Teil unseres Leitfadens zum Umwandeln von Audio in MIDI.
Wenn du eine Aufnahme in MIDI umwandelst, bekommst du einen ersten Entwurf der Noten zurück und noch keinen fertigen Part. Die Noten werden aus dem Klang herausgehört, und diese Erkennung ist nicht fehlerfrei. Im Rohergebnis findest du deshalb meist ein paar Wackler im Timing, die eine oder andere Fehlnote und hier und da einen Ton, der eine Oktave daneben liegt. Das heißt nicht, dass die Umwandlung schiefgegangen ist. Zwischen der Umwandlung und einem Part, aus dem du wirklich spielen oder den du an andere Musiker:innen weitergeben würdest, liegt einfach noch ein kurzer Aufräumdurchgang.
Warum der erste Durchgang Nacharbeit braucht
Ein Tool, das Audio in MIDI umwandelt, hört sich die Aufnahme an und schätzt, welche Noten klingen, wann sie einsetzen und wie lange sie dauern. Tonhöhe und Timing muss es dabei aus einem echten Signal herauslesen, in dem Hall, Obertöne und sich überlagernde Instrumente durcheinanderlaufen. Deshalb liegt die Schätzung nah dran, aber nicht genau richtig. Das gilt für diese ganze Art von Tools und ist keine Macke eines bestimmten Programms.
Für dich heißt das, dass du die umgewandelte Datei als Ausgangspunkt nimmst. Die meisten Noten stimmen, und deine Aufgabe ist es, die paar zu finden, die nicht stimmen, und das Timing zu glätten. Falls das Format selbst noch neu für dich ist, erklärt der Artikel Was ist MIDI, warum MIDI aus bearbeitbaren Notendaten besteht und keine feste Audioaufnahme ist. Genau deshalb lässt sich das Ganze überhaupt aufräumen. Das Vorgehen ist dasselbe, egal ob du mit einem kompletten Mix oder mit einer einzelnen Audiospur angefangen hast. Wie du überhaupt von der Audiodatei zum MIDI kommst, beschreibt MP3 in MIDI umwandeln.
Timing quantisieren
Meist fängst du beim Aufräumen mit dem Quantisieren an. Dabei rutschen die Notenanfänge auf ein rhythmisches Raster, zum Beispiel auf Sechzehntel, und Noten, die etwas zu früh oder zu spät kommen, sitzen danach sauber im Timing. Geh dabei allerdings mit Gefühl vor. Wenn du eine von Menschen gespielte Aufnahme zu stark quantisierst, geht der Groove verloren, und ein Part, der vorher geatmet hat, klingt plötzlich mechanisch. Stimm das Raster deshalb auf die Musik ab und lass ausdrucksvollem Spiel etwas Luft.
Bewegt sich ein Part wirklich in Sechzehnteln, passt ein Sechzehntelraster. Besteht er hauptsächlich aus Vierteln, nimmst du besser ein gröberes Raster, damit keine Details erzwungen werden, die gar nicht da sind. Bewährt hat sich, rhythmisch strenge Abschnitte wie ein gleichmäßiges Comping-Pattern oder eine Basslinie, die fast programmiert klingt, kräftiger zu quantisieren und dort vorsichtiger zu sein, wo das Timing zur Performance gehört. Wie dicht und wie polyfon ein Part ist, beeinflusst ebenfalls, wie du ihn quantisieren solltest. Deshalb lohnt sich ein Blick auf monofone und polyfone Transkription, bevor du anfängst, Noten hin und her zu schieben.
Oktaven, Fehlnoten und Notenlängen korrigieren
Ist das Timing aufgeräumt, suchst du nach den drei Fehlern, die am häufigsten auftauchen. Zuerst kommen die Oktavfehler, also Noten, die eine Oktave zu hoch oder zu tief erkannt wurden. Sie kommen bei Basstönen oft vor und entstehen durch Obertöne, wenn statt des Grundtons ein kräftiger Oberton erkannt wird. Prüf also zuerst die tiefe Lage und verschieb jede falsch platzierte Note eine Oktave nach oben oder unten.
Als Zweites kommen kurze Fehlnoten, winzige Ausreißer, die bei der Erkennung entstehen, aber nie gespielt wurden. Lösch sie, damit sie den Part nicht unübersichtlich machen oder einen ungewollten Sound auslösen. Drittens gibt es Notenlängen, die sich überlappen oder zu lang sind, sodass eine Note in die nächste hineinklingt. Kürz sie, damit jede Note dort endet, wo sie soll, und der Part nicht mehr matschig klingt. Wenn du weißt, worauf du achten musst, geht das im Piano-Roll-Editor schnell. Es ist dieselbe Fähigkeit, um die es auch beim Korrigieren von KI-Transkriptionsfehlern geht.
Parts trennen, Tempo festlegen und exportieren
Hast du mehrere Instrumente aufgenommen, verteil die Parts auf eigene Spuren, damit sich jedes Instrument für sich bearbeiten lässt. Liegt alles übereinander auf einer Spur, kommen sich deine Änderungen gegenseitig in die Quere. Stell außerdem das richtige Tempo und die richtige Taktart ein, am besten noch vor dem Quantisieren, damit die Takte zur Musik passen. Sind beide richtig eingestellt, passt auch das Raster, auf das du quantisierst, zum Song. Sind sie falsch, kämpft jede spätere Änderung gegen die Taktstriche.
Geht es dir um Produktion, arbeitest du im Piano-Roll-Editor einer DAW, geht es um Noten, in einem Notationsprogramm. Songscription liefert ein bearbeitbares Ergebnis, deshalb ist ein Teil dieses Aufräumens schon erledigt, bevor du exportierst. Du verfeinerst also einen Part und musst ihn nicht von Grund auf neu bauen. Wenn du aus dem aufgeräumten MIDI Noten machen willst, geht es mit MIDI in Noten umwandeln weiter.
Häufige Fragen
Warum muss ich MIDI nach der Umwandlung noch aufräumen?
Die Noten werden aus dem Klang herausgehört, und diese Erkennung ist nicht fehlerfrei. Deshalb ist das MIDI nach der Umwandlung ein erster Entwurf und noch kein fertiger Part. Rechne mit ein paar Noten, die eine Oktave daneben liegen, mit kurzen Fehlnoten, die bei der Erkennung entstanden sind und nie gespielt wurden, und mit Notenlängen, die sich überlappen oder zu lang sind. Beim Aufräumen wird aus diesem ersten Durchgang ein Part, aus dem du spielen oder den du an jemanden weitergeben kannst. Songscription liefert ein bearbeitbares Ergebnis, deshalb ist ein Teil dieser Arbeit schon erledigt, bevor du exportierst.
Wie quantisiere ich MIDI, ohne den Groove zu verlieren?
Beim Quantisieren rutschen die Notenanfänge auf ein rhythmisches Raster, zum Beispiel auf Sechzehntel, und wackliges Timing wird sauber. Quantisierst du eine von Menschen gespielte Aufnahme zu stark, geht dabei aber der Groove verloren. Wähl das Raster passend zur Musik: ein Sechzehntelraster nur dann, wenn sich der Part wirklich in Sechzehnteln bewegt. Lass ausdrucksvollem Spiel etwas Luft, statt jede Note hart aufs Raster zu zwingen. Rhythmisch strenge Parts quantisierst du kräftiger, bei Parts, die atmen, gehst du behutsamer vor.
Wie korrigiere ich Noten, die eine Oktave daneben liegen?
Oktavfehler kommen bei Basstönen häufig vor. Sie entstehen durch Obertöne in der Aufnahme, wenn statt des Grundtons ein hoher Oberton erkannt wird. Wähl die falsche Note im Piano-Roll-Editor aus und verschieb sie eine Oktave nach unten oder oben, bis sie dort sitzt, wo sie hingehört. Geh zuerst die Basslinie durch, denn dort verstecken sich Oktavsprünge am häufigsten. Danach prüfst du alle Stellen, an denen die Melodie ohne musikalischen Grund plötzlich eine ganze Oktave springt.
Räume ich MIDI besser in einer DAW oder in einem Notationsprogramm auf?
Das hängt davon ab, was du damit vorhast. Brauchst du das MIDI für die Produktion, etwa für ein Software-Instrument, einen Remix oder einen Backing Track, arbeitest du im Piano-Roll-Editor deiner DAW. Willst du gut lesbare Noten, nimm ein Notationsprogramm, damit die Schreibweise der Töne, die Balken und das Layout richtig herauskommen. Die Aufgaben sind in beiden Fällen dieselben: Timing quantisieren, Oktavfehler und Fehlnoten korrigieren, Tempo und Taktart festlegen und die Parts trennen, damit sich jeder für sich bearbeiten lässt.
Am schnellsten legst du mit einem Song los, von dem du schon eine Aufnahme hast. Lade ihn bei Songscription hoch und bekomm bearbeitbare Noten, die du aufräumen kannst.
