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Wie Producer:innen mit Audio-to-MIDI Sounds nachbauen

Manchmal steckt der Sound aus deinem Kopf schon auf einer Platte, die du liebst. Mit Audio-to-MIDI holst du die Noten aus dieser Platte und spielst sie über deine eigenen Instrumente ab. So bauen Producer:innen damit einen Part nach, tauschen den Sound aus und machen daraus etwas Eigenes.

Wie Producer:innen mit Audio-to-MIDI Sounds nachbauen: Noten aus einer Aufnahme holen und den eigenen Synths zuweisen

Du hörst eine Bassline auf einer alten Platte und willst sie haben. Und zwar nicht die Aufnahme, sondern den Part: die Noten, die Bewegung, die Art, wie er unter den Akkorden liegt. Wenn du das Audio samplest, bekommst du den Sound, festgelegt auf genau diesen einen Take. Eigentlich willst du aber die Performance, damit du sie über dein eigenes Equipment spielen und zu deiner machen kannst.

Mit Audio-to-MIDI geht das. Du holst die Noten als bearbeitbare MIDI-Daten aus der Aufnahme und weist sie dann einem beliebigen Synth oder Sampler in deinem Projekt zu. Einen Überblick über viele Tools findest du in unserer Übersicht über Producer-Tools. Hier geht es nur um eine Technik: einen Part nachbauen, ihm einen neuen Sound geben und ihn danach frei bearbeiten.

Noten sind nützlicher als Audio

In einem Sample stecken Tonhöhe, Klangfarbe und Timing fest drin. Willst du eins davon verbiegen, arbeitest du gegen die Aufnahme. Bei MIDI ist es umgekehrt. MIDI ist die Liste der Noten hinter dem Sound, ganz ohne den Sound selbst. Deshalb kannst du jeden Parameter noch ändern.

Sobald ein Part als MIDI vorliegt, kannst du die eine Note verschieben, die dich schon immer gestört hat, die ganze Linie in die Tonart deines Tracks transponieren, einen Akkord mit einem offeneren Voicing auflockern oder die Linie gleich einem ganz anderen Instrument geben. Wir haben gemerkt, dass eine Referenz erst dann zu einer echten Grundlage für dich wird, wenn du die Noten als Daten hast und nicht als festen Audio-Clip. Wie die Umwandlung selbst funktioniert, steht in unserem Leitfaden zu Audio-to-MIDI. Starten kannst du sie mit dem Audio-to-MIDI-Tool aus jeder beliebigen Quelle oder direkt aus einer Datei mit MP3 zu MIDI.

Den Part auf deinen eigenen Sound legen

Wenn du das MIDI für den Part hast, geht es so weiter:

  • Exportiere den umgewandelten Part aus der Transkription als MIDI-Datei und zieh sie auf eine leere Spur in deiner DAW.
  • Lade das Instrument, über das der Part laufen soll, also einen Software-Synth, einen Sampler oder einen eingebundenen Hardware-Synth, und lass den MIDI-Clip dieses Instrument ansteuern.
  • Hör dir den Part mit diesem Patch an und schraub am Patch selbst, an Filter, Hüllkurve und Oszillatoren, bis die Klangfarbe in deinen Track passt.
  • Bearbeite in der Piano Roll die Noten, die du ändern willst: ein Voicing ändern, eine Oktave tiefer gehen, einen Lauf vereinfachen oder das Timing quantisieren.

Die Referenzplatte hat dir die Noten gezeigt, über den Sound entscheidet dein Patch. Nimm den Walking Bass aus einem Jazz-Stück und schick ihn durch einen fetten analogen Sub, oder nimm eine Akkordfolge von einem alten Rhodes und voice sie auf einem gläsernen digitalen Pad neu. Die harmonische Idee bleibt beim Tausch erhalten, der Charakter ändert sich komplett. Danach bearbeitest du den Part einfach weiter.

Ein Instrument nach dem anderen

Ein kompletter Mix lässt sich nicht sauber umwandeln. Die Transkription liest immer nur ein Instrument, und wenn du ihr einen dichten Master gibst, kommen verhedderte Notendaten zurück. Deshalb isolierst du den Part zuerst.

  • Teil den Track in Stems auf und wandle dann nur den Stem um, den du brauchst, etwa den Bass oder die Leadline. Aus sauberem Input wird sauberes MIDI.
  • Nimm die klarste Quelle. Ein Part, der vorne steht und sich kaum mit anderen überschneidet, lässt sich besser transkribieren als einer, der im Mix untergeht.
  • Rechne damit, nach dem Umwandeln ein paar Noten von Hand zu korrigieren. In der Piano Roll siehst du eine falsche Tonhöhe schnell und ziehst sie an die richtige Stelle.

Wie das Aufteilen in Stems funktioniert und was du von welcher Quelle erwarten kannst, liest du in unserem Artikel darüber, wie aus Originalaufnahmen MIDI wird.

Ab in die DAW

Exportiere das MIDI und zieh es in deine Session. Ab da verhält es sich wie alles, was du selbst eingespielt hast: Du kannst es quantisieren, humanisieren, schichten oder zerschneiden. Arbeitest du mit Ableton, zeigt dir unsere Anleitung zu Songscription mit Ableton Live, wie Import und Routing gehen. Der Part, der auf einer Platte steckte, die du liebst, ist jetzt ein Clip in deinem Projekt. Er läuft über deinen Sound, und du kannst ihn bearbeiten, wie du willst.

Häufige Fragen

Wie baue ich mit Audio-to-MIDI einen Sound aus einer Platte nach?

Wandle den Part in MIDI um, damit du die Noten als bearbeitbare Daten hast, und schick dieses MIDI an deinen eigenen Synth oder Sampler. Das Original-Audio kopierst du dabei nicht. Du spielst dieselben Noten über deinen eigenen Sound. Danach bearbeitest du die Noten, änderst das Voicing und schraubst am Patch, bis alles in deinen Track passt. Die Platte liefert dir den Part, der Sound gehört dir.

Kann ich einen kompletten Mix auf einmal in MIDI umwandeln?

In einem Durchgang nicht. Die Transkription arbeitet immer nur mit einem Instrument, deshalb kommt bei einem dichten Mix ein ziemliches Durcheinander heraus. Teil den Track zuerst in Stems auf und lass Audio-to-MIDI dann über den Stem laufen, den du brauchst, etwa den Bass oder den Lead-Synth. Wenn du Part für Part vorgehst, bekommst du saubere Notendaten, mit denen du wirklich arbeiten kannst.

Warum in MIDI umwandeln, statt das Audio einfach zu samplen?

Ein Sample ist festes Audio. MIDI sind die Noten dahinter, und an denen kannst du alles verändern. Du kannst eine Note verschieben, die Tonart wechseln, den Akkord neu voicen, das Instrument tauschen oder das Ganze ohne Artefakte langsamer machen. Beim Sampeln bist du an Sound und Tonhöhe der Originalaufnahme gebunden. MIDI gibt dir die Performance als Rohmaterial, aus dem du alles von Grund auf neu bauen kannst.

Zur Person

Andrew Carlins

Geschrieben von

Andrew Carlins

Mitgründer und CEO von Songscription

Andrew hat Songscription in Stanford zusammen mit ein paar anderen Musiker:innen gegründet. Sie hatten es satt, die Noten zu den Songs, die sie spielen wollten, nirgends zu finden. Er ist mit Klavier und Baritonsaxofon aufgewachsen und stand in Musicals auf der Bühne. Das ist zwar schon Jahre her, aus dem Takt ist er nach eigener Einschätzung aber noch lange nicht. Hier schreibt er darüber, wie ein Song von der Aufnahme aufs Papier kommt.

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