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Was ist MIDI? Einfach erklärt für Musiker:innen

MIDI gehört zu den nützlichsten Dingen in Musiksoftware und wird trotzdem ständig missverstanden. Kurz gesagt ist MIDI kein Audio. Es sind Anweisungen dafür, welche Töne wie gespielt werden sollen. Davon hängt ab, was du mit einer MIDI-Datei machen kannst und warum MIDI bei der Transkription eine Rolle spielt.

Was ist MIDI? Einfach erklärt für Musiker:innen

Dieser Artikel gehört zu unserem Glossar mit Begriffen aus der Notenschrift.

MIDI ist kein Klang. Wer sich diesen einen Satz merkt, hat den größten Teil der Verwirrung um MIDI schon hinter sich. MIDI ist eine Reihe von Anweisungen, die ein Spiel beschreiben: welcher Ton gespielt wurde, wann er anfing, wann er aufhörte und wie fest er angeschlagen wurde. Stell es dir wie Noten vor, die ein Computer lesen kann, oder wie eine Liste von Fingerbewegungen statt einer Aufnahme dessen, was dabei herauskam. Weil MIDI die Töne selbst speichert und nicht ihren Klang, kannst du das Instrument, das Tempo oder jeden einzelnen falschen Ton noch lange danach ändern.

Was MIDI eigentlich ist

MIDI steht für Musical Instrument Digital Interface. Den Standard gibt es seit Anfang der 1980er-Jahre, und bis heute läuft er im Hintergrund fast jedes Studios. Erfunden wurde er, damit Synthesizer und Computer verschiedener Hersteller in einer gemeinsamen Sprache miteinander reden können. Diese Sprache ist einfach: Spiel diesen Ton, lass ihn los, schieb diesen Regler. Wenn du auf einem Digitalpiano eine Taste drückst, schickt es keinen Klang an deinen Computer. Es schickt eine kurze Nachricht, dass ein bestimmter Ton gerade mit einer bestimmten Stärke angefangen hat. Lässt du die Taste los, folgt eine zweite Nachricht, dass der Ton zu Ende ist. Aneinandergereiht ergeben diese Nachrichten eine vollständige Aufzeichnung dessen, was du gespielt hast.

Was in einer MIDI-Datei steckt

Eine MIDI-Datei ist vor allem eine Zeitleiste mit Ereignissen für einzelne Töne. Zu jedem Ton speichert sie vier Dinge, die du kennen solltest:

  • Tonhöhe. Welcher Ton es ist, vom tiefsten Grummeln bis zum höchsten Pling, als Nummer auf einer Skala, auf der das mittlere C die 60 hat.
  • Timing. Wann genau der Ton beginnt und wie lange er dauert, gemessen an einem Tempo, damit er sich sauber schneller oder langsamer abspielen lässt.
  • Velocity. Die Anschlagstärke, also wie fest der Ton angeschlagen wurde. Davon hängt meist ab, wie laut er klingt, und deshalb klingt eine MIDI-Klavierstimme nicht nach Roboter.
  • Kanal und Spur. Zu welchem Instrument oder welcher Stimme der Ton gehört. So kann eine einzige Datei Klavier, Bass und Schlagzeug auf getrennten Ebenen enthalten.

In dieser Liste taucht nirgends ein Klang auf. Eine MIDI-Datei weiß nicht, wie ein Klavier klingt. Sie weiß nur, dass du an dieser Stelle einen Klavierton haben wolltest. Klang entsteht erst, wenn ein Synthesizer oder Sampler die Datei abspielt. Daher kommen die große Stärke von MIDI und zugleich seine einzige echte Schwäche.

MIDI im Vergleich zur Audiodatei

Eine MP3- oder WAV-Datei ist eine Aufnahme. Sie hält den fertigen Klang fest wie ein Foto einen Moment. Du kannst sie lauter machen oder kürzen, aber du kannst nicht hineingreifen und den dritten Ton des Akkords verschieben. Einen dritten Ton gibt es darin nämlich nicht, nur eine Wand aus Klang. Bei einer MIDI-Datei ist es genau umgekehrt. Sie hält die Entscheidungen hinter dem Klang fest, eher wie ein Rezept als wie das fertige Gericht. Du kannst die Tonart von C nach A ändern, das Klavier gegen Streicher tauschen, einen zu tief geratenen Ton korrigieren oder das Tempo strecken, und nichts verliert an Qualität, weil der Computer das Rezept einfach neu kocht. Wegen dieser Flexibilität greifen Produzent:innen zu MIDI. Wie das in der Praxis abläuft, zeigen wir in der Anleitung Audio in MIDI umwandeln.

Wofür MIDI gut ist

Mit MIDI geht vieles leicht, zum Beispiel:

  • Nachträglich bearbeiten. Du kannst jeden Ton verschieben, löschen, verlängern oder in der Tonhöhe ändern, ohne die anderen anzufassen.
  • Den Klang wechseln. Dieselben Töne können als Flügel, Synthesizer oder Streichergruppe erklingen. Das Instrument suchst du dir später aus.
  • Die Piano Roll steuern. MIDI lässt sich direkt auf die Balken einer Piano Roll übertragen. Deshalb bearbeitet jede DAW MIDI genau auf diesem Raster.
  • Winzige Dateien. Ein ganzer Song als MIDI braucht nur ein paar Kilobyte, weil die Datei Anweisungen speichert und keinen Klang.

Was MIDI nicht erfasst

MIDI beschreibt Töne, keine Klangfarbe. Den gehauchten Klang einer bestimmten Stimme, den rauen Biss eines bestimmten Gitarrenamps oder den Raum, in dem ein Schlagzeug aufgenommen wurde, hält MIDI nicht fest. Das alles steckt im Audio und nicht in den Anweisungen für die Töne. Außerdem zeichnet MIDI Tonhöhen und Timing auf und liefert keine fertigen Noten, die ein Mensch gut lesen kann. Zeigst du eine unbearbeitete MIDI-Datei als Notenbild an, kann das ziemlich chaotisch aussehen, mit seltsamen Rhythmen und ohne sinnvolle Aufteilung auf die beiden Hände. Das muss erst eine Software aufräumen, und dieses Aufräumen ist echte Arbeit. Welches Format das richtige ist, hängt deshalb davon ab, was du vorhast. Die Vor- und Nachteile stellen wir in MusicXML, MIDI oder PDF gegenüber.

MIDI und Noten

MIDI und Noten sind eng verwandt. Beide beschreiben Töne statt Klang, und deshalb ist die Umwandlung zwischen ihnen vor allem eine Frage der Darstellung: Das Timing wird auf saubere Notenwerte gerundet, eine Taktart festgelegt und alles auf Notenzeilen verteilt. Wie du eine MIDI-Datei in Noten umwandelst, erklären wir Schritt für Schritt in MIDI in Noten umwandeln. Du kannst aber auch aus einer Aufnahme beides auf einmal erzeugen. Diesen Weg geht Songscription. Songscription hört sich deine Aufnahme an, ermittelt die Töne und gibt dir aus derselben Transkription eine MIDI-Datei für deine DAW und lesbare Noten für den Notenständer. So musst du dich nicht für eines entscheiden und das andere von Hand nachbauen.

Häufige Fragen

Was ist MIDI?

MIDI steht für Musical Instrument Digital Interface. MIDI ist kein Klang, sondern eine Reihe von Anweisungen, die ein Spiel beschreiben: welcher Ton gespielt wurde, wann genau er anfing und aufhörte und wie fest er angeschlagen wurde. Eine MIDI-Datei hat mehr mit einer Liste von Fingerbewegungen gemeinsam als mit einer Aufnahme. Weil sie die Töne selbst speichert und nicht ihren Klang, kannst du hinterher das Instrument, das Tempo oder jeden einzelnen Ton ändern, ohne irgendetwas neu aufzunehmen.

Ist eine MIDI-Datei dasselbe wie eine Audiodatei?

Nein. Eine Audiodatei wie MP3 oder WAV ist eine Aufnahme von Klang, eine feste Momentaufnahme dessen, was beim Mikrofon angekommen ist. Eine MIDI-Datei enthält überhaupt keinen Klang. Sie enthält die Anweisungen für die Töne, und ein Synthesizer oder Sampler macht daraus Klang, wenn du sie abspielst. Deshalb ist eine MIDI-Datei im Vergleich zu Audio winzig, und deshalb kannst du ein Klavier gegen eine Gitarre tauschen oder das Tempo herunterdrehen, ohne dass die Qualität leidet.

Lässt sich eine MIDI-Datei in Noten umwandeln?

Ja. MIDI enthält die Töne und ihr Timing ja schon, also kann Notensatzsoftware eine MIDI-Datei einlesen und als Noten darstellen. Meist muss sie dafür allerdings das Timing auf saubere Notenwerte runden und ein paar Entscheidungen zum Notenbild treffen, damit sich das Ergebnis gut lesen lässt. Es geht auch andersherum: Ein Transkriptionstool hört sich eine Aufnahme an, ermittelt die Töne und gibt dir aus demselben Durchgang eine MIDI-Datei und lesbare Noten.

Du hast einen Song nur als Aufnahme und hättest gern eine MIDI-Datei davon? Lad die Aufnahme hoch und bekomm MIDI und Noten zusammen.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Co-Founder & CEO, Songscription

Andrew co-founded Songscription at Stanford with a few fellow musicians who were tired of not finding the notes to the songs they wanted to play. He grew up playing piano and baritone saxophone and performing in musical theater, and though he hasn't performed in years, he likes to think he's still pretty sharp. He writes about getting a song off the recording and onto the page.

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