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So baust du einen Song mit Multitrack-MIDI in deiner DAW nach

Wer früher einen ganzen Song in der DAW nachbauen wollte, musste jeden Part nach Gehör einprogrammieren. Mit Multitrack-MIDI aus einer Aufnahme liegt jeder Part schon auf einer eigenen Spur, vom Schlagzeug und Bass bis zu Streichern, Bläsern und Synths. Der Weg führt in sieben Schritten vom Hochladen bis zu einer Session, die du spielen und weiterproduzieren kannst.

Eine DAW-Session mit einer eigenen MIDI-Spur für jedes Instrument, nachgebaut aus einer einzigen Aufnahme

Teil unseres Leitfadens zum Transkribieren einer ganzen Band.

Um einen Song in deiner DAW nachzubauen, transkribierst du die Aufnahme in Multitrack-MIDI und importierst sie so, dass jedes Instrument auf einer eigenen Spur landet. Dann weist du jeder Spur einen Sound zu und bearbeitest die Parts, bis sie sitzen. Mit dem Modus „Mehrere Instrumente“ (Beta) in Songscription bekommst du aus einem einzigen Upload eine MIDI-Spur für jedes erkannte Instrument. Du fängst also mit dem ganzen Arrangement an statt mit einer leeren Session.

Brauchst du nur einen Part, etwa eine Basslinie für deinen eigenen Synth, dann lies unseren Artikel darüber, wie Produzent:innen mit Audio-to-MIDI Sounds nachbauen. Hier geht es um die Version für die ganze Band: Du baust jeden Part eines Songs als Session nach, die du spielen, remixen und produzieren kannst.

Schritt 1: Die richtige Aufnahme wählen

Nimm die sauberste Version des Songs, die du finden kannst. Eine Studioaufnahme mit klarem, ausgewogenem Mix lässt sich besser transkribieren als ein Livevideo, und ein Song, in dem jedes Instrument seinen eigenen Platz hat, besser als eine dichte Soundwand. Du kannst eine Audiodatei (MP3, WAV, FLAC, AAC oder M4A) oder ein Video (MP4, MOV oder WebM) hochladen oder einen Link von YouTube, TikTok oder Instagram einfügen.

Ist es dein eigener Song und hast du die Session noch, brauchst du diesen Workflow wahrscheinlich nicht. Er ist für Songs gedacht, die du nur als fertigen Mix hast.

Schritt 2: Mit „Mehrere Instrumente“ transkribieren

Wähle bei den Instrumenten „Mehrere Instrumente“ und lass die Transkription laufen. Du bekommst Noten mit mehreren Notenzeilen und das passende Multitrack-MIDI. Jede Keyboard-Spur ist in linke und rechte Hand aufgeteilt, und das ist in der DAW praktisch: Du kannst der linken Hand ein basslastiges Klavier geben und der rechten einen helleren Sound, oder du lässt beide auf einem Instrument.

Nimm dir vor dem Herunterladen ein paar Minuten Zeit für den Editor. Dort vergleichst du die Wiedergabe der Transkription mit der Aufnahme und korrigierst die offensichtlichen Fehler, solange sie noch leicht zu hören sind: einen Basston in der falschen Oktave, einen fehlenden Akkord, eine Gesangslinie, die wegdriftet. Das MIDI aus den Noten wird dadurch sauberer, denn was du im Editor korrigierst, steckt danach auch darin. Eine Checkliste, worauf du bei jedem Part achten kannst, findest du im Artikel So bekommst du Noten für jedes Instrument eines Songs.

Schritt 3: MIDI aus den Noten oder Roh-MIDI

Im Menü „Herunterladen“ findest du zwei MIDI-Dateien, und fürs Produzieren macht es einen echten Unterschied, welche du nimmst.

MIDI aus den NotenRoh-MIDI der Transkription
TimingAm Raster der Zählzeiten ausgerichtet, wie in den NotenNicht quantisiert, behält das freie Timing des Originals
AnschlagstärkeFolgt den NotenBehält die Anschlagstärken der Aufnahme
Enthält deine Korrekturen aus dem EditorJaNein, Änderungen an den Noten wirken sich hier nicht aus
Am besten fürStraffe, programmierte Parts und schnelle SkizzenDas menschliche Feeling der Band

Am einfachsten lädst du beide herunter. Das Roh-MIDI nimmst du für Parts, bei denen es aufs Feeling ankommt, etwa das Schlagzeug oder eine Basslinie, die leicht hinter dem Beat liegt. Das MIDI aus den Noten passt zu Parts, die exakt sitzen sollen. Was Quantisieren mit einer Performance eigentlich macht, erklärt der Artikel Was ist MIDI-Quantisierung?

Schritt 4: In die DAW importieren

Jede gängige DAW liest Standard-MIDI-Dateien. Im Detail gibt es kleine Unterschiede:

  • Ableton Live: Zieh die .mid-Datei in die Arrangement-Ansicht. Jede Spur der Datei landet auf einer eigenen MIDI-Spur. Mehr dazu steht in Songscription mit Ableton Live nutzen.
  • Logic Pro: Wähle „Ablage“ > „Importieren“ oder zieh die Datei in den Bereich „Spuren“. Logic legt für jede MIDI-Spur eine eigene Software-Instrument-Spur an.
  • FL Studio: Importiere die Datei über das File-Menü als MIDI-Datei und lass die Spuren dabei getrennt, damit jedes Instrument einen eigenen Kanal bekommt. Logic und FL Studio behandelt auch der Artikel Songscription mit Logic Pro und FL Studio.
  • GarageBand: Zieh die .mid-Datei auf die Timeline, dann entstehen Software-Instrument-Spuren. Mehr dazu in Songscription mit GarageBand nutzen.

Stell das Tempo der Session vor oder nach dem Import auf das Tempo des Songs ein, je nachdem, wie deine DAW mit Tempoinformationen in MIDI-Dateien umgeht. In unserer allgemeinen Anleitung, wie du MIDI in eine DAW importierst, geht es auch um stumme Spuren und andere typische Stolperstellen.

Schritt 5: Jeder Spur ein Instrument zuweisen

MIDI hat keinen Klang, deshalb wird der Song erst in diesem Schritt wieder lebendig. Geh die Spuren am besten nach Wichtigkeit durch:

  • Schlagzeug. Lade ein Drumkit oder ein Drum Rack. Prüf, ob Kick, Snare und Hi-Hat in deinem Kit die richtigen Sounds auslösen. Drum-Instrumente belegen die Noten nicht immer gleich, also leg alles, was auf dem falschen Pad landet, neu auf das richtige.
  • Bass. Für einen originalgetreuen Nachbau passt ein E-Bass-Sample, für eine eigene Interpretation des Songs ein Synth-Bass.
  • Gitarre. Für cleane Parts eignet sich ein Gitarreninstrument mit Amp-Simulation. Geschrammelte Akkorde klingen auf einem Pad, auf Keys oder einem Pluck-Synth oft überzeugender als auf einer gesampelten Gitarre.
  • Keys. Klavier, E-Piano, Orgel oder Synth. Weil die Hände getrennt ankommen, kannst du für beide Hände Sounds übereinanderschichten oder jeder Hand einen eigenen Sound geben.
  • Streicher, Blech- und Holzbläser. Lade Ensemble- oder Solo-Patches, die zum Part passen, und prüf die Tonumfänge. Ein gesampeltes Instrument spielt bereitwillig Töne, die ein echtes gar nicht schafft.
  • Gesang. Auf der Gesangsspur liegt die Melodie als Noten, nicht als Gesang. Leg sie als Orientierung auf einen Lead-Synth oder ein Klavier, sing dann darüber oder ersetz sie durch eine echte Gesangsaufnahme.

Hier machst du den Nachbau zu deinem eigenen Song. Dieselben Noten mit anderen Sounds ergeben ein Cover, eine Remix-Skizze oder ein neues Arrangement.

Schritt 6: Quantisieren, humanisieren und korrigieren

Behandle jetzt jede Spur wie einen Part, den du selbst eingespielt hast.

Quantisier, wo es hilft. Hast du mit dem Roh-MIDI angefangen, quantisierst du die Spuren, die straff sitzen müssen, oft Kick und Snare, und lässt den Rest locker. Bei teilweiser Quantisierung rücken die Noten nah ans Raster, aber nicht ganz, und etwas vom Feeling bleibt erhalten.

Humanisier, wo Quantisieren nicht hilft. Klingen die Parts im MIDI aus den Noten steif, können die meisten DAWs Timing und Anschlagstärke leicht zufällig variieren. Du kannst für diese Spur aber auch einfach das Roh-MIDI nehmen.

Korrigier falsche Noten. „Mehrere Instrumente“ ist noch in der Beta, rechne also mit etwas Nacharbeit. Achte auf Noten, die eine Oktave daneben liegen, auf Noten, die eigentlich von einem benachbarten Instrument stammen, und auf lange Noten, die kurz sein sollten. In der Piano Roll fallen solche Fehler schnell auf. Unser Artikel zum Aufräumen von MIDI nach der Umwandlung geht jede Korrektur einzeln durch.

Transkribier einen schwachen Part neu. Ist eine Spur zu holprig, um sie von Hand zu reparieren, transkribierst du dieses Instrument noch einmal für sich allein. Dabei holt das Modell nur diesen einen Part aus dem kompletten Mix heraus. Das neue MIDI tauschst du dann in deiner Session ein.

Schritt 7: Produzieren

Ab hier ist es deine Session. Du kannst die Tonart wechseln, die Bridge neu schreiben, den Bass mit einem Sub doppeln oder das Schlagzeug durch ein eigenes Pattern ersetzen, das auf dem Groove des Originals aufbaut. Die Transkription hat dir das Arrangement geliefert, alles danach ist Produktion. Wie sich die Arbeit mit MIDI von der Arbeit mit getrennten Audiospuren unterscheidet, steht in Multitrack-MIDI oder Stems.

Häufige Fragen

Wie baue ich einen Song in meiner DAW nach?

Transkribiere die Aufnahme in Multitrack-MIDI, importiere die Datei in deine DAW und weise jeder Spur ein Instrument zu. In Songscription lädst du die Aufnahme hoch, wählst „Mehrere Instrumente“ (Beta) und lädst die MIDI-Datei herunter. Darin hat jedes erkannte Instrument eine eigene Spur. Danach lädst du auf jede Spur einen Sound, entscheidest, wie straff das Timing sein soll, und korrigierst falsche Noten, bevor du mit dem Produzieren anfängst.

Soll ich das MIDI aus den Noten oder das Roh-MIDI herunterladen?

Nimm das MIDI aus den Noten, wenn du saubere, am Raster ausgerichtete Parts willst, die zu den Noten passen und deine Änderungen aus dem Editor enthalten. Das Roh-MIDI der Transkription ist die bessere Wahl, wenn das Feeling der Originalaufnahme erhalten bleiben soll, weil es das freie Timing und die Anschlagstärken behält. Die Rohdatei ist nicht quantisiert und hängt nicht an den Noten. Was du an den Noten änderst, taucht darin also nicht auf. Viele Produzent:innen fangen mit dem Roh-MIDI an und quantisieren nur die Spuren, die es brauchen.

Warum ist mein importiertes MIDI stumm?

MIDI enthält nur Notendaten und hat keinen eigenen Klang. Jede Spur braucht ein virtuelles Instrument, zum Beispiel ein Drumkit, einen Bass-Sound oder ein Klavier. Solange keins geladen ist, bleibt die Spur stumm, obwohl die Noten da sind. In manchen DAWs kommt eine mehrspurige MIDI-Datei mit einem Standardinstrument auf jeder Spur an. Das tauschst du meistens gegen einen Sound aus, der zum Part passt.

Kann ich so auch einen Orchestersong nachbauen?

Teilweise. „Mehrere Instrumente“ erkennt neben Bandinstrumenten auch Streicher, Blechbläser, Holzbläser, Harfe und Pauken. Bei einem orchestralen oder filmischen Track bekommst du also für jedes erkannte Instrument eine eigene MIDI-Spur. Die Funktion ist noch in der Beta, und je mehr Instrumente sich im selben Tonumfang überlagern, desto mehr musst du nachbessern. Den Part, auf den es dir am meisten ankommt, transkribierst du am besten noch einmal mit nur diesem einen Instrument und tauschst das sauberere MIDI in deiner Session aus.

Willst du einen Track nachbauen? Mach aus einer Aufnahme Multitrack-MIDI.

Zur Person

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Von Musiker:innen für Musiker:innen gemacht

Songscription macht aus jeder Aufnahme Noten, MIDI und Tabs. Dieser Beitrag kommt von den Musiker:innen und Entwickler:innen, die an den Tools arbeiten, die wir selbst gern gehabt hätten. Die Noten nehmen wir ernst, unsere Wortspiele noch ernster. Sollte eins davon schief klingen, entschuldigen wir uns schon mal im Voraus.

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