Ein Intervall ist der Tonhöhenabstand zwischen zwei Tönen. Du zählst die Tonbuchstaben vom tieferen bis zum höheren Ton, und diese Zahl ist das Intervall. Von C hinauf zu G kommst du an C, D, E, F und G vorbei, das sind fünf Buchstaben, also eine Quinte. Fast die ganze Musik ist aus Intervallen gebaut. Eine Melodie besteht aus Intervallen, die nacheinander erklingen, ein Akkord aus Intervallen, die übereinandergeschichtet sind. Wenn du Intervalle hören und benennen kannst, ergibt der größte Teil der restlichen Musiktheorie auf einmal Sinn.
Dafür musst du wissen, wie Intervalle benannt werden und was „groß“, „klein“ und „rein“ an ihrem Namen ändern. Wenn du Songs transkribieren oder nach Gehör lernen willst, kommst du mit Intervallen außerdem am schnellsten voran.
Was ein Intervall ist
Zwischen zwei beliebigen Tönen liegt ein Abstand, und dieser Abstand ist das Intervall. Spielst du die Töne nacheinander, ist es ein melodisches Intervall, spielst du sie gleichzeitig, ein harmonisches. Die Größe bleibt in beiden Fällen dieselbe. Das kleinste Intervall der westlichen Musik ist der Halbton. Auf dem Klavier gehst du dafür von einer Taste zur direkt benachbarten, egal ob schwarz oder weiß. Zwei Halbtöne ergeben einen Ganzton. Mit genau diesen Bausteinen ist auch eine Tonleiter aufgebaut.
Größere Intervalle haben eigene Namen, und du kannst sie auf zwei Arten messen. Zählst du die Tonbuchstaben, bekommst du die Zahl des Intervalls. Zählst du die Halbtöne, kennst du seine genaue Größe. Du brauchst beides.
Wie Intervalle benannt werden
Die Zahl eines Intervalls gibt an, über wie viele Tonbuchstaben es reicht, und zwar mit beiden Endtönen. Von C bis E zählst du C, D, E, also drei Buchstaben, und hast eine Terz. Von C bis A zählst du C, D, E, F, G, A, sechs Buchstaben, eine Sexte. Zweimal derselbe Ton ist eine Prime, und wenn du acht Buchstaben weit bis zum selben Tonnamen kommst, ist das eine Oktave.
- Sekunde: C bis D, zwei benachbarte Buchstaben
- Terz: C bis E, das Intervall, das einen Akkord zu Dur oder Moll macht
- Quarte: C bis F
- Quinte: C bis G, nach der Oktave das stabilste Intervall
- Sexte: C bis A
- Septime: C bis H (im Englischen heißt der Ton B)
- Oktave: C bis zum nächsten C, derselbe Ton mit doppelter Frequenz
Groß, klein und rein
Mit der Zahl allein ist ein Intervall noch nicht eindeutig, denn eine Terz gibt es in zwei Größen. C bis E umfasst vier Halbtöne und ist eine große Terz, C bis Es nur drei Halbtöne und damit eine kleine Terz. Dieses zusätzliche Wort ist die Intervallart. Sie legt den genauen Abstand in Halbtönen fest.
Sekunden, Terzen, Sexten und Septimen gibt es groß und klein. Prime, Quarte, Quinte und Oktave bekommen eine andere Bezeichnung, nämlich rein. Sie klingen in Dur- und in Molltonarten gleich und verschmelzen von allen Intervallen am stärksten. Machst du ein Intervall um einen Halbton enger oder weiter als seine normale Größe, wird es vermindert (kleiner) oder übermäßig (größer).
Der vollständige Name besteht also aus Intervallart und Zahl, etwa „große Terz“, „reine Quinte“ oder „kleine Septime“. Die Terz, ob groß oder klein, solltest du vor allen anderen Intervallen heraushören lernen. Sie entscheidet, ob ein Akkord fröhlich oder traurig klingt. Um denselben Unterschied geht es auch bei den Umkehrungen von Akkorden und beim Lesen von Akkordsymbolen.
Warum alles auf Intervallen aufbaut
Sobald du in Intervallen denkst, stellt sich vieles in der Musiktheorie als dieselbe Idee in neuer Form heraus. Ein Akkord besteht aus Intervallen, die über einem Grundton gestapelt sind. Ein Dur-Dreiklang ist zum Beispiel eine große Terz mit einer kleinen Terz obendrauf. Eine Tonleiter ist eine Kette von Sekunden. Eine Tonart ergibt sich aus den Intervallen zwischen den Tönen ihrer Tonleiter. Und beim Transponieren verschiebst du nur jeden Ton um dasselbe Intervall. Die Abstände zwischen den Tönen bleiben dabei gleich.
Ein Intervall klingt deshalb überall gleich. Eine große Terz bleibt eine große Terz, ob sie auf C oder auf Fis beginnt. Wenn du ihren Klang einmal kennst, erkennst du sie in jedem Song wieder. Darum bilden Intervalle das Rückgrat der Gehörbildung.
Intervalle nach Gehör erkennen
Ein bewährter Trick ist, jedes Intervall mit einem bekannten Song zu verknüpfen. Die ersten zwei Töne einer Melodie, die du kennst, halten den Klang im Gedächtnis fest:
- Reine Quarte: die ersten zwei Töne von „Here Comes the Bride“, dem Brautchor aus „Lohengrin“
- Reine Quinte: der Anfang des „Star Wars“-Themas
- Große Sexte: der Anfang von „My Bonnie Lies Over the Ocean“
- Oktave: der Sprung in „Somewhere Over the Rainbow“
Wer eine Melodie transkribiert, muss vor allem eins können, nämlich das Intervall zwischen zwei gehörten Tönen benennen. Wie du das regelmäßig übst, zeigen wir dir in So transkribierst du Musik besser nach Gehör.
Zum Schluss
Intervalle sind die kleinste Einheit in der Musik, aus der alles andere zusammengesetzt ist. Die Zahl findest du über die Buchstaben, die Intervallart über die Halbtöne. Wenn du beides sicher bestimmen kannst, sehen Tonleitern, Akkorde und Tonarten nicht mehr wie getrennte Themen zum Auswendiglernen aus. Du erkennst darin immer wieder dieselben paar Abstände.
Nach demselben Prinzip funktioniert übrigens auch automatisches Transkribieren. Wenn ein Tool wie Songscription eine Melodie aus einer Aufnahme in Noten schreibt, bestimmt es im Kern das Intervall von einem Ton zum nächsten. Die Begriffe rund um das Notenbild findest du im Glossar zur Notenschrift.
Häufige Fragen
Was ist ein Intervall in der Musik?
Ein Intervall ist der Tonhöhenabstand zwischen zwei Tönen. Du misst es, indem du die Tonbuchstaben vom tieferen bis zum höheren Ton zählst. Von C hinauf zu G sind das C, D, E, F, G, also fünf Buchstaben, und damit eine Quinte. Fast die ganze Musik baut auf Intervallen auf. Eine Melodie besteht aus Intervallen, die nacheinander erklingen, und ein Akkord aus Intervallen, die gleichzeitig übereinanderliegen.
Wie benennt man ein Intervall?
Der Name hat zwei Teile, eine Zahl und eine Intervallart. Die Zahl gibt an, über wie viele Tonbuchstaben das Intervall reicht, wobei beide Töne mitgezählt werden. C bis E ist also eine Terz (C, D, E), C bis A eine Sexte. Die Intervallart, also groß, klein, rein, übermäßig oder vermindert, legt die genaue Größe in Halbtönen fest. Eine Terz kann nämlich groß sein (C bis E, vier Halbtöne) oder klein (C bis Es, drei Halbtöne). Zusammen ergeben beide Teile den Namen, zum Beispiel große Terz oder reine Quinte.
Was ist ein reines Intervall?
Als „rein“ bezeichnet man Prime, Quarte, Quinte und Oktave. Das sind die Intervalle, die am stabilsten klingen und am stärksten miteinander verschmelzen. Sie heißen rein und nicht groß oder klein, weil sie in Dur und in Moll gleich sind. Eine reine Quinte umfasst sieben Halbtöne (C bis G), eine reine Quarte fünf (C bis F). Machst du ein reines Intervall um einen Halbton größer oder kleiner, wird es übermäßig oder vermindert.
