Teil unseres Glossars der Notationsbegriffe.
Ein Fakebook ist eine dicke Sammlung von Songs, notiert als Leadsheets: ein Song pro Seite, nur Melodie und Akkordsymbole, dazu der Liedtext, falls es einen gibt. Der Name kommt daher, dass dieses Gerüst reicht, damit Musiker:innen, die regelmäßig auftreten, einen ganzen Song daraus „faken“ können. Wer mit einem Fakebook zum Gig geht, kommt mit diesem einen Band durch Hunderte Songs.
Ein Fakebook ist eher Arbeitswerkzeug als Notenbuch. Es packt ein riesiges Repertoire in etwas, das tatsächlich auf einen Notenständer passt.
Was ein Fakebook ist
Ein Fakebook ist ein gebundenes Buch voller Leadsheets. Auf jeder Seite steht ein Song, reduziert auf seine zwei wesentlichen Teile: die Melodie auf einer einzigen Notenzeile und darüber die Akkordsymbole, bei Songs mit Text auch der Liedtext. Meistens stecken in einem Fakebook Hunderte Songs, und genau wegen dieser Menge gibt es das Format überhaupt.
Gedacht ist es für Musiker:innen, die viel live spielen und dafür eine Menge Repertoire an einem Ort brauchen. Denk an jemanden, der am Klavier Musikwünsche spielt, an eine Jazzband, die Standards ansagt, oder an ein Duo aus Gesang und Begleitung. Für jeden Song, den sich jemand wünschen könnte, ein eigenes ausgeschriebenes Arrangement dabeizuhaben, schafft da niemand. Ein Fakebook dabeizuhaben schon. Weil jeder Eintrag nur ein Leadsheet ist, kommt die Begleitung von dir selbst. Wie ein Leadsheet im Einzelnen aufgebaut ist, erklären wir in Was ist ein Leadsheet?. Noch reduzierter ist sein Verwandter, der Chord Chart. Den stellen wir in Was ist ein Chord Chart? vor.
Das Real Book
Das mit Abstand bekannteste Fakebook ist das Real Book, eine große Sammlung von Jazzstandards, die fast alle Jazzmusiker:innen irgendwann in der Hand hatten. Der Name ist ein bewusstes Wortspiel mit „Fake Book“.
Angefangen hat das Real Book in den 1970er-Jahren als nicht autorisierte Raubkopie. Zusammengestellt haben es Studierende am Berklee College of Music, die verlässliche Noten für die Stücke wollten, die sie gerade lernten. Jahrelang war es ohne Lizenz im Umlauf, und die Komponist:innen bekamen keine Tantiemen. Auch deshalb hießen solche Bücher überhaupt „fake“: Sie waren inoffiziell. Diese Zeit ist vorbei. Heute erscheinen legale, lizenzierte Ausgaben des Real Book bei Hal Leonard, mit ordentlich geklärten Rechten.
Fakebook oder Songbook
Im Regal sehen ein Fakebook und ein Songbook ziemlich ähnlich aus, drin steht aber etwas ganz anderes.
- Fakebook: das Leadsheet-Gerüst jedes Songs, nur Melodie und Akkorde. Du liest die Melodie und baust dir die Begleitung selbst.
- Songbook: komplett ausgeschriebene Arrangements, oft für Klavier und Gesang, mit einer Begleitung, die Note für Note notiert ist. Du spielst, was auf der Seite steht.
Am Ende wägst du Umfang und Freiheit gegen Details ab. In ein Fakebook passen Hunderte Songs, und jeden davon kannst du frei interpretieren. Dafür musst du deine Akkorde kennen und den Rest selbst ergänzen. Ein Songbook gibt dir für jeden Song ein vollständiges Arrangement, das du jedes Mal genauso spielen kannst. Es enthält aber deutlich weniger Songs und legt dich auf eine Spielweise fest. Besser ist keins von beiden, sie sind einfach für verschiedene Zwecke gemacht.
Dein eigenes Fakebook anlegen
Um ein Fakebook zu haben, musst du keins kaufen. Du kannst dir selbst eins aus den Songs zusammenstellen, die du wirklich spielst. Oft ist das nützlicher als eine allgemeine Sammlung, weil sich jede Seite ihren Platz verdient hat. Dafür machst du aus jedem Song ein Leadsheet mit Melodie und Akkorden und sammelst die Blätter.
Am längsten dauert es, für jeden Song Melodie und Akkorde herauszufinden. Diesen Schritt kann dir eine Transkription der Aufnahme abnehmen. Mit den Arrangement-Funktionen von Songscription kannst du die Melodie samt Akkorden aus einer Aufnahme herausholen. Das Ergebnis exportierst du nach MusicXML, öffnest es in einem Notensatzprogramm und setzt daraus ein sauberes Leadsheet. Machst du das für jeden Song, den du drin haben willst, entsteht ein Fakebook, das genau aus deinem Repertoire besteht. Wie du ein Leadsheet von Anfang bis Ende aus einer Aufnahme transkribierst, zeigen wir in unserer Anleitung.
Häufige Fragen
Was ist ein Fakebook?
Ein Fakebook ist eine Sammlung von Leadsheets mit Melodie und Akkorden, ein Song pro Seite. In einen einzigen Band passen so Hunderte Songs. Wer regelmäßig auftritt, hat damit ein ganzes Repertoire dabei und spielt die Begleitung selbst dazu.
Warum heißt es Fakebook?
Weil Melodie und Akkorde reichen, um ein komplettes Arrangement aus dem Stegreif zu „faken“. Die ersten Fakebooks waren außerdem inoffizielle Sammlungen ohne Lizenz, und das gab dem Namen eine zweite Bedeutung.
Was ist das Real Book?
Das Real Book ist das bekannteste Fakebook, eine große Sammlung von Jazzstandards als Leadsheets. Es entstand in den 1970er-Jahren am Berklee College als Raubkopie, zusammengestellt von Studierenden. Heute gibt es legale, lizenzierte Ausgaben, die bei Hal Leonard erscheinen.
Wie erstelle ich mein eigenes Fakebook?
Transkribiere die Songs, die du spielst, als Leadsheets und sammle sie in einem Buch. Jeden Song kannst du dir nach Gehör erarbeiten oder Melodie und Akkorde per KI aus einer Aufnahme herausholen lassen. Danach exportierst du nach MusicXML und setzt jeden Song als Leadsheet.
