenen Noten den Modus, auch wenn sich ein Song nicht an die üblichen Dur- oder Moll-Muster hält. Die erhöhten oder erniedrigten Stufen stehen dann direkt auf dem Blatt. Weitere Fachbegriffe findest du im Glossar zur Notenschrift.

Häufige Fragen

Was sind Modi in der Musik?

Die Modi sind sieben Tonleitern, die alle denselben Tonvorrat nutzen, aber jedes Mal auf einem anderen Ton beginnen. Dadurch hat jede ihre eigene Abfolge von Tonschritten und ihren eigenen Charakter. Sie heißen Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Äolisch und Lokrisch. Ionisch ist die ganz normale Durtonleiter, Äolisch die natürliche Molltonleiter. Die anderen fünf reichen von heller als Dur (Lydisch) bis dunkler als Moll (Phrygisch und Lokrisch).

Was ist der Unterschied zwischen einer Tonleiter und einem Modus?

Ein Modus ist eine Art Tonleiter, die beiden Begriffe schließen sich also nicht aus. Mit „Modus“ meint man speziell die sieben Tonleitern, die entstehen, wenn du die Durtonleiter auf jeder ihrer Stufen beginnst. Im Alltag sagt man bei Dur und Moll meist einfach „Tonleiter“ und greift zum Wort „Modus“, wenn eine der anderen fünf gemeint ist (Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Lokrisch). Die haben jeweils eine eigene Färbung irgendwo zwischen reinem Dur und reinem Moll.

Wie versteht man Modi am einfachsten?

Spiel auf dem Klavier nur die weißen Tasten, aber fang jedes Mal auf einer anderen weißen Taste an und hör auch dort wieder auf. C bis C ist Ionisch (Dur), D bis D ist Dorisch, E bis E ist Phrygisch und so weiter. Gleiche Töne, anderer Grundton, andere Stimmung. Wenn du erst mal gehört hast, wie sich der Klang mit dem Anfangston verändert, verstehst du auch die Muster aus Ganz- und Halbtonschritten, und du kannst jeden Modus in jede Tonart verschieben.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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