Dieser Artikel gehört zu unserem Ratgeber, wie du das passende Tool für Musiktranskription findest.
Melodyne und Songscription arbeiten beide mit den Tönen in einer Aufnahme, allerdings mit entgegengesetztem Ziel. Melodyne von Celemony ist dafür da, diese Töne zu bearbeiten, also etwa Gesang zu tunen oder das Timing geradezuziehen, während das Audio erhalten bleibt. Songscription ist dafür da, die Töne herauszuhören und als Noten, MIDI und Tabs aufzuschreiben. Willst du eine Performance korrigieren, nimm Melodyne. Willst du die Noten, nimm Songscription.
Eins vorweg: Songscription ist unser eigenes Produkt, bei diesem Vergleich sind wir also nicht neutral. Wir versuchen trotzdem, so ehrlich wie möglich zu bleiben, auch an den Stellen, an denen Melodyne ganz klar das bessere Werkzeug ist. Deine eigenen Schlüsse ziehst du beim Ausprobieren sowieso, und am meisten nützt dir von uns eine klare Einschätzung, wofür welches Tool gedacht ist.
Verwirrend ist, dass beide Tools Audio in MIDI umwandeln können. Dadurch wirken sie austauschbar, aber die Ähnlichkeit bleibt an der Oberfläche. Melodyne ist ein Editor, bei dem MIDI nebenbei abfällt. Songscription ist ein Transkriptionstool, bei dem es von Anfang an um lesbare Noten geht. Am schnellsten entscheidest du dich, wenn du weißt, an welchem Punkt deiner Arbeit du gerade stehst.
Was die beiden Tools machen
Songscription ist ein KI-Transkriptionstool. Du bringst eine Aufnahme mit und bekommst die Noten dazu. Dafür lädst du eine MP3-, WAV-, M4A- oder MP4-Datei hoch, fügst einen Link von YouTube, Instagram oder TikTok ein oder nimmst direkt im Browser auf. Das Modell erkennt die Töne und gibt dir bearbeitbare Noten mit Piano Roll, Akkorderkennung und Export als PDF, MIDI, MusicXML und Guitar Pro. Am weitesten entwickelt ist das Klaviermodell. Gitarre, Bass, Geige, Flöte, Trompete, Saxofon und Schlagzeug werden ebenfalls unterstützt, Gesang gibt es in einer experimentellen Version. Trainiert sind die Modelle mit echter aufgenommener Musik. Deshalb transkribiert Songscription auch komplette Aufnahmen genau und nicht nur saubere einstimmige Linien.
Melodyne ist ein Editor für Tonhöhe und Timing. Es ist dafür da, die Töne in einer Aufnahme zu verändern, ohne dass du das Audio aufgibst. Die bekannteste Funktion heißt Direct Note Access. Damit greifst du einen einzelnen Ton mitten in einer Performance und stimmst ihn um oder verschiebst ihn zeitlich, in den höheren Editionen sogar in polyphonem Material. Im Studio ist Melodyne der Standard, wenn es ums Tunen von Gesang und das Korrigieren von Performances geht. Es kann Audio in MIDI umwandeln: Die Töne, die Melodyne als Blobs darstellt, lassen sich als MIDI exportieren. Verkauft wird es als einmalige Lizenz in mehreren Editionen: Die kleineren arbeiten monophon, die größeren können auch polyphon bearbeiten. Ein Notationsprogramm ist Melodyne aber nicht. Lesbare Noten bekommst du damit nicht, und statt eines Notenbilds siehst du im Editor die Blobs.
Direkt verglichen
| Songscription | Melodyne | |
|---|---|---|
| Hauptzweck | Töne in einer Aufnahme erkennen und als Noten aufschreiben | Tonhöhe und Timing von Tönen in einer Aufnahme bearbeiten |
| Ergebnis | Noten als PDF, MIDI, MusicXML, Guitar Pro | Bearbeitetes Audio, MIDI-Export |
| Noten | Ja | Nein |
| Am besten für | Eine Aufnahme in lesbare Noten transkribieren | Eine Performance umstimmen und zeitlich korrigieren |
| Polyphonie | Transkription kompletter Aufnahmen | Polyphone Bearbeitung in den höheren Editionen |
| Preismodell | Kostenlose Version plus Testphase für längere Transkriptionen | Einmalige Lizenz in mehreren Editionen |
Audio zu MIDI können beide
Beide Tools machen aus Audio MIDI, nur bedeutet das MIDI jeweils etwas anderes. In Melodyne fällt es in der Bearbeitungsansicht ab: Exportiert werden die Blobs, mit denen du ohnehin gearbeitet hast, als reine Notendaten. Damit kannst du einen Part nachbauen, Noten auf Papier hast du dadurch aber noch nicht. In Songscription ist MIDI eines von mehreren Ergebnissen einer Transkription, die du genauso gut als gesetzte Noten bekommst. Zu den Tönen hast du also gleich eine lesbare Seite.
Wenn es dir genau um MIDI aus Audio geht, erklärt unser Ratgeber zu Audio zu MIDI, wie die Umwandlung funktioniert. Unsere Übersicht über Audio-zu-MIDI-Konverter vergleicht die Möglichkeiten, und in der Anleitung zum Aufräumen von MIDI nach der Umwandlung geht es um die Nacharbeit, die die Ausgabe jedes Tools meistens braucht.
Welches Tool du brauchst
Entscheide nach dem Ergebnis, das du haben willst. Willst du die Aufnahme verändern, ist Melodyne die Antwort. Willst du sie lesen, ist es Songscription.
- Wenn du produzierst und eine Gesangsspur korrigieren oder das Timing einer Performance geradeziehen willst, nimm Melodyne. Genau dafür wurde Direct Note Access gebaut.
- Wenn du Musik machst, unterrichtest oder lernst und die Töne auf dem Papier sehen willst, nimm Songscription. Es transkribiert die Aufnahme, und aus einem einzigen Upload bekommst du PDF, MIDI, MusicXML und Guitar Pro.
- Wenn du MIDI brauchst, um einen Part in einer DAW nachzubauen, kommst du mit beiden Tools ans Ziel. Songscription gibt dir zum MIDI aber auch die Noten. Wie der letzte Schritt geht, steht in unserer Anleitung, wie du MIDI in eine DAW importierst.
Beide zusammen nutzen
Oft arbeitest du mit beiden Tools nacheinander. In Melodyne tunst du den Gesang und schneidest aus den Takes die beste Version zusammen, bis die Aufnahme so klingt, wie du sie haben willst. Die fertige Aufnahme lässt du dann von Songscription transkribieren und bekommst ein Leadsheet zum Ausdrucken oder Noten, die du jemandem aus deiner Band in die Hand drücken kannst. Melodyne poliert das Audio, Songscription macht aus dem polierten Ergebnis Noten. Welche Datei du nach der Transkription wohin schickst, erklärt unsere Übersicht über Exportformate für Musik. Mit der Transkription anfangen kannst du auf unserer Seite Audio zu Noten.
Häufige Fragen
Kann Melodyne Noten erstellen?
Nein. Melodyne bearbeitet einzelne Töne, ist aber kein Notationsprogramm. In der Ansicht siehst du statt einer lesbaren Notenzeile ein Raster aus sogenannten Blobs, die du greifen und verschieben kannst. Noten erzeugt Melodyne nicht. Wenn du Noten willst, exportierst du aus Melodyne MIDI und machst daraus in einem Notationsprogramm Noten. Oder du nimmst ein Transkriptionstool wie Songscription, das die Noten für dich schreibt und direkt als PDF, MIDI, MusicXML und Guitar Pro exportiert.
Wofür ist Melodyne am besten geeignet?
Melodyne ist am stärksten, wenn du Tonhöhe und Timing in einer Aufnahme bearbeiten und das Audio dabei behalten willst. Mit der Funktion Direct Note Access greifst du einzelne Töne, in den höheren Editionen sogar in polyphonem Material, und stimmst sie um oder verschiebst sie zeitlich. Im Studio ist Melodyne der Standard, um Gesang zu tunen und Performances geradezuziehen. Mit diesem Bearbeitungswerkzeug verbesserst du die Aufnahme. Die Töne als Noten aus ihr herauszulesen, ist nicht seine Aufgabe.
Ist Songscription oder Melodyne genauer?
Genauigkeit bedeutet bei den beiden nicht dasselbe, deshalb lässt sie sich nicht direkt vergleichen. Songscription ist dafür gebaut und trainiert, echte Aufnahmen in Noten zu transkribieren. Seine Genauigkeit zeigt sich darin, wie treu die geschriebenen Töne der Performance folgen. Melodyne ist dafür gebaut, Tonhöhe und Timing zu erkennen, damit du beides ändern kannst. Dort zählt, wie sauber es einen Ton für die Bearbeitung isoliert. Beurteile jedes Tool nach seiner eigenen Aufgabe: Für Noten aus einer Aufnahme liegt Songscription vorn, für das Bearbeiten einer Performance Melodyne.
Kann ich beide zusammen verwenden?
Ja, und zwar in verschiedenen Arbeitsschritten. Zuerst tunst du in Melodyne den Gesang und ziehst das Timing gerade. Danach lässt du die fertige Aufnahme von Songscription in ein Leadsheet oder in Noten transkribieren, die du ausdrucken und weitergeben kannst. Melodyne poliert das Audio, Songscription liest aus dem polierten Ergebnis die Noten heraus. Das eine Tool schließt das andere nicht aus.